Corona-Krise

„Während ich mich mit 24 Freunden privat treffen darf, ist normales Fußballtraining untersagt – wo ist der Unterschied?“

17. Juli 2020, 12:30 Uhr

Während in Niedersachsen bereits wieder Spiele stattfinden dürfen, ist man davon in Hamburg noch (weit) entfernt. Foto: Bode

Wer als Hamburger derzeit Amateurfußball sehen will, für den lohnt sich der Blick – oder aber die Reise – über die Stadtgrenzen hinweg. In Niedersachsen darf bereits wieder gespielt werden – und so weichen in den kommenden Tagen und Wochen neben dem FC Eintracht Norderstedt zum Beispiel auch der FC Teutonia 05 und der SV Altengamme für Testspiele ins Nachbarbundesland aus. Auch in Schleswig-Holstein, so kann man aufgrund der Tatsache vermuten, dass dort in Sachen Training schon ganz andere Verfügungen gelten als in Hamburg, wird es eher wieder Fußball-Spiele als in der Hansestadt geben. Ein Zustand, der in der Hamburger Amateurfußball-Szene auf wenig Begeisterung trifft.

„Ein vorsichtiger Beginn in Form eines Regeltrainings und Testspiele wäre absolut in Ordnung. Und in den Kontakten auch zu 100 Prozent nachvollziehbar. Aber bei uns in Hamburg bewegt sich leider nichts und das macht auch für uns aus Vereinssicht eine zielführende Vorbereitung schwierig“, meldete sich beispielsweise Robert Mimarbachi jüngst via „Facebook“ zu Wort. „Mir fehlt jeder Ansatz von Kommunikation und mein Fragezeichen wird immer größer“, übt der Manager des Oberliga-Aufsteigers VfL Lohbrügge zudem Kritik in Richtung Hamburger Fußball-Verband (HFV).

„Wenn nicht bald Einheitlichkeit geschaffen wird, entsteht ein klarer Wettbewerbsnachteil“

NTSV III-Trainer Jan-Hendrik Schmidt findet auf seinem Blog sachliche, aber klare Worte. Archivfoto: noveski.com

Sören Deutsch, der Coach des Ost-Bezirksligisten TSV Glinde, kommentierte – ebenfalls auf „Facebook“ –, dass er es „einfach gerne verstehen“ würde: „Man darf so viel: Die Städte platzen wieder aus allen Nähten, die Leute gehen feiern, schwimmen, zum Fitness. Teilweise eng aneinander. Ich darf 100 Leute zum Grillen einladen, aber Kicken ist in Hamburg immer noch nicht erlaubt. Wenn man dafür mal eine Erklärung bekommen würde, dann würde man das vielleicht auch schlucken...“ Und auch Jan-Hendrik Schmidt hat sich so seine Gedenken gemacht, die in Hamburg nahezu jeden Trainer, Manager oder Spieler derzeit umtreiben, wenn es um die Planung der diesjährigen Saisonvorbereitung und die damit verbundenen Schwierigkeiten geht. Man habe, so der Coach des Niendorfer TSV III (Bezirksliga Nord) „noch eine weitere Hürde“ dazu bekommen: „In Niedersachsen wird seit Montag wieder gespielt und in Schleswig-Holstein deutet vieles darauf hin, dass auch dort spätestens ab dem 10. August wieder Spiele stattfinden können. In Hamburg regt sich dahingehend nichts. Und das ist ein Problem.“ Er habe zumindest, so Schmidt auf seinem Blog „mein-leben-im-trainingsanzug.de“, „persönlich wohlwollend zur Kenntnis genommen, wie die Stadt Hamburg die Corona-Krise angegangen ist.“

„Die gewährte Vorbereitungsfrist ist nur dann okay, wenn sie für alle Mannschaften gilt“

„Das besonnene Vorgehen ist sicherlich ein entscheidender Faktor dafür, dass die Fallzahlen so niedrig geworden sind. Die meisten Schritte waren transparent kommuniziert und vertretbar in der Umsetzung. Doch während ich mich mittlerweile mit 24 Freunden privat zu einer kleinen Feier treffen darf, ist ein normales Fußballtraining immer noch untersagt. Wo ist der Unterschied?“, fragt Schmidt auf seinem Blog und ist der Meinung: „Dass uns andere Bundesländer, die sogar ein anderes, teilweise höhres Infektionsgeschehen aufweisen, bereits voraus sind, ist den Vereinen und Fußballern kaum noch zu erklären. Vor allem, wenn es die an Hamburg angrenzenden Bundesländer sind. Es wird Zeit, dass sich die Politik auch dem Amateursport annimmt und weitere Lockerungen beschließt, die aktuell allemal möglich sind. Es wird auch Zeit, dass der HFV seiner Aufgabe als Interessenvertreter endlich gerecht wird und von der Politik genau diese Lockerungen einfordert, die im richtigen Verhältnis zu allen anderen Lockerungen stehen würden.“ 


Wenn nicht „bald Einheitlichkeit geschaffen“ werde, stellt Schmidt fest, „entsteht ein klarer Wettbewerbsnachteil für Mannschaften, die nicht jede Woche nach Niedersachsen fahren können und wollen. Die gewährte zweiwöchige Vorbereitungsfrist ist nur dann okay, wenn sie für alle am Hamburger Spielbetrieb teilnehmenden Mannschaften gilt. Und nicht nur für einige. Es wäre wichtig, dass spätestens ab dem 1. August eine einheitliche Regelung für den Spielbetrieb getroffen wird, damit sich alle Mannschaften bestmöglich vorbereiten können.“

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