Kreisliga 6

Von der „Siebten“ zur „höchsten Mannschaft beim FC St. Pauli“

31. Juli 2020, 14:43 Uhr

Am Fuße des Bunkers: Das etwas ungewöhnliche "Corona-Meisterbild" des FC St. Pauli IV. Durch den Aufstieg wird die "Vierte" nun aber zur "Dritten" des Clubs. Foto: Stefan Groenveld

Vor fünf Jahren nahm man als Siebtvertretung des FC St. Pauli den Spielbetrieb im Hamburger Fußball-Verband auf – nun sind die Mannen um Chefcoach Christian Köpke zur stärksten Fraktion hinter den Profis und dem U23-Nachwuchs bei den „Kiezkickern“ aufgestiegen. Denn: Als Meister der Kreisliga 6 sind die Köpke-Kicker nicht nur zurück in der Bezirksliga, sondern auch zur neuen „Dritten“ des Vereins aufgestiegen. Diese Rolle will man mit Stolz tragen. Wir haben mit dem Cheftrainer über den Weg und Erfolg, die Kaderplanung sowie Zielsetzung – und über einen Vergleich mit der Dritten Mannschaft des Hamburger SV gesprochen…

FussiFreunde: Ihr habt euch vor der mit einigen ehemaligen Oberliga-Spielern verstärkten Dritten Mannschaft des TSV Sasel die Meisterschaft gesichert. Was hattet ihr Sasel voraus – außer die vier Punkte?

Cheftrainer der neuen St. Pauli-Dritten ist Christian Köpke, der mit dem Team vor fünf Jahren als Siebtvertretung den Spielbetrieb aufnahm. Foto: Stefan Groenveld

Christian Köpke: „Als Erstes will ich sagen, dass wir es sehr schade finden, dass die Saison so zu Ende gegangen ist. Im Hinblick auf das Saisonfinale am letzten Spieltag gegen Sasel III wäre es bei uns in der Liga bis zum Ende sehr spannend geworden. Darauf haben wir uns natürlich alle gefreut. Dass wir nun als Meister die Saison abgeschlossen haben liegt nicht daran, dass wir im Vergleich zu Sasel den besseren Fußball gespielt haben. Denn im einzigen Aufeinandertreffen sind wir als Verlierer vom Platz gegangen. Ich denke, es liegt an der Konstanz und vielleicht auch an der Erfahrung einiger Spieler bei uns im Team. Mit der Niederlage gegen Norderstedt II haben wir erst am 13. Spieltag unsere ersten Punkte abgeben müssen. Das war im Rückblick natürlich ein sensationeller Start für uns. Sasel III hat nur einmal in der Saison verloren, aber gerade in der Schlussphase eben auch oft unentschieden gespielt. Wobei wir hingegen in den Spielen, in denen man zumindest auf dem Papier gewinnen musste, auch voll gepunktet haben. Unter dem Strich haben Sasel III und damit Lenny Kratzmann und Niklas Bott einen super Job gemacht und wir drücken ihnen die Daumen, dass sie es mit ihrem Schnitt von 2,4 ebenfalls in die Bezirksliga schaffen. Verdient haben sie es sich.“

Du hast eure Konstanz schon angesprochen. Aber was hat euch in dieser Saison generell so stark gemacht?

Spaß und Teamgeist stehen bei der künftigen "Dritten" der Kiezkicker im Vordergrund. Foto: Stefan Groenveld

Köpke: „Nach dem Abstieg im Jahr zuvor haben wir es geschafft, die Mannschaft zusammenzuhalten und neu zu motivieren. Wir wollten beweisen, dass wir besseren Fußball spielen können, als wir ihn in der Abstiegssaison gezeigt haben. Des Weiteren haben wir es geschafft, uns mit Spielern wie Erwin Beilmann, Jannik Burkhardt, Dimitri Dischenkow, Steven Pein, Nils Pistorius und Daniel Schallhorn so zu verstärken, dass relativ schnell klar war, dass wir von Beginn an um die Meisterschaft mitspielen können. Die wichtigste Verstärkung haben wir aber, meiner Meinung nach, im Trainerteam bekommen. Mit Jörn Steffen als Torwart-Trainer und Marius Breuch als Co-Trainer haben wir zwei Vollblut-Trainer dazubekommen, die uns in jedem Moment besser gemacht haben. Beide haben neue Impulse eingebracht und sorgen in jeder Einheit für den richtigen Einsatz und die richtigen Worte. Zudem ist jedem klar, dass wir in dieser Zusammenstellung als Team weit mehr erreichen können als allein. Dadurch ist es uns zum Beispiel auch meistens gelungen, den passenden Schlüssel zu finden, um unsere Spiele zu gewinnen.“

Nun geht es wieder in der Bezirksliga um Punkte. Warum werdet ihr dort in der kommenden Saison gut bestehen können?

Zusammen mit dem ehemaligen Oberliga-Spieler Lasse Keunemann (TSV Sasel III) sicherte sich Steven Pein (einst Germania Schnelsen) mit 22 Treffern die Torjägerkanone in der KL 6. Foto: Stefan Groenveld

Köpke: „Durch die bereits angesprochenen Verstärkungen in der vergangenen Saison haben wir den Grundstein dafür bereits legen können. Wie viele andere Mannschaften auch, haben wir außerdem im Trainerteam die Fußball-freien Monate dazu genutzt, um unsere Ideen zusammenzutragen, wie wir Fußball spielen lassen und die Mannschaft führen wollen. Wir haben uns auf Distanz zusammengesetzt, diskutiert, gestritten und am Ende daraus eine gemeinsame/einheitliche Idee entwickelt. Wir sind davon überzeugt, dass uns dieser Plan, zu trainieren, zu spielen und zu führen besser machen wird. Wie erfolgreich wir dann am Ende sind, hängt nun natürlich auch davon ab, wie gut wir es schaffen, diese Idee den Spielern zu vermitteln und wie weit diese dann in der Lage sind, die Anforderungen zu erfüllen und umzusetzen. Über das Mannschaftsklima und den Teamgedanken müssen wir uns keine Sorgen machen. Jeder, der uns kennt oder sieht, weiß, dass wir damit ein großes Gewicht in die Waagschale werfen können.“

Was macht die Kaderplanung – wer sind die Neuzugänge und wer wird euch verlassen?

Köpke: „Zurzeit plagen uns noch einige Verletzungssorgen, die vermutlich auch über die Pause nicht vollends auskuriert sein werden. Hinzu kommen natürlich einige Abgänge. Mit Andreas Kolb, Sven Kamptmann und Marcel Bock (Karriereende) verlassen uns drei Spieler, die uns über Jahre hinweg begleitet haben und die einen großen Anteil daran hatten, uns in die Bezirksliga zu führen. Außerdem werden einige Spieler etwas kürzertreten müssen. Auf der anderen Seite haben wir mit Maximilian Walter einen Spieler zurückholen können, den wir bereits aus vergangenen Zeiten kennen, bevor er einige Jahre in Hamburgs höchster Klasse Erfahrungen sammeln konnte. Zusätzlich haben wir mit David Casula einen jungen Keeper aufgenommen, der uns auch auf dieser Position weiterbringen wird. Zusammen mit Bouba Soumah, den wir aus einigen Duellen gegen den HSV IV kennen und der uns das Leben immer wieder schwer gemacht hat, kamen Fabian Schmitz und Julian Klemenz bereits zum Ende der letzten Saison drei neue Spieler hinzu. Mit weiteren Spielern sind wir noch in Gesprächen und werden näher darauf eingehen, wenn diese Gespräche abgeschlossen sind. Denn aktuell sind wir noch auf der Suche nach weiteren Verstärkungen. Wer sich hier angesprochen fühlt kann sich gern unter Facebook.de/FCSPIII ein Bild von uns machen und uns unter fussball_ist_geil@yahoo.comanschreiben.“

Mit welcher Zielsetzung geht ihr in die Saison?

Das Trainer- und Funktionsteam um Christian Köpke (2. v. re.) und "Co" Marius Breuch (re.). Foto: Stefan Groenveld

Köpke: „Das ist aktuell sehr schwierig zu beantworten. Durch die aktuelle Situation sind einfach noch zu viele Fragen offen. In welcher Staffel werden wir landen? Wann starten die Vorbereitung und die Saison? Werden wir die Saison normal zu Ende spielen können oder droht eine weitere Pause? Deshalb wird es meiner Meinung nach auch sehr wichtig sein, einen guten Start hinzulegen. Da wir eine sehr lange Pause hatten und auch aktuell noch nicht voll trainieren können, ist eine gute Vorbereitung in diesem Jahr noch entscheidender als sonst. Was wir aber jetzt schon sagen können, ist, dass wir als höchste Mannschaft vom FC St. Pauli auch attraktiven Fußball spielen und den Verein so gut wie möglich vertreten wollen. Wir wollen mutige, selbstbewusste und mündige Spieler – und das auch an der Art und Weise, wie wir Fußball spielen, wiedererkennen. Wir wollen es jedem Gegner schwer machen, gegen uns zu bestehen und das Gefühl hinterlassen, auf das nächste Duell gegen uns zu brennen.“

Der HSV spielt mit seiner „Dritten“ in der Oberliga. Wann wird bei euch zumindest mal die Landesliga angepeilt werden können?

Aus der "Siebten" wird künftig die "Dritte" bei den Kiezkickern. Foto: Verein

Köpke: „Ich denke, dass man das nicht vergleichen kann. Wir haben ganz andere Strukturen und sind ganz anders aufgestellt. Bei uns sind als Beispiel alle Mannschaften eigenständig und gleichberechtigt. Das hat natürlich Vorteile. So hat zum Beispiel jede Mannschaft ihren eigenen Charakter. Und uns war es dadurch möglich, vor fünf Jahren als Siebte Herren zu starten und jetzt als Dritte Herren in der Bezirksliga zu spielen. Es gibt bei diesem Verständnis natürlich auch einige Nachteile. Es wird dadurch als Beispiel nicht einfacher, den nächsten Schritt zu gehen. Das bedeutet aber nicht, dass wir keine Ambitionen haben und es unmöglich ist. In unserem ersten Jahr (2017/18) in der Bezirksliga sind wir damals noch als Vierte Herren am Ende auf Platz drei gelandet. Und jeder bei uns hat den Anspruch, so erfolgreich wie möglich zu sein und sich stetig zu verbessern. Trotzdem muss man die Ziele und Ambitionen realistisch formulieren. Und das ist in diesen Zeiten schwieriger denn je. Lange Rede kurzer Sinn. Diese Frage kann ich aktuell nicht beantworten.“

Autor: Dennis Kormanjos

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