LL Hammonia

Von der Konkurrenz geliehen: Landwehrs exquisites „Schuhwerk“ lässt BU II jubeln

09. Dezember 2019, 18:22 Uhr

Jannik Landwehr (re.) sorgte mit seinem neuen Schuhwerk als Joker für den Luckypunch in der Nachspielzeit. Foto: Bode

Es sind Geschichten, die nur der Fußball schreibt: Ein Spieler verliert seine Schuhtasche und leiht sich von einem guten Freund, der beim großen Lokal-Nachbarn kickt, das „Arbeitswerk“ für die nächste Partie. In etwa so, als würde sich ein Sonny Kittel (HSV) die „Buffer“ von Dimitrios Diamantakos (FC St. Pauli) borgen. Ganz ähnlich verhielt es sich am vergangenen Wochenende in der Landesliga Hammonia beim HSV Barmbek-Uhlenhorst II. Denn jenes Schicksal mit den verloren gegangenen Materialien traf auf Jannik Landwehr zu. Da ihm seine Kunstrasenschuhe abhandenkamen und er mit Tom Bein vom USC Paloma gut befreundet ist, lieh dieser ihm seine „Treter“ für das Gastspiel beim SC Sternschanze – und das mit durchschlagendem Erfolg.

Tom Bein vom Lokal-Rivalen USC Paloma lieh Landwehr das Schuhwerk und verhalf damit der BU-Reserve zum Sieg. Foto: Bode

Die 80. Spielminute war soeben angebrochen, als der umgeknickte Maximilian Reckendorf andeutete, dass es bei ihm nicht weitergehen würde. „Wir haben kurz überlegt. Dann hat mir mein Co-Trainer Martin Kahl zugerufen: ‚Bring‘ Jannik Landwehr.‘“ Gesagt, getan. „Jannik ist jetzt nicht unbedingt der Edel-Techniker oder Fußball-Ästhet, sondern eher etwas grobmotorisch veranlagt – und dann hatte er irgendwelche 150 Euro-Schuhe von Nike an, die ihm Tom Bein geliehen hat“, verriet BU II-Coach Jan Haimerl mit einem leichten Augenzwinkern. Wenig später kannte der Jubel auf Seiten der Barmbeker keine Grenzen mehr. Denn die Nachspielzeit lief bereits, als eben jener Landwehr eine Ecke von Jonas Wesemann per Direktabnahme aus kurzer Distanz in die Maschen beförderte (90. +1). Der 2:1-Siegtreffer für das beste Rückrundenteam! „Dann trifft er auch noch ausgerechnet mit den Schuhen“, konnte es Haimerl kaum glauben. „Da waren wir mal alle Freunde von Paloma“, scherzte er – und feierte den besonderen Torerfolg. Nicht nur, weil es der entscheidende Treffer des Spiels war: „Wir hatten am Freitag unsere Weihnachtsfeier. Der eine oder andere war vielleicht noch ein bisschen angeschlagen davon“, huschte Haimerl ein Lächeln übers Gesicht. „Standardsituationen waren im bisherigen Saisonverlauf nicht unbedingt unsere große Stärke.“

Haimerl lobt seine beiden Co-Trainer und kitzelt Vorwochen-Helden

Nachdem ihn sein Trainer in der Halbzeitpause noch einmal "kitzelte", gelang Moritz Scholz (li.) der Ausgleichstreffer. Foto: Olaf Both

Neben „Glücksgriff“ Landwehr sorgten noch weitere tragreiche Entscheidungen für die Wende im zweiten Durchgang. Denn: „Wir haben in der ersten Halbzeit kein gutes Spiel gemacht und hatten ein bisschen Glück, dass Sternschanze das nicht so gut zu Ende gespielt hat in ein, zwei Situationen. Der Führungstreffer war gut herausgespielt und absolut verdient“, erkannte Haimerl an. „Wir hatten Glück, dass sie nicht 2:0 oder 3:0 führen.“ Nils Sörensen war derjenige, der Oliver Gaedtke einmal das Nachsehen gab (26.). Die Leistung seiner Elf veranlasste Haimerl dazu, in der Pause „zweimal zu wechseln und das System umzustellen“, wie er kundtat. „Da will ich vor allem auch meine beiden Co-Trainer Stephan Obst und Martin Kahl loben, weil wir uns im Trainerteam total einig darüber waren, wie wir umstellen wollen“, so der Chefcoach, der zudem den überragenden Mann der Vorwoche, Siebenfach-Scorer Moritz Scholz, „noch ein bisschen gekitzelt“ habe. Die Folge: Eben jener Scholz markierte eine gute Viertelstunde nach Wiederanpfiff mit seinem eigentlich schwächeren rechten Fuß den Ausgleich (59.).

"Will nicht sagen, dass ich lauter geworden bin - aber etwas griffiger"

Jan Haimerl lobte seine beiden Co-Trainer für "die gemeinsam getroffenen Entscheidungen, die voll aufgegangen sind". Foto: Olaf Both

„Die Mannschaft wirkte wie ausgewechselt. Man hatte wirklich das Gefühl, dass sie begriffen und verstanden hat, was wir wollten“, so Haimerl, der anfügte: „Ich will nicht sagen, dass ich lauter geworden bin. Aber ich musste auf jeden Fall ein paar Sätze durchaus etwas griffiger formulieren.“ Das hinterließ offenbar Wirkung. Jungspund Moritz Erichsen, der zuvor bereits das eine oder andere Mal in der Liga-Mannschaft aushalf, nun erstmalig bei der „Zweiten“ von BU zum Einsatz kam und sein Potenzial andeutete, scheiterte mit einer Volleyabnahme und einem traumhaften Freistoß jeweils am Quergebälk. Als dann auch noch Schanze-Akteur Jonas Nöhr die Ampelkarte sah (70.), war der Gast endgültig auf Sieg aus. Und in der Nachspielzeit schrieb „Joker“ Jannik Landwehr dann seine ganz persönliche (Schuh-)Geschichte. Haimerls abschließende Erkenntnis: „Die Mannschaft agiert mit einem ganz anderen Selbstverständnis, einer ganz anderen Leichtigkeit und Seriosität. Von daher ist es schon eine ganz geile Sache und macht das Trainerteam auch extrem stolz, in der Rückrunden-Tabelle vor den ganzen Top-Teams der Liga zu stehen.“ Denn: BU II hat in den bisherigen fünf Spielen der Rückserie 13 von 15 möglichen Punkten eingefahren.

Autor: Dennis Kormanjos

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