22.02.2019

„Von den ‚Osdorfer Tugenden‘ war ab der ersten Minute nichts zu sehen!“

Vicky eilt von Sieg zu Sieg - Wiehle komplett bedient

Der starke Manasse Fionouke (re.) bejubelt seinen frühen Führungstreffer. Foto: Hanno Bode

Für Fabian Boll war es „das erwartete Spiel“ gegen einen Gegner, den man „so kennen- und lieben gelernt hat“, wie er auf der PK nach dem 3:0-Sieg seines SC Victoria über den TuS Osdorf kundtat, ehe er ausführte: „Wir haben die Jungs unter der Woche schon darauf eingeschworen. Denn Spiele gegen Osdorf sind immer Spitz auf Knopf. Es war ein Heidenstück Arbeit.“ Aussagen, die in der Regel zutreffen, wenn es gegen die Mannen vom Blomkamp geht. Nur an diesem Abend „belasteten“ jene Lobhudeleien TuS-Coach Piet Wiehle irgendwie: „Ich habe die Spiele gegen Vicky in der Vergangenheit auch immer als Highlight angesehen. Aber heute haben wir euch das Leben leider sehr, sehr leicht gemacht!“

Mit purer Entschlossenheit überspringt Fionouke (2. v. re.) die beiden Osdorfer Tim Jobmann (Mi.) und Samuel Amoah (re.). Foto: Hanno Bode

„Das hat nichts mit der Personaldecke zu tun“, stellte Wiehle nach Schlusspfiff (alle Highlights im LIVE-Ticker) unmittelbar klar – und wollte die Ausfälle von Bennet Krause (10. Gelbe Karte), Felix Spranger (Außenbandriss im Training) sowie Felix Schlumbohm und Prince Hüttner, die kurzfristig aufgrund einer Grippe ausfielen, in keinster Weise als Entschuldigung gelten lassen. „Wir haben es über 90 Minuten nicht geschafft, überhaupt ins Spiel zu finden und sind dem Gegner eigentlich nur hinterhergelaufen“, sah er sich und sein Team mit dem 0:3 am Ende sogar noch „gut bedient“. Denn: „Von diesen Osdorfer Tugenden, die uns in den ersten 22 Spielen – vor allem in der Hinrunde – so stark gemacht haben, war heute ab der ersten Minute nichts zu sehen“, ärgerte sich Wiehle – und konterte auf Bolls Statement hin: „Eigentlich habe wir euch den Sieg hergeschenkt. Dass ihr euch den natürlich verdient habt, ist eine ganz andere Geschichte.“

Fionouke springt Boll in die Arme - Trainer witzelt

Schon früh erzielte der starke Manasse Fionouke nach einer kurz ausgeführten Ecke und anschließender Flanke von André Monteiro Branco per Kopf die Vicky-Führung (10.) – und lief anschließend vor lauter Freude direkt in die Arme seines Trainers. „Ich war selbst überrascht, aber freue mich natürlich darüber. Einen speziellen Hintergrund gab es dafür nicht“, erklärte Boll hinterher – und scherzte: „Vielleicht sollte ich das mal einführen, dass ich vor dem Spiel zu jedem Spieler gehe und ihm sage: ‚Heute machst du ein Tor.‘ Dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass mir einer auf jeden Fall in die Arme springt.“ Über den 19-jährigen Innenverteidiger, der im zweiten Abschnitt angeschlagen raus musste, sagte Boll: „Wir haben die letzten Tage und Wochen viel mit ‚Mana’ gesprochen, weil wir einfach sehr zufrieden sind mit seiner Entwicklung. Er ist in einer richtig starken Verfassung.“ Im Gegensatz zu über 90 Minuten harmlosen Osdorfern.

Boll: „Das Gesamtkonstrukt stimmt gerade“

Robin Schmidt (2. v. li.) - hier gegen den glücklosen Bibie Njie (re.) - war gegen seinen Ex-Club im ersten Spiel nach langer Ausfallzeit noch einer der besten Osdorfer. Foto: Hanno Bode

Noch vor der Pause, als SCV-Co-Trainer Marius Ebbers das Geschehen bereits aus der Ferne beobachtete, nachdem er sich zuvor über einen nicht gegebenen Elfmeter echauffierte und von der Trainerbank verwiesen wurde (35.), erhöhte Klaas Kohpeiß im Anschluss an einen tollen Angriff über Timo Stegmann und Dennis Bergmann auf 2:0 (41.). Jener Bergmann sorgte schließlich vom Punkt aus – nach einem doch eher harmlosen Einsteigen von Mika Feigenspan gegen Kohpeiß – für den Endstand (58.). Mit dem 0:3 waren die Gäste noch bestens bedient. Allein Bibie Njie hätte weitere Tore für den SCV folgen lassen können, wenn nicht gar müssen. Dennoch gab’s lobende Worte von seinem Übungsleiter: „Ich fand‘s beeindruckend, dass er nicht aufgegeben hat, obwohl er ja die eine oder andere Chance liegengelassen hat.“ Generell hätte man „mit mehr Glück und Entschlossenheit noch das eine oder andere Tor mehr machen können“, so Boll, dessen Schlussfazit lautete: „Ich bin sehr stolz auf die Truppe – auch darüber, dass wir es wieder geschafft haben, hinten zu Null zu spielen und dass wir uns bis zum Ende mit viel Willen gegen ein Gegentor gewehrt haben.“ Mit drei Siegen und 20:0 Toren ist Vicky herausragend aus der Winterpause gekommen. „Es fällt uns nichts in den Schoß, sondern wir müssen sehr viel dafür investieren, um als Sieger vol Platz zu gehen“, will der langjährige St. Paulianer die Spannung hochhalten. Auch wenn er befindet: „Das Gesamtkonstrukt stimmt gerade.“

Die komplette Pressekonferenz mit beiden Trainern im Video

Autor: Dennis Kormanjos

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