Oberliga 01

„Viererpack-Hanno“ erstickt Bramfelds Hoffnungen im Keime: „Ohne Martin Harnik geht das Spiel Remis aus!“

13. November 2021, 00:26 Uhr

Martin Harnik (li.) - hier gegen Lorenz Lahmann-Lammert - kämpfte erst gegen das Abseits an und schlug dann vierfach zu. Foto: Kruber

„Freitagabend – das heißt: Fußball vom Allerfeinsten an der Ellernreihe!“, versprach Bramfelds Stadionsprecher Manfred Müller schon vor dem Anpfiff. Ob er damit die Gäste vom Wendelweg meinte, die noch immer ungeschlagen an der Spitze der Oberliga-Staffel 1 thronen und zum Tabellen-Schlusslicht reisten? Fakt ist, dass es zunächst den Anschein hatte, als würde Dassendorf kurzen Prozess mit den Hausherren machen (alle Highlights im LIVE-Ticker zum Nachlesen). „Ich glaube, wir waren auch ein bisschen gewarnt, wie schwer es ist, wenn man nicht von Beginn an für klare Verhältnisse sorgen will“, erinnerte TuS-Trainer Jean-Pierre Richter an das eine oder andere Spiel seiner Elf in den vorangegangenen Wochen.

Sechs Tore durften die Dassendorfer Protagonisten an der Ellernreihe bejubeln. Foto: Kruber

„Ohne Martin Harnik geht das Spiel Remis aus“, titelte der Bramfelder SV unmittelbar nach Spielschluss, konnte sich davon aber nichts kaufen. Denn der Ex-Profi in Reihen der TuS Dassendorf hatte vor seiner Tor-Gala mit dem Schiedsrichter-Assistenten zu kämpfen. Gleich viermal wähnte dieser den Dassendorfer Torjäger in der verbotenen Zone und machte eine Abseitsstellung des 34-Jährigen aus. Sehr zum Unmut der Verantwortlichen – und Harnik-Coach Richter: „Das waren maximal Millimeter“, befand „JPR“, der sich im Anschluss an die Partie noch viel mehr über sich selbst ärgerte. Und wieder hatte der Mann an der Seitenlinie entscheidenden Anteil daran.

"Nach dem 1:1 gab es eine Phase, wo wir auch in Führung hätten gehen können"

Große Freude kam bei Kilian Oelrich (li.) nach seinem Torerfolg zum zwischenzeitlichen 2:5 nicht mehr auf. Foto: Kruber

Denn: Als Bramfelds Marten Köhler einen Pass in die Schnittstelle spielte, eilte Kilian Oelrich auf das von Julian Barkmann gehütete Dassendorfer Tor zu – und überwand den Schlussmann auch. Allerdings ging nach Köhlers Zuspiel postwendend die Fahne hoch. Die TuS schaltete ab, Oelrich schlug zu. Referee Ben Henry Uhrig (SC Egenbüttel) lief zu seinem „Assi“ raus, beriet sich kurz – und gab den Treffer. Sehr zum Leidwesen von Richter, der wegen Reklamierens die Gelbe Karte sah. Seine allererste Verwarnung in 16 Jahren als Trainer, haderte er anschließend.

Das Tor von Oelrich sorgte zu jenem Zeitpunkt nur noch für Ergebniskosmetik zum 2:5 (62.), da Harnik dem Kontrahenten schon zuvor den Garaus machte. Die zum Teil zweifelhaften Abseitsentscheidungen schüttelte der langjährige Werder-Torjäger ab und markierte zunächst die 2:1-Führung, als er Christian Westphal nach einer Flanke von Mattia Maggio abkochte und ganz alt aussehen ließ (26.). Ein zu jenem Zeitpunkt immens wichtiger Treffer – denn: „Nach dem 1:1 gab es eine Phase, wo wir mit etwas mehr Spielglück auch in Führung hätten gehen können“, konstatierte BSV-Übungsleiter Carsten Henning, der damit vor allem auf folgende Situation ansprach. Über Justin Sadownik kam der auffällige Nils Knuth links im Dassendorfer Strafraum an den Ball und visierte das lange Toreck an. Das Leder huschte nur hauchzart an Oelrich und dem Pfosten vorbei (23.).

"Wir haben Dassendorf in der ersten Halbzeit vor große Probleme gestellt"

Der zwischenzeitliche Ausgleich durch Christian Westphal, der eine kleine Bramfelder (Standard-)Druckphase nach einer Ecke von Lorenz Lahmann-Lammert belohnte (20.) und den Rückstand durch Mattia Maggio, der eine perfekte Vorarbeit von Sven Möller technisch fein veredelte (8.), konterte, sorgte dafür, dass der Tabellenletzte auf einmal aufmüpfig und mutig wurde. „In der ersten Halbzeit fand ich uns richtig gut, weil wir Dassendorf vor große Probleme gestellt haben“, versteckte sich der BSV keineswegs. Aber: „Kleine Fehler haben sie konsequent ausgenutzt und bestraft – dafür hat Dassendorf einfach die Klasse“, so Henning.

"Hanno" mit lupenreinem Hattrick - BSV-Stadionsprecher witzelt

Bramfeld-Coach Carsten Henning (li.) im Austausch mit seinem Angreifer Raoul Bouveron. Foto: Kruber

An die Leistung der ersten 45 Minuten wollte man auch nach der Pause anknüpfen. „Aber irgendwie waren wir acht Minuten lang nicht auf dem Platz. Das ging zu schnell. Da war Dassendorf gnadenlos.“ Vor allem ein gewisser Martin Harnik. Auf das 1:1 und die Chance zur BSV-Führung hatte er noch vor der Halbzeit die passende Antwort parat. Keine 60 Sekunden nach Wiederanpfiff drückte „Hanno“ eine Hereingabe von Len Aike Strömer über die Linie (46.). Wenig später krönte er einen blitzsauberen Spielzug nach Traumpass von Dennis Bergmann zum 4:1 (49.), ehe er erneut nach Strömer-Vorlage zur Stelle war (53.). Drei Harnik-Tore binnen acht Zeigerumdrehungen! „Martin, ist gut jetzt. Man muss auch mal irgendwann zufrieden sein“, witzelte Stadionsprecher Müller – und hatte nach dessen Auswechslung in Minute 73 noch einen weiteren Spruch auf den Lippen: „Martin Harnik wurde ausgewechselt aufgrund von schlechter Leistung. Das ist auch richtig so.“

"Man fährt nicht mit einem breiten Grinsen nach Hause, aber mit einem Grinsen auf jeden Fall"

Den Schlusspunkt setzte der bis dato im Abschluss sehr unglücklich agierende und immer wieder an Sebastian Kalk scheiternde Sven Möller mit einem 20-Meter-Strahl ins linke untere Toreck und anschließender Siegerfaust (79.). „Wir waren unglaublich zielstrebig, kreativ und haben im Spiel nach vorne viel abgerufen“, fand Richter den Auftritt seiner Mannen gut. „Die Tore waren schön herausgespielt und wir hatten diverse Möglichkeiten, weitere Tore zu erzielen. Im Gegenzug muss man aber auch sagen, dass wir ein bisschen unachtsam und auch qualitativ nicht so gut in der Verteidigung waren, um das Spiel zu null zu gewinnen.“ Nichtsdestotrotz fiel sein Fazit überaus positiv aus: „Ich glaube, den Jungs hat’s Spaß gemacht und mir auch. Es war nicht so, dass man jetzt mit einem breiten Grinsen nach Hause fährt, aber mit einem Grinsen im Gesicht auf jeden Fall.“

"Haben ein hohes Leistungsniveau an den Tag gelegt"

Nils Knuth (li.) klatscht Marten Köhler (Mi.) nach dessen Vorlage zum Bramfelder Ehrentreffer ab. Foto: Kruber

Und das, obwohl es für seine Elf aufgrund der nach wie vor fragwürdigen Konstellation, dass die Punkte nur gegen die direkten Konkurrenten, wozu Bramfeld augenblicklich nicht gehört, in eine Meisterrunde mitgenommen werden, eigentlich um nicht viel ging. „Um drei Punkte!“, entgegnete Richter jedoch energisch. Zwar habe seine TuS nach einer guten Viertelstunde „die Spannung kurzzeitig verloren, aber dann haben wir wieder die Kurve gekriegt und ein hohes Leistungsniveau an den Tag gelegt.“ In den letzten Wochen habe sich bereits „eine aufsteigende Tendenz angedeutet“, so Richter. „Die Mannschaft hatte Bock. Das hat man in der guten Trainingswoche schon gemerkt. Diese Motivation und Begeisterung haben die Jungs mit ins Spiel genommen. Wir haben aktiv Fußball gespielt und viele Lösungen angeboten.“

"Dassendorf spielt nun mal in einer ganz eigenen Liga"

Letzte Woche im Pokal musste er noch zwischen die Pfosten, nun setzte Sven Möller den Dassendorfer Schlusspunkt beim Schlusslicht. Foto: Kruber

Nutznießer der Lösungen war Martin Harnik, der zuletzt noch angeschlagen fehlte und sich nun mit einem weiteren Viererpack zurückmeldete. „Hanno hat immer Bock, Tore zu machen. Er hat auch im Training schon angedeutet, dass es wieder losgehen kann. Ich glaube, es ist immer gut, einen Zielspieler wie ihn zu haben, der vorangeht und die Jungs mitreißt.“ Einer, der an jenem Freitagabend mit seinem lupenreinen Hattrick direkt nach Wiederbeginn den Unterschied ausmachte. 


Dennoch war Bramfeld-Coach Henning nicht unzufrieden mit seinen Schützlingen: „Wir haben uns wieder reingekämpft. Das war wichtig und entscheidend. Wenn man die acht Minuten mal ausklammert, dann war das richtig gut – und nach den letzten Wochen auch eine wichtige Erkenntnis für mich, dass die Mannschaft gewillt ist, sich gegen Niederlagen zu stemmen. Auch dann, wenn der Gegner übermächtig ist. Und Dassendorf spielt nun mal in einer ganz eigenen Liga. Trotzdem haben wir sie in der ersten Halbzeit vor Probleme gestellt.“

Autor: Dennis Kormanjos

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