23.03.2019

„Victory“ bei Vicky II: BU II jubelt im „Liga-Kleid“ mit „Cleverness und Mentalität“

Barmbeker Reserve feiert „Dreier“ trotz Chancenwucher

Feierstimmung nach dem finalen Pfiff: Die BU II-Belegschaft bejubelt ihren Sieg an der Hoheluft. Foto: Knötzsch

Philipp Wolpers saß allein und gedankenverloren auf dem Kunstrasen an der Hoheluft. Soeben hatte Schiedsrichter Dominik Voigt (TuS Berne) das Verfolgerduell in der Bezirksliga Nord zwischen der Zweitvertretung des SC Victoria und dem HSV Barmbek.Uhlenhorst II (Hier gibt’s den Live-Ticker der Partie zum Nachlesen) mit seinem finalen Pfiff beendet – und für Vickys Nummer sieben blieb nur die Erkenntnis: Die SCV-Reserve stand am Ende des Matches mit leeren Händen da. So, wie unlängst an gleicher Stelle auch die Oberliga-Mannschaft der Victorianer gegen BUs „Erste“. Und die spielte auch beim 2:1-Erfolg der „Zweiten“ um ihren Coach Jan Haimerl auch eine (Neben-)Rolle...

„Ich bin zufrieden. Zufrieden und stolz“, konstatierte der Übungsleiter der Barmbeker Zweitvertretung nach dem Abpfiff und verriet ein kleines Detail: „Vor dem Spiel gab es ein paar Probleme, was die Trikots betraf. Letztlich haben wir jetzt in den Trikots unserer Oberliga-Mannschaft gespielt.“ Das „Liga-Kleid“ verfehlte seine Wirkung nicht – dafür aber die BU II-Spieler vor allem nach der Pause vor den gut 75 Zuschauern das eine oder andere Mal die Gelegenheit, das Torkonto der Haimerl-Equipe noch weiter aufzustocken. „BU II war bei Kontern immer gefährlich“, schrieb auch Vicky II-Coach Hamid Derakhshan dem Widerpart ins Stammbuch. Chance um Chance erspielte sich der Gast – so wie auch im ersten Durchgang. „Natürlich ist das der Punkt, wo du Kritik üben kannst“, gab BU II-Trainer Haimerl dann auch nach dem Match unumwunden zu, „bevor hier das 2:1 fällt, hätten wir längst locker mit 3:0 oder 4:0 führen können. Wenn du die Dinger nicht machst, dann ist es klar, dass es nochmal eng wird.“

Haimerl: „Bevor hier das 2:1 fällt, hätten wir längst locker mit 3:0 oder 4:0 führen können“

Vorzeitiger Feierabend: Marc Rößler (li, hier mit BU II-Traner Jan Haimerl) wurde im zweiten Durchgang ausgewechselt. Foto: Knötzsch

Und genau das wurde es vor den Augen von BU-Liga-Coach Marco Stier, TuRa Harksheides Manager Philipp Penkwitt und Alsterbrüder-Trainer Marcel Plewka dann tatsächlich auch. Denn: Nachdem Louis Rytina im Anschluss an einen Schuss von Felix Soppke, den Vicky II-Keeper Marc Wilms noch abwehren konnte, mit dem anschließenden Abpraller das 1:0 erzielt hatte (12.) und Benjamin Cordes nach Timo Wrages Zuspiel auf 2:0 erhöhte (23.), wollte die Kugel auf Seiten der Barmbeker einfach nicht mehr ins Netz: Cordes traf nach 28 Minuten nur das Aluminium. Auf der anderen Seite verweigerte Spielleiter Voigt den Hausherren nach einem Foul von BU II-Torhüter Pascal Marquardt an Caleb Awuah einen Foulelfmeter. Und noch einmal hatte BU II Glück, als Vickys Reserve zunächst kurz vorm Pausenpfiff den Pfosten traf und Referee Voigt anschließend ein vermeintliches Handspiel anders einschätzte. „Das Foul sah man deutlich. Die Szene mit dem Handspiel will ich nicht beurteilen, weil ich es nicht gesehen habe. Mit Glück fällt die eine oder andere Entscheidung für uns aus. Aber wir müssen damit leben, dass das nicht so war“, befand Vicky II-Coach Derakhshan.

Nach dem Seitenwechsel war BU II wie erwähnt weiterhin nicht mehr mit Fortuna im Bunde, was den Abschluss betrifft. Cordes (51.), Rytina (57., 64.), Moritz Scholz (67.), Soppke (71., 81.) – wenn man wirklich alle Abschlüsse zusammenrechnete, hätten die Haimerl-Schützlinge längst den Sack zumachen können, nein: sogar müssen! Doch der SCV II konnte aus den ausgelassenen Gelegenheiten seines Gegners lange Zeit keinen Profit schlagen. Erst in der 73 Minute kamen die Gastgeber heran, als Wolpers rechts den Turbo zündete, sich durchsetzte und die Pille in die Mitte servierte, wo Awuah zum 1:2 erfolgreich war. „Bis zu unserem Tor war kein Feuer drin“, ärgerte sich Derakhshan im Anschluss an die Partie. Danach dann aber schon – nur eben genauso wie bei BU II ohne weiteren Ertrag: Wolpers' Schuss nach Daniel Tramms Zuspiel wurde geblockt (76.), bei Awuahs Versuch warf sich Wrage dazwischen (77.). Und als es Awuah im Anschluss an einen Pass von Vickys Liga-Leihgabe Yannick Siemsen erneut probierte, flog der aus spitzem Winkel auf den Kasten gebrachte Ball parallel zur Torlinie an Freund, Feind und eben auch am Gehäuse vorbei (84.).

Derakhshan: „Ich kann verstehen, warum BU II in dieser Region der Tabelle steht“

Frustriert: Vicky II-Akteur Philipp Wolpers nach dem Abpfiff. Foto: Knötzsch

„Wir haben in der Schlussphase Cleverness gezeigt. Es ist wichtig für die Mentalität, dass wir so ein Ding über die Runden gebracht haben. Diese Cleverness und Mentalität zeigen die Entwicklung, die die Mannschaft genommen hat – nicht nur unter mir, sondern auch schon unter meinem Vorgänger Andi Höhn. Das ist gut“, freute sich Jan Haimerl nach der Partie, deren Gewinn BU II zumindest vorerst zum Zweiten des Klassements hinter dem Eimsbütteler TV machte. Der HFC Falke kann am Sonntagmorgen gegen den TSC Wellingsbüttel (Anstoß, 11 Uhr, wir berichten im Live-Ticker) durch einen Sieg wieder vorbei rücken. Dennoch: Die Barmbeker sind mittendrin im Titelrennen – oder doch nicht? „Es sind noch sieben Spiele. Wir müssen von Woche zu Woche arbeiten. Natürlich ist es schön, auswärts drei Punkte mitzunehmen. Aber: Es wird vor allem gegen die vermeintlich schwächeren Gegner schwierig. In solchen Spielen muss man seine Hausaufgaben machen“, sagt Haimerl, dessen Elf nun am 6. April den SC Condor II empfängt: „Das wird ein Spiel, das mindestens so eklig wird, wie das gegen Vicky II. Vielleicht sogar noch ekliger, weil Condor II im Abstiegskampf unbedingt punkten muss“, so Haimerl.

Auf der anderen Seite stieg Hamid Derakhshan anschließend in die Analyse ein. „Ich glaube, wir hatten uns zu viel vorgenommen. Die Spieler hatten das Gefühl, dass sie nach der 1:4-Niederlage aus dem Hinspiel noch etwas gutzumachen hatten. Wenn man sich viel vornimmt, dann kann das auch hemmen“, bilanzierte der Vicky II-Übungsleiter. „Wir haben im Vorwege versucht, dagegen zu steuern. Leider hat das nicht so funktioniert.“ Aber: „BU II hat das insgesamt auch klasse gemacht, Sie haben ein gutes Forechecking gespielt und uns wenig Räume gelassen, damit wir Fußball spielen können. Wir mussten im Spielverlauf zwei Mal unser System umstellen, damit wir überhaupt einen Ansatz hatten, durchzukommen“, konstatierte Derakhshan, „Die haben schnelle Spitzen da vorne, haben hinten eine gute Kette angeboten und verfügen über gute zentrale Mittelfeldspieler, die stark in den Zweikämpfen waren. Es war schwer für uns. Ich kann verstehen, warum BU II in dieser Region der Tabelle steht“, lobte der Coach der Gastgeber, „klar haben wir die Anfangsphase verpennt und lange gebraucht, um reinzufinden. Dann haben wir versucht, unserer Linie treu zu bleiben und konzentriert zu bleiben. Aber das ist uns auch nicht komplett gelungen. Erst nach der Pause haben wir die Konzentration wieder gefunden.“ Die Konzentration schon, aber eben nicht den Weg zum zweiten Treffer...

Jan Knötzsch

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