Oberliga

VfL fehlt „Spielglück und Cleverness“, Liga-Leader Cordi hat den „Drei-Viertel-Mann“ und den doppelten Saglam

17. Oktober 2020, 01:21 Uhr

Ein Moment voller Glückseligkeit: Cordis Oniur Saglam (vo.) schreit seine Freude heraus, Vincent Boock (re.) kommt zum Jubeln heran – und Lohbrügges Leon Kroiß ist frustriert. Foto: noveski.com

Fast drei Viertel des Spiels zwischen Concordia und dem VfL Lohbrügge hatte er von außen betrachtet. Erst in der ersten Hälfte und einen Teil der zweiten Hälfte auf der Bank sitzend, später beim Aufwärmen. Nach 74 Minuten war es dann soweit: Trainer Frank Pieper-von Valtier beorderte Danijel Suntic zu sich, fragte den 27-Jährigen fix noch, ob er denn nun bereit wäre und fortan ersetzte Suntic auf dem Feld Ahmed Ak. Wie bereit „Sunti“, der wegen einer Schulterverletzung „am Mittwoch nur drei Viertel des Trainings mitgemacht hatte“ (O-Ton Pieper-von Valtier), war – das zeigte der Mann mit der Nummer 27 auf dem Rücken des Cordi-Trikots anschießend. Sein erster Schuss ging zwar noch am Tor vorbei, doch mit der zweiten Ballberührung steckte Suntic das Leder klug in die Box zu Vincent Boock durch und dieser vollendete zum 3:2 für Cordi. 

Anschließend ließen die Hausherren den beiden Elfmeter-Treffern von Onur Saglam aus den Minuten 50 und 62 sowie dem Boock-Tor noch einen weiteren Einschlag im Netz von VfL-Keeper Christian Gruhne folgen: Boock bediente Amir Miry, der – aus der eigenen Hälfte startend – allein auf den Schlussmann der Gäste zusteuerte, diesen tunnelte und mit dem 4:2 auch die letzten Zweifel am Cordi-Sieg beseitigte. Oder doch nicht? Lohbrügge kam noch einmal auf 3:4 heran, als Marcel Walter in der Nachspielzeit traf. Die letzte Chance auf ein Remis vergab dann Hischem Metidji, der den VfL nach 20 Minuten in Führung gebracht hatte, per Freistoß in der Nachspielzeit. So blieb es für die Gäste dabei, dass sie an diesem Abend den Kunstrasen am Bekkamp als Verlierer verließen. Auch, weil die „Wild Boys“, wie sich die Kicker vom Binnenfeldredder selbst nennen, in den entscheidenden Momenten weder das Glück noch Schiedsrichter Daniel Gawron auf ihren Seiten hatten. Doch dazu später mehr.

Suntic: „Wir sind sehr stark – egal, ob das die elf in der Startformation oder die Einwechselspieler sind“

Elfer oder nicht, Teil eins: Stjepan Brkic (li.) trifft bei der Grätsche gegen Amir Miry den Ball. Foto: noveski.com

„Bei der Vorlage war kein Schuss gedacht. Ich wollte den Ball von Anfang an passen“, erklärte Suntic seinen Assist zum 3:2, bei dem es für einen Moment lang so ausgesehen hatte, als wolle er selbst abdrücken. „Ich hatte gesehen, dass Damian Ilic quer gestartet war. Aber ob nun Vincent Boock oder Ilic den Ball bekommt – das ist egal, Hauptsache das Ding ist drin und wir sind wieder in Führung gegangen. Das war das Wichtigste“, konstatierte der 27-Jährige, nach dessen Zuspiel Boock das 2:2 von Erdogan Pini egalisierte und so letztlich Cordi auf die Siegerstraße brachte. Sehr zur Freude von Suntic, für den das Duell gegen den VfL etwas Besonderes war. „Klar will man gegen seinen Ex-Verein immer gerne gewinnen – das ist uns geglückt“, bilanzierte der Mittelfeldmann, der erst vor Beginn der laufenden Spielzeit aus Lohbrügge an den Bekkamp gewechselt war, und fügte – nach seinem Anteil am Sieg gefragt – hinzu: „Bei uns läuft in den letzten Wochen alles über das Mannschaftliche. Wir sind sehr stark – egal, ob das nun die elf Spieler in der Startformation oder die Einwechselspieler sind. Wir haben echt Vertrauen in jeden. Ich denke, man sieht auch auf dem Platz, dass jeder für den Anderen kämpft. Wir haben die drei Punkte behalten und sind glücklich. Jetzt haken wir das Spiel ab und konzentrieren und auf das nächste.“

Pieper-von Valtier: „Alles richtig gemacht, was soll ich sonst noch sagen?“

Elfer oder nicht, Teil zwei: Steven Lindener (verdeckt) zieht und zerrt an Lohbrügges Hischem Metidji – und trifft ihn mit der Hand im Gesicht. Foto: noveski.com

„Wir wussten, dass Lohbrügge bei Standards überragend stark ist, deswegen habe ich bei dem Freistoß in der 92. Minute nochmal die Luft angehalten“, atmete Frank Pieper-von Valtier nach dem Abpfiff erst einmal durch und durfte sich dann quasi selbst auf die Schulter klopfen: mit Miry und Suntic hatte er zwei spiel(mit)entscheidende Akteure eingewechselt. „Alles richtig gemacht, was soll ich sonst noch sagen?“, grinste der Cordi-Coach entsprechend, beließ es dann allerdings logischerweise nicht bei diesen Worten, sondern analysierte: „Ein paar Sachen waren anfangs nicht okay. Wir sind in der ersten Hälfte nicht so reingekommen, wie wir sie uns zurecht legen wollten. Beim 0:1 waren wir zu passiv und machen keinen Druck auf den Ballführenden, obwohl wir gut sortiert sind. Wir haben ein bisschen gebraucht und Lohbrügge dann aber in den Griff bekommen. Hinten haben wir wenig zugelassen, vorne haben wir allerdings nur ein paar Halbe rausgespielt. Mit der Einwechselung von Amir Miry hat sich die Dynamik des Spiels geändert, das nach der Pause wahnsinnig temporeich war. In Anbetracht der Chancen geht der Sieg total in Ordnung. Für die Zuschauer war das ein Top-Spiel, das wir gegen einen extrem guten Gegner mit einer wahnsinnigen Energie-Leistung gewonnen haben.“ Und: Durch den Sieg und Hamm Uniteds Niederlage gegen BU schoss sich seine Equipe zudem an die Tabellenspitze!


Auf Seite zwei gibt's die Spielanalyse von VfL-Coach Sven Schneppel sowie den Blick auf die strittigen Szenen in den Strafräumen – in Wort und Bild!

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