15.02.2019

„Verlieren ist für uns am Sonntag komplett verboten“

Wedel-Neuzugang Sascha Richert bezieht vorm „Kellerduell“ gegen Condor Stellung

Sascha Richert trifft mit Wedel am Sonntag im Alles-oder-Nichts-Spiel auf Condor. Foto: KBS-Picture.de

Erst seit diesem Winter trägt Sascha Richert das Trikot des Wedeler TSV. Der 30-Jährige folgte dem Ruf des neuen Trainers Andelko Ivanko an die Schulauer Straße, wo Richert gemeinsam mit den neuen Teamkollegen und dem Neu-Coach die Wedeler vor dem Abstieg aus der Oberliga bewahren will. Nachdem das Match beim SV Rugenbergen am vergangenen Wochenende ausfiel, steht für Wedel am Sonntag nun das Kräftemessen mit einem direkten Konkurrenten auf dem Programm. Es wartet das Heimspiel gegen den SC Condor (11.15 Uhr). Wir haben mit Richert über diese Partie, seinen Wechsel nach Wedel, die Chancen auf den Ligaverbleib und darüber, warum Ivanko der richtige Trainer für den Klassenerhalt ist, gesprochen.

Sascha, für dich und den Wedeler TSV startet am Sonntag die „Mission Klassenerhalt“ mit dem Match gegen Condor. Wie ist die Stimmung im Team?

Sascha Richert: Das ist ein Alles-oder-Nichts-Spiel für beide, für uns noch einen Tick mehr als für Condor. Dass nach so einer Hinrunde natürlich ein großes Frust-Potenzial da ist – keine Frage. Jetzt geht es darum, frischen Wind reinzubringen. Das ist uns bis jetzt ganz gut gelungen. Die Stimmung ist nach dem bisherigen Abschneiden schlecht gewesen, aber sie bessert sich. Es muss endlich das erste Erfolgserlebnis her. Dann bin ich ganz positiver Dinge, dass es sich weiter in die richtige Richtung entwickeln wird. Wir haben Dienstag unseren legendären „Pinneberger Karten-Abend“ veranstaltet – das heißt: Champions League gucken und Kartenspielen bis in die Nacht. Da waren auch viele von den jüngeren Spielern dabei. So etwas hat ein bisschen gefehlt. Das war auch der Tenor, den ich aus den Gesprächen mit dem Verein rausgehört hatte: dass die Gemeinschaft ein bisschen hinten angestanden hat. Die habe ich beim FC Türkiye zuletzt auch vermisst und bin froh, das jetzt wieder ein bisschen ausleben zu können.

Ist es aus deiner Sicht eher ein Vorteil oder ein Nachteil, dass es direkt im ersten Aufeinandertreffen zum Duell mit einem Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt kommt?

Er mache sich keine Sorgen, dass Neu-Coach Andelko Ivanko (li.) nicht der richtige Mann sein könnte, um Wedel zu retten, sagt Sascha Richert. Foto: KBS-Picture.de

Richert: Ich hätte das Spiel gegen Rugenbergen als Derby schon gerne mitgenommen vorher. Nichts desto trotz: Irgendwann muss es losgehen. Und jetzt wird’s losgehen. Alle sind heiß auf dieses Spiel und wissen um die Bedeutung. Aber es kommt ja nicht nur Condor auf uns zu, sondern gleich drei Kracher (Wedel trifft danach auf Teutonia, Meiendorf und den HEBC Anm. d. Red.), gegen die wir nicht verlieren sollten.

Seit wenigen Wochen ist Andelko Ivanko Trainer in Wedel. Wie beurteilst du seine Arbeit bislang?

Richert: Er setzt neue Impulse, die die Jungs so noch nicht kennen und legt großen Wert auf spielerische Lösungen. Generell muss man immer sagen: Wenn jeder neue Trainer neue Impulse setzt, muss man gucken, wie jeder Spieler die auffasst. Das kann ich nicht beurteilen. Aber von meiner Seite aus setzt er die richtigen Schrauben. Wie gesagt: Jetzt muss langsam ein Erfolgserlebnis her.

Warum ist Ivanko der richtige Mann, um Wedel vorm Abstieg zu retten?

Richert: (überlegt) Das ist jetzt aber eine schwierige Frage. Da wir noch kein Punktspiel hatten, kann man das bislang noch nicht sagen. Aber ich denke, dass er eine doch recht ruhige Art hat und einen relativ großen Erfahrungsschatz mitbringt, auch wenn er bislang größtenteils im Jugendbereich gearbeitet hat. Er kann Situationen gut einschätzen. Ich mache mir keine Sorgen, dass er nicht der richtige Mann sein könnte. Definitiv nicht. Und er hat ja mit Jürgen Stars (Wedels Torwarttrainer, Anm. d. Red.) auch noch einen alten Haudegen an seiner Seite.         

Du selbst bist im Winter vom FC Türkiye gekommen. Was war so reizvoll daran, in Wedel anzuheuern? Man spielt ja nicht gerne gegen den Abstieg...

Richert: Ich kenne viele Spieler aus der gemeinsamen Zeit beim VfL Pinneberg, das ist der Hauptgrund für den Wechsel. Vor solchen Aufgaben wie in Wedel scheue ich mich nicht, ich bin ja auch nach dem Abstieg damals bei der SV Halstenbek-Rellingen geblieben. Fußball ist für mich Fußball. Es muss mir Spaß bringen – und den hab ich zur Zeit wieder. Zu Türkiye will ich aktuell nur sagen: Mit dem Aus von Michael Fischer als Trainer kam für mich nur die Trennung in Frage, obwohl die auch vom Verein gewollt war.

Außer dir gab es im Winter nur drei weitere Neuzugänge. Ist das nicht zu wenig, wenn es um alles oder nichts geht?

Gesenkter Kopf? So lange der Klassenerhalt theoretisch möglich ist, glaube er auch daran, verrät Sascha Richert. Foto: KBS-Picture.de

Richert: Die Qualität im Kader ist ja durchaus vorhanden, da gab es also nicht so viel Handlungsbedarf. Es hat mich gewundert, dass Wedel so schlecht dasteht. Natürlich hab ich von den Jungs einige Interna gehört, wie diese Hinserie zustande gekommen ist. Letztlich muss man sagen: Der Kader ist mehr als oberligareif. Der Tabellenplatz spiegelt nicht das wider, was im Kader vorhanden ist – auch was man an Erfahrungen und Persönlichkeiten im Team hat. Das Potenzial, um drin zu bleiben, sehe ich in der Theorie auf jeden Fall. Mit den elf Punkten Rückstand aufs rettende Ufer haben wir natürlich ein riesiges Brett zu bohren. Dessen müssen wir uns bewusst sein. Bei 14 Spielen kannst du davon ausgehen, dass du neun gewinnen musst. Die nächsten Wochen werden sehr richtungsweisend sein.

Gesetzt den Fall, ihr verliert am Sonntag gegen Condor. War's das dann schon mit dem Nichtabstieg?

Richert: Ich bin immer ein Kämpfertyp und würde nie den Kopf in den Sand stecken, so lange theoretisch noch alles möglich ist. Aber man muss auch realistisch sein: Wenn wir gegen Condor verlieren, ist es kein Brett mehr, das wir bohren müssen, sondern eine dicke Eiche. Verlieren ist für uns am Sonntag komplett verboten. Ich glaube an den Klassenerhalt, aber im Fall einer Niederlage sollte man mehr in Richtung Landesliga planen als man das vielleicht jetzt schon nebenbei tut.

Interview: Jan Knötzsch  

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