23.04.2019

Verbale „Vollzündung“ als Weckruf: BU zeigt „Eier“ und musikalische Qualitäten

Stier: „Ich habe die Jungs an der Ehre gepackt“

Die BU-Spieler feiern den Auswärtssieg mit ihren Fans. Foto: Kormanjos

Marco Stier machte seinem Unmut Luft. In der Halbzeitpause (alle Highlights im LIVE-Ticker) brachte der Trainer des HSV Barmbek-Uhlenhorst die Gäste-Kabine am Saseler Parkweg zum Beben. „Wir haben in der ersten Halbzeit alles vermissen lassen – die Zweikampfhärte und auch spielerisch ging gar nichts“, echauffierte er sich. „Natürlich wünscht man sich als Trainer, dass man nicht immer so laut werden muss in der Kabine. Aber die haben auf jeden Fall ´ne Vollzündung von mir gekriegt“, verriet er – und mutmaßte, dass sein verbales Feuerwerk sogar „in der Sasel-Kabine zu hören war“. Dem entgegnete Danny Zankl jedoch: „Wenn ich ehrlich bin, habe ich es nicht gehört. Aber mir wurde es auf dem Weg aus der Kabine raus kundgetan.“

Auf die Frage, was Stier von seinen Jungs für die zweiten 45 Minuten einforderte, antwortete er: „Dass sie Eier zeigen!“ Und weiter: „Wir haben auch ein kleines Problem was die Führungsspielerqualitäten angeht. Das sind alles liebe Jungs. Die können alle auf einem Klavier spielen, aber keiner kann mal ein Klavier reintragen. Das ist das Problem. Deshalb habe ich gefordert, dass ein, zwei Jungs vorweg marschieren und in die Zweikämpfe kommen.“ Zusätzlich habe man taktisch von einem 4-1-4-1 auf ein 4-2-3-1 umgestellt, mit Chris Pfeifer einen weiteren „Sechser“ in die Partie gebracht und damit auch auf den Gegner reagiert, der im ersten Durchgang „mit der Dreierkette hinten immer wieder Überzahlsituationen im Zentrum hatte“, so Stier, der zu diesem Thema abschließend anfügte: „Ich habe sie an der Ehre gepackt, da fiel dann auch das eine oder andere harte Wort. Aber die Jungs kennen mich und haben mir bewiesen, dass sie es noch drehen können. Sie sind aufgewacht, wir haben vorne Druck gemacht, Offensivpressing gespielt und hatten das Spiel dann voll im Griff. Die Jungs haben richtig Leidenschaft und Eier gezeigt!“

„Unser Plan ist überhaupt nicht aufgegangen“

Tim Jeske (li.) leitete mit seinem Ausgleich die Wende ein und macht hier Jon Hoeft, der das 3:1 vorbereitet hat, Platz. Foto: Kormanjos

Und ein ganz anderes Gesicht, als noch im ersten Abschnitt, als Sasel nach einem – aus BU-Sicht – „lächerlichen Tor“ verdientermaßen führte. Stefan Winkel verlängerte einen Zankl-Eckball und „Jungspund“ Felix Stark nickte die Kugel schließlich über die Linie (19.). „Sasel hat viele kleine Spieler in den Reihen, wir haben hinten ein paar Holzblöcke. Und der kleinste Spieler von Sasel kommt im Fünfer zum Kopfball. Das darf uns einfach nicht passieren, das müssen wir besser verteidigen“, monierte Stier zurecht. Doch es passte irgendwie zum Auftreten bis zu jenem Zeitpunkt. „Unser Plan ist auf gar keinen Fall aufgegangen. Wir wissen, wie spielstark Sasel ist und wollten deshalb ein bisschen tiefer stehen. Aber man hat mal wieder gesehen, dass wir das überhaupt nicht können, tief stehen und dem Gegner hinterherlaufen. Das hat überhaupt nicht funktioniert. Dementsprechend ging die erste Halbzeit auch ganz klar an Sasel“, befand der BU-Coach, dessen Kabinenpredigt jedoch die erhoffte und erwünschte Wirkung zeigte.

„Papa“ Meyer macht ohne Training den Sieg klar

Wie ausgewechselt kamen die Barmbeker aus der Pause und gaben den Hausherren nun deutlich das Nachsehen. Samuel Hosseini mit dem Diagonalpass, Louis Mandel mit der punktgenauen Hereingabe – und Tim Jeske mit Entschlossenheit zum Ausgleich (60.). Der Anfang war gemacht – und keine 120 Sekunden später reichte ein simpler Jeske-Einwurf aus, um die Saseler Hintermannschaft auszuhebeln. Abdel Hathat war auf und davon, ließ sich die Chance nicht entgehen und drehte das Match (62.)! In der Nachspielzeit machte der eingewechselte Marcel Meyer – nach Vorlage von Jon Hoeft – mit einem satten Linksschuss den Deckel drauf (90. +1) und seinen Trainer froh: „Er ist unter der Woche Vater geworden, hat eigentlich gar nicht trainiert – aber ich wollte ihm das gönnen und dann macht er auch noch so ein Tor“, strahlte Stier. Genauso wie über die Tatsache, dass sein Team „wieder gegen eine Spitzenmannschaft gewonnen hat“.

„Wir konnten der Power und Energie nicht über 90 Minuten standhalten“

Marcel Meyer (mi.) feiert seinen Torerfolg mit Narek Abrahamyan. Foto: Kormanjos

Wenngleich die „Parkwegler“ sechs ihrer letzten sieben Spiele verloren und nun sogar vier Pleiten am Stück kassierten. „Leider hat sich das in den letzten zehn Minuten der ersten Halbzeit, als ein bisschen Leerlauf im Spiel war, angedeutet“, konstatierte Zankl – und führte ein Beispiel an: „Innerhalb von fünf Minuten hatten wir da sechs Ballverluste, die haarsträubend und nicht dem großen Druck von BU, sondern unserer Leichtsinnigkeit und schlechten Entscheidungsfindung geschuldet waren.“ Er habe seine Jungs in der Pause „gewarnt“, aber „wenn die Walze einmal losläuft, dann kommt schon ordentlich Speed und Power auf einen zu“, womit der TSV-Coach auf die Barmbeker Offensivqualitäten ansprach. „BU hat sich die Phase in der ersten Halbzeit, als die Partie so ein bisschen vor sich hinplätscherte, zu Nutze gemacht und wir konnten der Power und Energie nicht über 90 Minuten standhalten. Nach hinten waren wir nicht widerstandsfähig und das reicht dann nicht gegen eine gute Qualität und die individuelle Klasse auf der anderen Seite.“ Sein Team wankte, wurde sehr hektisch und habe es „nicht mehr geschafft, die Kontrolle reinzukommen. Wir müssen auch in schwierigen Phasen an unsere Stärken glauben und diese auch ausspielen.“ Apropos schwierige Situation: Aus dieser zog sich BU im zweiten Abschnitt selbst raus – und so avancierten die verbalen Ohrfeigen von Marco Stier zum Weckruf zur richtigen Zeit… 

Die PK mit beiden Trainern im Video

Autor: Dennis Kormanjos

Kommentieren