22.01.2019

Unterschiedliche, aber verständliche Wege, um weiterzukommen

Abpfiff – Die FussiFreunde-Kolumne

Foto: KBS-Picture.de

An dieser Stelle greifen wir unter dem Titel „Abpfiff“ in unserer Kolumne die Geschehnisse des Wochenendes und die wichtigsten Themen der Woche im Hamburger Fußball auf und beleuchten und kommentieren diese. Dieses Mal geht es dabei um die Verpflichtung von Stefan Kohfahl als neuer Sportlicher Berater des Oberligisten FC Teutonia 05 und die zum Saisonende bevorstehende Trennung zwischen Trainer Markus Walek und dem Teutonia-Ligakonkurrenten FC Süderelbe. 

Die Nachricht schlug ein wie die gern zitierte sprichwörtliche Bombe, dabei war sie für die intimen Kenner der Hamburger Amateurfußball-Szene fast schon keine so große Neuigkeit mehr, hatte sich die Personalie doch in den zurückliegenden Tagen mehr und mehr abgezeichnet, ehe sie nun gestern offiziell wurde. Stefan Kohfahl ist neuer Sportlicher Berater des FC Teutonia 05. Eine Personalie, die an sich schon Spannung und Beachtung garantiert, ist Kohfahl im unbezahlten Fußball der Hansestadt doch längst nicht „Everybodys Darling“. Und dann auch noch ein Wechsel zum FC Teutonia 05, den einige neben der TuS Dassendorf für so etwas wie den FC Bayern München der Oberliga halten. Frei nach dem Motto: Einfach mal mit der Kohle um sich schleudern und Spieler der Konkurrenz abwerben. Kohfahl und „T05“ – für manch einen mögen das gleich zwei rote Tücher auf einmal sein. Und doch macht die Liaison zwischen dem Club von der „Kreuze“ und dem Europa-Direktor der Real Madrid-Fußballschule Sinn und ist nicht von vornweg derart zu verteufeln, wie es hier oder da sicher der eine oder andere – mal im stillen, mal im weniger stillen Kämmerlein – sicher tun dürfte.

Teutonia wäre schön blöd, den Schritt nicht zumindest geprüft zu haben

Da geht's zur Regionalliga: Stefan Kohfahl soll Teutonia 05 als Sportlicher Berater helfen. Foto: KBS-Picture.de

Zwar mögen Begriffe wie „Synergien“, „Portfolio“ oder „Supplier“, mit denen Kohfahl im exklusiven FussiFreunde-Gespräch bei der Vermeldung der Personalie jonglierte, nicht unbedingt in den typischen Amateurfußball-Duktus passen, aber die Verbindung Kohfahl/Teutonia passt. Sie hat zumindest aber ihre Berechtigung. Warum soll ein Club, der freimütig das Ansinnen hat, in die Regionalliga Nord aufzusteigen, diesen Schritt aber in der vergangenen Spielzeit nicht geschafft hat, sondern in der Aufstiegsrunde mit Pauken und Trompeten untergegangen ist, nicht auf (Ver-)Besserung aus sein – sowohl auf als auch neben dem Platz!? Wieso soll Liborio Mazzagatti als Zweiter Vorsitzende der Teutonen nicht seine Verbindung zu Kohfahl über die Fußballschule der „Königlichen“ nutzen? Alles legitim – und Teutonia wäre schön doof, wenn man die Realisierung eines solchen Planes nicht zumindest geprüft hätte. Dass man ihn nun in die, Achtung: Wortspiel, REALität umsetzt – umso besser. Im vergangenen Jahr hat mindestens ein, wenn nicht sogar mehrere Schritte zur „Regio“ gefehlt. Dass Teutonia zumindest einen davon nun geht, zeigt nur, wie ernst es dem Club offenbar mit dem Ziel, die Oberliga nach oben zu verlassen, ist.

Nun mag man Kohfahl halten, was man will – das bleibt schließlich jedem selbst überlassen. Was man dem 50-Jährigen aber attestieren muss: Seine Idee der Real Madrid-Fußballschule war kein Reinfall, auch bei vorherigen Stationen hatte er durchaus seinen Erfolg. Der Mann wird also Ahnung haben von dem, was er tut. Wenn sich Teutonia durch die Kontakte Kohfahls und vorhandenes Geld nun in einer anderen Etage des Spieler-Regals bedienen kann, als bisher, so ist das doch unterm Strich nur begrüßenswert. Die Rechnung ist schließlich einfach: bessere Spieler, bessere Mannschaft, bessere Ergebnisse – und größere Konkurrenz zur TuS Dassendorf. Und das ist doch das, was alle immer wollen: eine spannende Oberliga, in der der Club vom Wendelweg nicht allein vorweg läuft, weil er eben die besten finanziellen Mittel und damit die besten Spieler, die beste Mannschaft und die besten Ergebnisse hat. Okay, da wäre noch das Argument, dass die Verbindungen bei „T05“ – sowohl bei Kohfahl als auch beim Geldgebenden  – nicht so emotional eng sind, wie bei Michael Funk in Dassendorf. Ja, mag sein. Doch wenn, wie man hört, bei Teutonia 05 jeder Transfer auf oberster Ebene explizit erklärt und begründet werden muss und nicht einfach durchgewunken wird, macht es zumindest Hoffnung oder den Eindruck, das das Konstrukt an der Kreuzkirche nicht so schnell in sich zusammenklappt, wie mancher glaubt.

Irgendwann gibt's andere Reize, als jedes Mal den FCS neu zu erfinden

Schwere Entscheidung: Markus Walek macht im Sommer beim FC Süderelbe Schluss. Foto: KBS-Picture.de

Gefeit aber ist man vor so etwas ja nie, schließlich passiert so manches auch überraschend. Die zweite sprichwörtliche Bombe, die zuletzt im Oberhaus des Hamburger Fußballs platzte, ist ein Beweis dafür. Oder, mal Hand aufs Herz: Wer von Ihnen, liebe Leser, hätte damit gerechnet, dass Markus Walek am Saisonende seinen Stuhl beim FC Süderelbe räumt? Oder sollte es doch eher heißen: räumen muss? Sportliche Gründe führte Walek, nacheinander als Spieler, Co-Trainer und Trainer inzwischen immerhin im siebten Jahr bei den „Kiesbarg-Kickern“ tätig, im Gespräch mit unserer Redaktion bei der Frage dafür an, warum er nicht über den Sommer hinaus weitermacht. Verständlich. Jahr für Jahr musste Walek in seiner Zeit als „Chef“ damit zurecht kommen, dass eine ganze Armada an Spielern den Verein verließ und er wiederholt vor der Aufgabe stand, einen komplett neuen Kader zusammenzubasteln. Jede Menge Umbrüche – und Walek schaffte jedes Mal den „Turnaround“ und das Ziel, dass der FCS nichts mit dem Abstieg zu tun hat. In dieser Serie gab es – das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, 15 Ab- und 19 Zugänge – und wieder sind die Abstiegsränge für Süderelbe als Zehnter schon in weiter Ferne (neun Punkte).

„Wenn wir am Ende da stehen, wo wir jetzt stehen, wäre das schon klasse“, befand auch Manager Matthias Nehls unlängst in der FCS" target="">FussiFreunde-Hinrunden-Analyse des FCS und ergänzte: „Wir wissen, dass wir erstmal kleine Brötchen backen müssen. Von daher können wir mit dem, was bisher geschafft wurde, sehr zufrieden sein.“ Eine Zufriedenheit, die auch für die Arbeit Waleks gilt. Warum man mit dem Coach dann nicht schon längst verlängert hat? Gute Frage. Nehls erklärte beim letzten Spiel 2018 gegen den HEBC, das werde schon noch passieren. Nun aber ist Walek dem zuvor gekommen. Weil der Club ihn vielleicht doch gar nicht halten wollte? Weil der Club wieder einmal noch mehr auf Sparkurs geht und den Gürtel noch enger schnallt? Spekulationen. Vom FCS gibt es bislang kein Statement. Sieht man die Fakten, kann man verstehen, dass Walek „die Entscheidung Anfang des Jahres getroffen und dem Verein sowie der Mannschaft mitgeteilt hat.“ Auch, wenn es für ihn eine schwere Entscheidung „nach sieben Jahren, in denen ich die FCS-Gene übernommen und mitgetragen habe“, war. Aber: Irgendwann verliert es eben auch den Reiz, trotz unzähliger Personalwechsel und dem Verlust diverser Leistungsträger das sportliche Maximum herauszuholen. Man will mehr. In diesem Fall: als Trainer weiterkommen. So wie eben auch „T05“ mit der Personalie Kohfahl weiterkommen will, statt auf der Stelle zu treten...

Jan Knötzsch

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