Oberliga

UnterSCHIEDlich, aber nicht friedlich: Schönteich wird zu Stiers rotem Tuch

Nach Wartezeit zur Pause und 2:3-Niederlage gibt’s ein Verbalduell auf der Pressekonferenz

27. August 2019, 23:54 Uhr

Das Bein ausgefahren: Dassendorfs Amando Aust (re.) versucht, Abdel Hathat zu stören. Foto: Heiden

Es war noch knapp eine Viertelstunde zu spielen, als Jean-Piere Richter das tat, was später für die Entscheidung im Match zwischen dem HSV Barmbek-Uhlenhorst und der TuS Dassendorf (Hier gibt’s die Highlights im Live-Ticker) sorgen sollte: Der Coach der Gäste beorderte Marcel von Walsleben-Schied zu sich, um den Stürmer in der Schlussphase vor 412 Zuschauern doch noch auf den Kunstrasen an der Dieselstraße zu schicken. Gesagt, getan: „Schiedi“ kam nach 76 Minuten für Pascal Nägele in die Partie und sollte nur sieben Zeigerumdrehungen später für die Szene sorgen, die das Spiel entschied. Darüber allerdings sprach am Ende kaum noch jemand – weil das Spiel quasi ein Nachspiel hatte. Eine Etage über dem Rasen. Doch der Reihe nach...

Und damit erst einmal zu dieser 83. Minute, die der TuS den „Dreier“ in einem „Spiel, das viele Aspekte hatte, die den Amateurfußball interessant machen“ (O-Ton Richter) hatte, bescherte: Maximilian Dittrich flankte, von Walsleben-Schied köpfte, BU-Keeper Johannes Höcker konnte nichts mehr ausrichten und Dassendorf jubelte – 3:2 für die Richter-„Racker“, die von ihrem Coach anschließend einen „Riesenglückwunsch“ erhielten, „dass wir mit drei stark erkämpften Punkten wieder nach Dassendorf fahren.“ Und das war in diesem Nachholspiel des dritten Oberliga-Spieltags in der Tat so.


Die Gastgeber leisteten gegen die Elf vom Wendelweg enorme Gegenwehr, hätten aufgrund des großen Chancenplus, das BU hatte, sogar zumindest den einen Zähler verdient, den das Team von Coach Marco Stier bis zu jener 83. Minute auch in der Hand hatte. Nach Arnold Hoelings 1:0 für BU (10.), konterte „Dasse“ mit einem Treffer von Nägele (12.) früh. Nach der Halbzeitpause, in deren Anschluss BU fünf Minuten eher als die spät aus der Kabine kommenden Dassendorfer auf dem Platz war, ging der Gast dann sogar durch Dittrich in Front (69.) und musste zwei von drei vielleicht schon sicher geglaubten Zähler nach 75 Minuten vorerst wieder aus der Hand geben, weil Schiedsrichter Fabian Porsch (Barsbütteler SV) nach einem Foul im Strafraum auf den Elfmeterpunkt deutete und Abdel Hathat zum 2:2 ausglich.

Richter: „BU hat vieles richtig gemacht und uns vor große Probleme gestellt“

Zwei Mal durfte BU jubeln – am Ende war das ein Mal zu wenig für den Gastgeber. Foto; Heiden

„Für den neutralen Fußball-Fan gab es heute vieles. Das Spiel war sehr attraktiv, beide Mannschaften hatten ein offenes Visier. Als Fußball-Fan freue ich mich, dass wir 3:2 gewonnen haben, als Trainer bin ich nicht ganz zufrieden. Wir haben wenig Zugriff auf den Gegner bekommen, sind teilweise hinterhergelaufen. BU hat vieles richtig gemacht und uns vor große Probleme gestellt. Ich bin sehr froh, dass wir eine mega individuelle Qualität haben und Nägele, Dittrich und Schied im richtigen Moment die richtigen Entscheidungen getroffen haben“, ließ „Dasse-Dompteur“ Richter das Spiel aus seiner Sicht Revue passieren, während auch Marco Stier zu Protokoll gab, er habe ein „tolles Spiel von beiden Seiten gesehen.“ Eines, in dem „unser Plan gut aufgegangen ist. Wir wollten tief stehen und haben auf Fehler im Aufbauspiel von Dassendorf gelauert. Das war unser Plan, das haben wir sehr sehr gut gemacht. Wir haben die Räume eng gemacht und taktisch sehr diszipliniert gespielt.“

Korrekt – und hinzu kam, dass „wir gerade in der ersten Halbzeit einen Haufen an Möglichkeiten hatten“, so Stier. Der Haken: „Wir haben Umschaltsituationen gehabt, wo wir unsere Chancenauswertung missen lassen haben. Auf der anderen Seite war das anders. Das ist die individuelle Qualität, die Dassendorf auszeichnet. Gerade beim dritten Tor durch Schied. Ich habe mit ihm ja noch zusammengespielt und kenne ihn, das macht er Weltklasse mit dem Rücken zum Tor. So wie Uwe Seeler mit dem Hinterkopf oder der Seite. Aber auch das Tor von Dittrich, bei dem er nach innen zieht und mit Vollspann in die linke Ecke schießt – soweit sind wir nicht. Wir haben zwar auch individuelle Qualität, aber Dassendorf hat das effektiv gemacht“, bilanzierte Stier und ergänzte: „Ich muss ehrlich sagen, dass unser Spiel so ausgelegt war, dass wir unsere Chancen bei den Kontern nutzen und viel Laufarbeit leisten müssen. Da wir die Chancen nicht gemacht hatten, waren meine Jungs nach 70 Minuten stehend k.o. Sie waren platt.“

Stier: „Diese arroganten Äußerungen gehen mir sowieso auf die Eier“

BU-Coach Marco Stier wählte nach dem Abpfiff klare Worte in Richtung von Dassendorfs Sportchef Jan Schönteich. Foto: Heiden

Draußen auf der Bank war aber zumindest noch so viel Luft vorhanden, dass es verbale Entgleisungen in Richtung von Dassendorfs Keeper Christian Gruhne gab. „Wenn sich einer unserer Spieler aus dem Trainerstab (von BU, Anm. d. Red.) als Drecksack beschimpfen lassen muss, ist das die eine Sache. Wenn aber ein Ersatzspieler-Ernie der Meinung ist, unseren Torhüter zu beschimpfen, dass er womöglich einen Schlaganfall hatte, weil er nicht mehr ganz so viele Haare hat, finde ich das mehr als traurig“, bezog Dassendorfs Sportchef Jan Schönteich auf der Pressekonferenz nach der Begegnung klar Stellung und fügte hinzu: „Ich schätze BU sehr, war hier jahrelang Mitglied, hab' hier Freundschaften geschlossen, aber dafür schäme ich mich zu Tode.“ Wie es sich aufgrund der journalistischen Sorgfaltspflicht, beide Seiten zu hören, gehört, durfte anschließend auch Marco Stier zu den Vorwürfen Stellung beziehen – und tat dies in recht deutlicher Form.

„Auf dieses Niveau lasse ich mich nicht runter. Das sind auch keine Kinder von Traurigkeit. Auch diese arroganten Äußerungen von Jan Schönteich – das geht mir sowieso auf die Eier“, machte der BU-Übungsleiter keinen Hehl daraus, dass Dassendorfs Sportchef für ihn offenbar ein rotes Tuch ist. „Das, was der Spieler gesagt hat, habe ich nicht gehört. Wenn es so sein sollte, dann tut mir das Leid. Aber das ist Fußball und kein Kindergarten. Die sollen sich nicht so anstellen – und fertig“, fügte Stier hinzu. Die Replik von Jan Schönteich auf die „Ansage“ aus dem gegnerischen Lager in seine Richtung? „Arroganz sieht nur von unten so aus“, sagte er im Anschluss an den offiziellen Teil der Pressekonferenz gegenüber den anwesenden Journalisten.

Jan Knötzsch

BU-Keeper Johannes Höcker im Interview nach dem Spiel

Dassendorfs Torhüter Christian Guhne im Gespräch nach dem Abpfiff

Die Pressekonferenz in voller Länge


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