05.04.2016

Überraschungs-Coup – Pinneberg beendet Traumserie des AFC!

„Ich finde es gut, dass wir verloren haben"

Pinnebergs Youngster Dario Ivanko (M.) lässt Altonas Felix Brügmann (l.) und Laurel Aug (r.) stehen. Foto: Claus Bergmann!

Der VfL Pinneberg empfing am Dienstagabend den Altonaer Fussball-Club zur Nachholpartie des 23. Spieltages der Oberliga Hamburg. Beide Teams bestritten am vergangenen Sonntag ein Punktspiel und hatten demnach gerade mal zwei Tage Spielpause, bis sie bei stark einsetzendem Regen schon wieder ran mussten und um drei ganz wichtige Punkte zu kämpfen. Der AFC wollte seine Traumserie ausbauen und den Druck auf die Spitzengruppe hoch halten – während der VfL die drei Zähler im Fight gegen den Abstieg dringend benötigte. Die Voraussetzungen waren geschaffen, die Favoritenrolle verteilt: am Ende entschied jedoch der Außenseiter – dank eines starken Schlussspurts – die Partie für sich und verließ dadurch die Abstiegszone...

Alexander Borck (r.) rustikal gegen Altonas Laurel Aug, der mehr Schwung ins Spiel des AFC brachte. Foto: Claus Bergmann!

Nach Spielende fanden sich beide Trainer zu einer Pressekonferenz ein, in der sie sich absolut einig darüber waren, dass der Verband sich Gedanken darüber machen müsse, auszutragende Spiele nicht innerhalb von zwei Tagen anzusetzen. Altona-Trainer Berkan Algan sagte dazu: „Ich finde das allgemein nicht gut. Ich weiß gar nicht, ob weltweit irgendeine Profimannschaft ein Spiel auf einem Sonntag und dann auf dem darauffolgenden Dienstag bestreiten muss. Das finde ich ein bisschen `lustig´, dass wir das im Oberligabereich machen müssen! Wenn das in der Zukunft veränderbar wäre, würde ich das – wie ich glaube, jeder andere Trainer auch – begrüßen, wenn man dann solche Spiele auf einen Mittwoch legen könnte!“ Sein Kollege, Thorben Reibe, pflichtete ihm dahingehend bei und zeigte ebenfalls Unverständnis über die Ansetzung: „Eigentlich kann ich mich da nur anschließen, bei dem, was Berkan gesagt hat. Ich finde es auch katastrophal, wenn man auf einem Sonntag Fußball spielt, dass man das nächste Spiel dann nicht auf einen Mittwoch ansetzen kann...“

Nun konnten beide Vereine aber nichts daran ändern und das Spiel fand, bei phasenweise sehr starkem Regen, statt. Bereits vor Anpfiff gab es eine Überraschung auf Seiten der Pinneberger, als die Aufstellung bekannt wurde. Denn Coach Reibe ließ Routinier Christian Dirksen auf der Bank und gab dem A-Jugendlichen Dario Ivanko das erste Mal die Gelegenheit, von Beginn an seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Sein Engagement konnte sich sehen lassen, was auch sein Trainer so registrierte: „Mich freut es besonders für Dario, dass er von Anfang an gespielt hat und sich dann auch so reinhauen konnte.“ Das tat der Jungspund wahrlich, genauso wie seine Teamkameraden, die in der ersten Hälfte gegen die gute agierenden Algan-Bengel jedoch ein wenig Glück hatten, dass man nicht in Rückstand geriet. Auch wenn das Spielgeschehen im ersten Durchgang kein `Leckerbissen´ war, hatte der Gast die eindeutig besseren Chancen zu verzeichnen,. Doch Nick Brisevac (15.) brachte genauso wenig den Ball über die Linie wie sein Mannschaftskollege Jan Luka Segedi, der kurz vor dem Pausenpfiff die beste Möglichkeit hatte, aber den Ball nur gegen das Quergebälk krachen ließ (45.+1)!

Durch den Kampf zum Erfolg

Schoss die 1:0-Führung für Pinneberg: Luis Diaz Alvarez (l.). Foto: Claus Bergmann!

Auch nach Wiederanpfiff fand der AFC zunächst besser in die Partie auf schwerem Geläuf. Obwohl sich die Algan-Kicker abermals Chancen erspielten, zum Beispiel durch Ali Moslehe (50.) und Felix Brügmann (56.), nutzten sie diese weiterhin nicht, was auch daran lag, dass VfL-Keeper Norman Baese immer stärker wurde und teilweise mit Glanztaten den Einschlag in seinem Gehäuse verhinderte! Aber nicht nur der Torwart aus Pinneberg wurde im Verlauf der zweiten Halbzeit stärker und sicherer, sondern auch die gesamte Mannschaft von Übungsleiter Thorben Reibe, der sich in der 79. Minute für Christian Kulicke selbst einwechselte – nachdem er in der 56. Minute schon Dirksen für den jungen Ivanko brachte und kurz darauf Tim Jeske durch Fabian Knottnerus ersetzte. Die Hausherren wollten durch Kampf und Einsatz zum Erfolg kommen, was ihnen schlussendlich auch gelang! Denn der Außenseiter ging vor 300 Zuschauern neun Zeigerumdrehungen vor dem Ende überraschend mit 1:0 in Führung: Sascha Richert eroberte den Ball im Mittelfeld, lief in Richtung Strafraum und passte auf rechts in den Lauf von Luis Diaz Alvarez. Der Offensiv-Allrounder nahm die Kugel im Sprint an und zog von rechts in den Strafraum, bis er aus spitzem Winkel und sieben Metern Torentfernung AFC-Fänger Joshua Du Preez das Nachsehen gab!!

„Wir haben Großes vor und werden es zu 100 Prozent schaffen"

Kemo Kranich (r.) sah kaum einen Stich. Foto: Claus Bergmann!

Angetrieben und beflügelt von der Führung, machte auf einmal der abstiegsbedrohte Außenseiter das Spiel und kam zwei Minuten vor dem Ende tatsächlich zum 2:0! Wieder war es Richert, der dieses Mal an der linken Außenlinie Fabian Knottnerus gekonnt mit einem Pass in Szene setzte. Der erst Mitte der zweiten Hälfte eingewechselte Knottnerus lief von links in die Zentrale. Dort behauptete er sich gegen zwei Abwehspieler und zog aus mittiger Position von der Strafraumgrenze ab. Sein Schuss krachte an den linken Innenpfosten und fand von dort den Weg ins Gehäuse! Du Preez war machtlos – und die AFC-Serie von sieben Siegen in Folge (14 ungeschlagene Spiele am Stück) fand ihr Ende! Coach Algan sah darin allerdings auch etwas Positives, wie er mit einem leichten Schmunzeln verriet: „Was mich persönlich betrifft, finde ich es gut, dass wir verloren haben. Weil die ganzen Leute immer über irgendwelche Serien, Fernsehserien, keine Ahnung was für Serien die meinen, gesprochen haben. Jetzt können sich diese Leute endlich mal wieder auf den Alltag konzentrieren.“

Luis Diaz (r.) schießt aus spitzem Winkel zum 1:0 ein und dreht jubelnd ab. Foto: Klaas Dierks

Doch was den sportlichen Ablauf anging, so waren er und sein Team „not amused“: „Wir hätten die Chancen reinmachen können, haben wir aber nicht getan. Das hat Pinneberg besser umgesetzt und deswegen bleiben die drei Punkte auch zurecht beim VfL!“ Dieser Sieg war ein ganz wichtiger für die Heimmannschaft, da man dadurch erstmal die Abstiegsränge verließ. „Mit der Leistung in der ersten Halbzeit war ich gar nicht zufrieden. Wir standen immer zu weit weg und haben Altona ins Spiel kommen lassen. Sie hatten einfach auch gute Chancen, wobei man davon eigentlich einen reinmachen muss. Von daher hatten wir bis zur Pause auch ein wenig Glück. Mitte der zweiten Halbzeit sind wir besser ins Spiel gekommen und konnten unsere Konter besser fahren. Wir haben sicherlich auch ein bisschen glücklich gewonnen, weil Altona die besseren Chancen hatte. Aber es war wieder mal herausragend, was wir momentan auch kämpferisch abliefern!“

Auf der einen Seite endete die Serie, auf der Anderen wurde sie ausgebaut. Denn der VfL ist nun seit fünf Spielen ungeschlagen und hat mehr als nur gute Chancen, die Klasse zu halten, da man noch mehr Spiele im Vergleich zur Konkurrenz in der Hinterhand hat. „Ich würde mich freuen, wenn Pinneberg in der Oberliga bleibt, weil ich der Meinung bin, dass dieser Verein in die Oberliga gehört. Was uns angeht, haben wir Großes vor und werden das auch zu 100 Prozent schaffen“, lautete Algans abschließende Kampfansage.

Autor: Mathias Merk

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