Regionalliga Nord

„Überragender“ Brandt und Super-Sezer düpieren „katastrophales“ Norderstedt

25. Oktober 2020, 17:51 Uhr

St. Paulis Max Brandt (li.) zeigte im Mittelfeldzentrum eine "überragende" Leistung gegen einen indiskutablen Gegner. Foto: KBS-Picture.de

Was Jens Martens, der am Vortag seinen 65. Ehrentag feierte, vom Auftritt seiner Mannen hielt, war wenig feierlich und brachte er noch im ersten Abschnitt klar zum Ausdruck (alle Highlights im LIVE-Ticker). Nicht nur, dass der Trainer des FC Eintracht Norderstedt oftmals lautstark eingreifen musste, 60 Sekunden vor der Pause ließ er dann auch Taten sprechen: Mit Hamajak Bojadgian und Dane Kummerfeld brachte der Eintracht-Übungsleiter zwei neue Leute für Nils Brüning und den völlig indisponierten Philipp Koch, der nicht nur Gelb-Rot-gefährdet war, sondern auch ansonsten kein Fuß auf den Platz bekam und ein unglückliches Eigentor zum zwischenzeitlichen 0:2 produzierte.

Jan Lüneburg (li.) - hier gegen den späteren 3:0-Schützen Jakob Münzner - vergab die erste Großchance der Partie. Foto: KBS-Picture.de

Dass der Coach der Garstedter zu solchen rigorosen Maßnahmen würde greifen müssen, war zunächst nicht absehbar. Denn nach nicht einmal 180 Sekunden hatte Jan Lüneburg bereits den Führungstreffer auf dem Fuß, zielte aber etwas zu ungenau. „Wenn er den macht, geht’s vielleicht anders aus“, mutmaßte ein nicht nur laut seines Trainers „überragender“ Max Brandt. Eine „Top-Leistung“, attestierte Joachim Philipkowski seinem Schützling – mal wieder. „In den zehn Spielen hat er bestimmt sieben oder acht Partien mit einer top Leistung beendet“, hob „Piepel“ seinen Jungspund auf Nachfrage heraus, ehe er über dessen Qualitäten sprach: „Er ist klar im Kopf, technisch sehr stark, hat ein Ziel vor sich und arbeitet dafür sehr viel und hart. Mal gucken, wo die Reise hingeht. Wenn er so weitermacht, dann haben wir ihn nicht mehr lange“, überschüttete Philipkowski den 19-Jährigen mit Lob. „Er fällt in jedem Spiel auf durch seine Ballbehandlung, seine Intelligenz, durch gute Bälle und seine Aktionen nach vorne.“ So auch an diesem Tag.

Sezer eröffnet, Koch trifft ins eigene Netz

"Kiezkicker" Cemal Sezer (Mi.) war an allen drei Toren seines Teams direkt beteiligt. Foto: KBS-Picture.de

Brandt selbst gab sich hinterher recht bescheiden, war mit seiner eigenen Leistung zwar „schon sehr zufrieden“, äußerte aber auch einen (kleinen) Kritikpunkt: „Ich würde gerne mal ein Tor schießen.“ Der erste Treffer im sankt paulianischen Dress blieb ihm zwar verwehrt – doch dafür sprang mal wieder Kapitän Cemal Sezer in die Bresche. Erst verwertete der sträflich frei gelassene Sezer einen Querpass des nicht minder unbedrängten Aurel Loubongo-M’Boungou zur Führung (23.), dann war es Norderstedts Koch, der eine Sezer-Ecke unter Bedrängnis von Loubongo-M’Boungou in die eigenen Maschen bugsierte (30.).

"Das war genauso ein katastrophaler Abwehrfehler..."

Quirlig über Außen: Aurel Loubongo-M'Boungou (re.) gab Evans Nyarko und dessen Garstedtern oft das Nachsehen. Foto: KBS-Picture.de

Norderstedt fand überhaupt nicht mehr statt. Die dünne Personaldecke machte sich deutlich bemerkbar. Und dennoch wollte Martens dies keineswegs als Entschuldigung gelten lassen. Wieder war es Sezer, dessen ruhender Ball aus dem Halbfeld nicht entscheidend geklärt werden konnte. Was Bujar Sejdija noch verwehrt blieb, machte Jakob Münzner besser – 3:0 (58.). „Der Ball geht durch 16 Abwehrbeine hindurch. Das war genauso ein katastrophaler Abwehrfehler wie bei den anderen Gegentoren“, echauffierte sich Martens. „Männer, die kriegen kein Tor rein“, rief Profi-Leihgabe Svend Brodersen zwischen den Pfosten der „Kiezkickerchen“ seine Vorderleute derweil auch kurz vor Schluss noch zu höchster Konzentration auf. Musste er aber gar nicht – denn der Gegner war an diesem Nachmittag schlichtweg keiner. „Wenn ich ehrlich bin, dann nicht“, entgegnete Brandt auf Nachfrage, ob er ein derart einseitiges Spiel erwartet hätte. „Wir haben die sehr stark eingeschätzt.“ Umso mehr war es im Nachgang „ein hochverdienter Sieg“ für die Hausherren im gegnerischen Stadion.

"Es war von vorne bis hinten schlecht!"

Unter den Augen von St. Paulis Profi-Coach Timo Schultz zeigte der Kiezkicker-Nachwuchs einen starken Auftritt. Foto: KBS-Picture.de

„Wir hatten eine gute Trainingswoche und allgemein einen guten Monat. Das hat uns ein bisschen getragen. Und wir wollten einfach den vierten Platz verteidigen“, begründete Brandt den starken Auftritt seiner „Kiezkickerchen“. Während Martens nach der Darbietung seiner Equipe überaus deutliche Worte fand: „Mir wäre es zu einfach, zu sagen, wir haben einen gebrauchten Tag erwischt. Das war eine katastrophale Leistung! Bei uns hat überhaupt nichts gepasst. Auch das Pausendonnerwetter hat nicht viel bewirkt“, ärgerte er sich – und fügte an: „Ich bin überhaupt nicht einverstanden mit der Leistung unserer Mannschaft.“ Das sei auch „überhaupt nicht zu erklären“, so Martens, der „nicht einen Feldspieler mit Normalform gesehen“ habe. „Es war heute von vorne bis hinten schlecht!“

Was beide Trainer noch zu sagen hatten und wie sie die Corona-Problematik bewerten - hier gibt's die komplette PK im Video

Autor: Dennis Kormanjos

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