04.08.2018

Trotz „Mölli“-Gala und 4:2-Sieg beim Vize-Meister: „Das war teilweise sehr unorganisiert“

Dassendorf-Show bei Vicky - Richter beklagt Arbeit gegen den Ball

Glänzte als Dreifach-Schütze der TuS: Sven Möller. Foto: KBS-Picture.de

Die Saison 2018/19 ist gerade mal zwei Spiele alt – und schon stellt sich die Frage: Wer oder was kann diese TuS Dassendorf stoppen?! Im Duell zwischen dem Vize- und dem Dauer-Meister drückte vor allem ein Akteur dem Treiben vor 240 Zuschauern – darunter Ex-HSV-Profi Ashton Götz, der sich nach dem Ende seiner Zeit beim holländischen Erstligisten Roda Kerkrade zuletzt beim SC Victoria fit hielt – im Stadion Hoheluft seinen Stempel auf: Sven Möller. „Er hat heute den Unterschied ausgemacht“, befand auch TuS-Coach Elard Ostermann. „Mölli“ erzielte drei der vier Dassendorfer Tore und zeigte dabei nahezu das gesamte Repertoire...

Victoria-Coach Jean-Pierre Richter wirkte ein wenig bedröppelt – vor allem aufgrund eines nicht unwesentlichen Aspekts: „Wir haben letztes Jahr mit 33 Gegentoren in 34 Spielen gezeigt, wo wir hinkommen müssen – gerade auch in der Arbeit gegen den Ball. Das ist etwas, was uns aktuell große Sorgen macht.“ Doch dann wäre da noch ein weiterer Punkt, wo den Mannen von der Hoheluft zurzeit der Schuh drückt. „Einen Scharkowski, der in 34 Spielen 36 Tore macht, den finden wir hier nun mal nicht in Eppendorf an irgendeiner Kasse, unter einer Brücke oder an einer Busstation.“ Und weiter: „Uns fehlt momentan ein Stück weit die Durchschlagskraft, vielleicht auch ein Stück weit die Qualität. Daran werden wir arbeiten.“ Dennoch betonte „JPR“ ausdrücklich: „Man darf zwar nicht vergessen, dass uns auf dem Platz nominell eine gewisse Qualität vorne drin fehlt. Aber wir laufen vorne mit drei Offensivspielern auf, die Dennis Bergmann, Andre Branco und Julian Schmid heißen. Das ist für Oberliga-Verhältnisse sicher auch nicht schlecht. Ich will die Jungs da nicht zu klein reden.“

„Mölli“ meisterlich, Joker punkten - Richter-Traumtor zu wenig

Dennis Richter konnte die Niederlage trotz seines Traumtores auch nicht abwenden. Foto: KBS-Picture.de

Letzteres ist bei einem Sven Möller nahezu unmöglich. Der TuS-„Blondschopf“ brillierte an jenem Abend als Dreifach-Schütze. Erst vollstreckte er nach einem Zuspiel von Maximilian Dittrich aus 14 Metern halbrechter Position ins lange Eck – Vicky-Fänger Dennis Lohmann war noch dran, konnte den Einschlag aber nicht mehr verhindern (6.) –, dann konterte er den Ausgleich der Hausherren mit der erneuten postwendenden Führung. Yannick Siemsen agierte im Duell mit Marcel von Walsleben-Schied etwas zu ungeschickt, woraufhin Möller den fälligen Strafstoß rechts oben in den Winkel setzte (34.). Kurz zuvor war es Dennis Richter, der das Stadion für einen Bruchteil toben ließ, als er einen Freistoß – Dennis Bergmann wurde von TuS-Torjäger von Walsleben-Schied gelegt – rechts versetzt vom Strafraum aus spitzem Winkel in den linken Knick schlenzte. Vom Innenpfosten fand das Spielgerät den Weg über die Linie (32.)!

Dass man in Dassendorf auch auf der Bank über eine brutale Qualität verfügt, zeigte sich in Minute 54: Ostermann schickte LSK-Zugang Linus Büchler für den angeschlagenen Pascal Nägele ins Rennen. Keine 15 Sekunden auf dem Platz, da legte Büchler mit seinem allerersten Ballkontakt eine Hereingabe per Kopf für von Walsleben-Schied ab, der keine große Mühe mehr hatte – 3:1 TuS (55.)! Ein Konter in Perfektion rundete den Dassendorfer Auftritt ab: Nach einem Ballgewinn in der eigenen Hälfte zündete Mattia Maggio – spielte heute auf dem rechten Flügel, dafür rutschte von Walsleben-Schied auf seine angestammte Position im Sturmzentrum – über die linke Seite den Turbo. Sein Seitenwechsel fand den ebenfalls eingewechselten Samuel Louca, der aus dem Halbfeld butterweich auf den Kopf von Möller flankte – drin (81.)! Dass Timo Stegmann vom Punkt aus – Jeremy Karikari foulte Dennis Bergmann – der letzte Torerfolg des Fußball-Abends vergönnt war, hatte nur noch statistischen Wert (88.). Und eine Menge Glück war auch dabei, da Christian Gruhne mehr als nur die Fingerspitzen am Ball hatte.

Richter: „Ist die Frage, wie man einen Fehlstart definiert“

Marcel von Walsleben-Schied (li.) - hier gegen Vicky-Verteidiger Yannick Petzschke - rückte wieder in die Startelf und traf. Archivfoto: KBS-Picture.de

„Wir sind natürlich nicht da, wo ich mich mit der Mannschaft gerne sein möchte. Auch dafür gibt's Faktoren. Aber unterm Strich: Ein starker Gegner, der zurecht gewonnen hat“, so Richters Fazit. Von einem Fehlstart wollte er indes noch nichts wissen. Denn: „Ist die Frage, wie man einen Fehlstart definiert. Ich würde jetzt nicht sagen, dass wir glücklich über die Ergebnisse sind. Auch nicht über die Art und Weise, wie uns die Spiele teilweise nicht gelungen sind. Aber letztlich ist es eine Situation, die uns stärker machen muss. Ich glaube auch, dass wir eine Mannschaft sein können, die schwer aufzuhalten ist, wenn die Lawine denn mal losbricht.“ Auch der Spielplan mit drei echten Schwergewichten zu Beginn (Niendorf, Dassendorf und nächste Woche Altona) sorgt bei Richter nicht gerade für eine Verstimmung. Im Gegenteil. „Ich finde es cool, dass wir gleich zu Beginn diese Gegner haben. Aber unter den Voraussetzungen, die wir im Laufe der Vorbereitung erfahren mussten, leider natürlich zur total falschen Zeit.“ Apropos falsche Zeit: Am Samstagmorgen um 6:36 Uhr geht es für den SC Victoria nach Berlin, wo man an einem Werbeturnier teilnehmen wird. „Mit einem Sieg wäre es natürlich noch schöner gewesen. Aber für uns ist es auch was Tolles, uns als Verein gegen starke Gegner zu repräsentieren.“ Unter den Teilnehmern befindet sich auch Viktoria Berlin. Der Verein, zu dem es Nick Scharkowski zog.

Temporeiches TuS-Auslaufen: „Alles andere ist Zeitverschwendung“

Auch Julian Schmid (li.) konnte Sven Möller nicht stoppen. Archivfoto: KBS-Picture.de

Unterdessen ist der Meister schon wieder in Fahrt und scheint seinen Weg unaufhaltsam weiterzugehen. Doch, und jetzt kommt’s: Der neue Trainer sieht noch eine ganze Menge Handlungsbedarf: „Es ist alles noch nicht so abgestimmt, wie es sein kann. Man hat heute gesehen, dass Vicky eine technisch wirklich gute Truppe hat. Wir haben es nicht so gut verstanden, dagegen anzulaufen. Es war teilweise sehr unorganisiert.“ Das ist mal eine Ansage nach einem 4:2-Sieg beim schärfsten Widersacher der abgelaufenen Spielzeit. Elard Ostermann will gar nicht erst, dass Nachlässigkeiten auftreten. „Wir haben jetzt schon wieder im Kreis über das nächste Spiel gesprochen. Ich glaube auch, dass es für die Spieler keine großen Möglichkeiten gibt, sich auf dem Erreichten auszuruhen, weil wir einen 20-Mann-Kader haben, wo jeder motiviert ist, von Anfang an zu spielen. Diesen Konkurrenzkampf wollten wir so haben, auch wenn er Schwierigkeiten birgt. Aber wer gut trainiert, sich präsentiert und die Chance nutzt, der ist dann auch dabei.“ Alle Mann waren auch beim Auslaufen nach dem Spiel dabei. Wobei: Von Auslaufen konnte kaum die Rede sein. „Jeder hat seine eigenen Vorstellungen, wie das funktioniert. Ich kann es mir schenken, wenn ich mit zwei km/h drei oder auch zehn Runden drehe. Das ist Zeitverschwendung. Ich glaube, dass so ein kleiner Tempowechsel, aber dafür kurz und knackig, eher für die Regeneration förderlich und auch hilfreich ist, was den konditionellen Aspekt betrifft. Denn wir trainieren ja nicht so oft.“


Autor: Dennis Kormanjos

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