11.05.2018

Traum-Heim-Abschied für „AFC-Fraktion“ und „SBD“: „Jetzt schließen wir die Tür ab und üben ein neues Lied“

Pieper siegt mit BU in seinem letzten Heimspiel gegen Rugenbergen

Noch vor dem Anpfiff wurde das Trainerteam um Frank Pieper (mi.), Peter Paczkowski (2. v. li.) und Jens Schadewaldt (2. v. re.) verabschiedet. Foto: Kormanjos

Ein ganzes Dutzend Spieler wurde vor dem letzten Heimspiel von Volker Brumm verabschiedet. Der Liga-Beauftragte des HSV Barmbek-Uhlenhorst war im wahrsten Sinne des Wortes auf sich allein gestellt, da kein Vorstandsmitglied anwesend war. Und das, obwohl - wie bereits erwähnt - für einige Barmbeker der finale Vorhang vor heimischer Kulisse fiel. Auch für Trainer Frank Pieper, der den Verein nach sieben Jahren verlassen und bei Oberliga-Kontrahent Concordia eine neue Herausforderung in Angriff nehmen wird, und dessen Assistenten Peter Paczkowski und Jens Schadewaldt.

Barmbeks Liga-Beauftragter Volker Brumm (2. v. li.) übernahm die Zeremonie. Auch Ilias Ide (3. v. li.), Oguz Koras und Leon Schulz verlassen den Club. Foto: Kormanjos

„Wir haben schon vor dem Spiel darüber gesprochen und waren der festen Meinung, dass es an einem anderen Ort, nämlich am Rupprechtplatz, nochmal etwas anderes gewesen wäre. Warum auch immer das so ist?! Wahrscheinlich, weil man immer an den Dingen festhält, die weit zurückliegen – oder weil ich dort vielleicht auch als Spieler noch selbst aktiv war und deshalb noch mehr Erinnerungen an die alte Anlage habe. Nichtsdestotrotz läuft alles nochmal wie so ein Film ab“, verriet Pieper auf Nachfrage, ob er die vergangenen sieben Jahre vor oder während der Partie gegen den SV Rugenbergen noch einmal Revue passieren ließ. „Natürlich tut man das - und nimmt vor allem die schönen Erinnerungen mit. Obwohl die letzten beiden Serien im Ganzen nicht so waren, wie wir sie uns gewünscht haben, sind wir zufrieden, froh und stolz, finden aber auch, dass es nach sieben Jahren ein guter Moment ist, zu sagen: Wir schließen die Tür ab und üben ein neues Lied.“

Ribeau. Sa Borges Dju und Lipke treffen - Neun Rugenbergener bieten BU Paroli

King Onassis Paschen (2. v. li.), Marcel Rodrigues, Pascal El-Nemr, Qendrim Bajraktaraj und Mazlum Oguz gehören ebenso zu den Abgängen. Foto: Kormanjos

Zu den Akteuren, die vor der Begegnung mit einer BU-Tasse und einer Foto-Collage verabschiedet wurden, gehörte unter anderem die ehemalige „AFC-Fraktion“ um Sebastian Clausen, Benjamin Lipke und Matthias Ribeau. Die beiden Letztgenannten dankten es mit einer einstudierten Co-Produktion beim Führungstreffer: Ecke Lipke auf den kurzen Pfosten, wo Ribeau per Hinterkopf ins lange Eck verlängerte - 1:0 (15.)! Nun war Clausen an der Reihe. Seinen langen Ball verarbeitete Ivan Sa Borges Dju, der im ersten Anlauf an Patrick Marciniak scheiterte - aber den Abpraller über die Linie köpfte (33.)! Ausgerechnet „SBD“, der aufgrund seiner vierjährigen Vereinszugehörigkeit und Verdienste für den Club vor dem Anpfiff eine Extra-Würdigung erhielt und von den Fans bei seiner Auswechslung, weil stark gelb-rot-gefährdet, frenetisch gefeiert wurde. Zwar brachte Dennis von Bastian die Bönningstedter mit einem herrlichen 20-Meter-Freistoß aus halbrechter Position wieder heran (59.). Doch letztendlich gab es für die Palapies-Schützlinge, die in der Schlussphase nach einer Gelb-Roten Karte gegen Sergej Schulz (71.) und einer Verletzung von Kevin Beese - das Wechselkontingent war bereits ausgeschöpft - nur noch zu neunt agierten, kein Happyend.

Pieper: "Das sind Persönlichkeiten, von denen es heute nicht mehr viele gibt"

Auch die „AFC-Fraktion“ um Sebastian Clausen (2. v. li.), Benjamin Lipke und Matthias Ribeau hört bei BU auf. Foto: Kormanjos

Nachdem BU einige Konter äußerst fahrlässig ausspielte und einige Chancen leichtfertig vergab, hatte Rugenbergen in Person von Sulayman Dampha - wohlgemerkt in doppelter Unterzahl - sogar die Chance auf das 2:2. Aber Kaspars Plendiskis entschärfte (83.). Und so sorgte Benjamin Lipke in der Nachspielzeit vor 339 Zuschauern noch einmal für Ekstase, als er nach einem Korczanowski-Kopfball freistehend ganz cool blieb, zum Jubellauf startete und sich das Trikot vom Leib riss - 3:1 (90. +4)! Pieper über seine Routiniers: „Sie haben durch ihre Erfahrung einen anderen Blick aufs Team und sind Persönlichkeiten, von denen es heute nicht mehr allzu viele gibt. Das ist es eben auch das, was den Unterschied ausmacht. Sie haben einen ganz großen Anteil daran, die Truppe zusammen zu halten und auch immer für einen Austausch zu sorgen.“

Währenddessen zeigte sich Ralf Palapies, der am Freitag in zwei Wochen gegen den HSV III sein letztes Spiel als SVR-Coach hat, vor allem mit der Leistung von Referee Fabian Porsch (Barsbütteler SV), dem die eigentlich faire Partie in der zweiten Halbzeit mit einigen seltsamen (Nicht-)Entscheidungen entglitt, unzufrieden: „Von der Spielleitung und der Spielführung her hat mich das heute alles irritiert. Ich hab das nachher gar nicht mehr verstanden. Ich weiß nicht, wie in einem solchen Spiel so eine Hektik aufkommen kann. Warum da Ellbogen fliegen, Gerangel und Gezerre ist – und nichts unterbrochen wird. Hintenraus muss ich ganz ehrlich sagen, dass es schade ist, ein solches letztes Spiel sehen zu müssen. Deshalb interessiert mich das Ergebnis nicht und es war kein schöner Abend.“ Auch Pieper war während der 90 Minuten ein ums andere Mal auf 180, weil insbesondere in der Kartenverteilung keine Linie zu erkennen war.

"Fast schon eine Tradition, dass wir diese Spiele erfolgreich bestreiten"

Ivan Sa Borges Dju beendet aufgrund einer Selbstständigkeit (eigene Physiotherapie-Praxis) seine aktive Laufbahn. Foto: Kormanjos

Doch am Ende stand für den scheidenden BU-Dompteur ein Sieg auf der Anzeigetafel. Er und sein Team wurden anschließend noch von den Fans lautstark gefeiert. „Es war mir sehr wichtig und scheint schon fast eine Tradition zu sein, dass genau diese Spiele, allesamt von uns ausnahmslos erfolgreich bestritten wurden. Das letzte Spiel auf dem Rupprechtplatz haben wir 3:0 gegen Altona gewonnen. Das erste Spiel auf dieser Anlage konnten wir gegen HR mit 1:0 gewonnen. Dieses erste und letzte Spiel haben wir auf jeden Fall im Griff“, schmunzelte Pieper, der abschließend anfügte: „Es war mir wichtig, aber vor allem für diejenigen, die gehen und ihr letztes Heimspiel hatten. Weil jeder weiß, dass durch diesen ganzen Trouble immer relativ viel Unruhe da ist und dann auf den Punkt zu servieren, ist auch nicht immer so leicht. Das hat die Mannschaft hervorragend gemacht - auch wenn nicht alles Gold war, was glänzt.“ Nun könne man aber getrost „die Tür abschließen“ und „ein neues Lied“ üben…

Die BU-Fans feiern mit ihrer Mannschaft den Heim-Abschied

Autor: Dennis Kormanjos

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