Landesliga 03

Theo tut weh und löst sein Versprechen ein: „Deswegen ist er nächste Saison auch nicht mehr bei uns!“

09. April 2022, 17:40 Uhr

Theo Schröder (Mi.) erzielte alle drei Tore, löste sein Versprechen ein und avancierte zum Matchwinner für den ETV. Foto: Olaf Both

Die Begrüßung fiel süffisant aus: „Was hast du denn gemacht? Aufstiegsfeier zu groß gewesen?“, fragte Michael Koss beim Handshake vor dem Spiel Khalid Atamimi – und beglückwünschte den ETV-Meistermacher gleichzeitig zum vorzeitigen Titelgewinn. Tatsächlich war Atamimi nach einem Trainingsunfall vor einiger Zeit, bei dem er sich das Innenband riss und den Meniskus beschädigte, etwas angeschlagen. Mit den Feierlichkeiten nach der feststehenden Meisterschaft hatte die Verletzung allerdings nichts zu tun. Vielmehr wollte der Eimsbütteler TV seine Kür beim HSV Barmbek-Uhlenhorst II fortsetzen (alle Highlights im LIVE-Ticker)…

Die Begrüßung vor dem Spiel zwischen Michael Koss (li.) und Khalid Atamimi fiel herzlich und süffisant aus. Foto: Olaf Both

Und vor allem ein Mann hielt sein Wort: „Ich habe ihn gefragt, ob er in dieser Saison noch die 30 Tore vollmacht. Daraufhin hat er gesagt: ‚Ja, auf jeden Fall.‘ Er ist immer gierig und ehrgeizig, läuft die Gegenspieler selbst in der 85. Minute noch an. Das macht nicht jeder Spieler“, lobhudelte Atamimi seinen Torjäger Theo Schröder. „Er hat vor allem eine Qualität: Tore schießen. Ich bin mega stolz auf ihn“, so Atamimi über den Youngster, der immer ganz aus Glückstadt nach Eimsbüttel reist – und dort abliefert. Im Gastspiel bei BU II markierte Schröder im 16. Saison-Einsatz seine Tore 28, 29 und 30! „Deswegen ist er ja auch nächste Saison nicht mehr bei uns“, weiß Atamimi, dass für den 19-Jährigen wohl die Regionalliga ruft.

"BU hat sich hinten reingestellt und uns fehlte die Kreativität im letzten Drittel"

Allerdings war der Weg zu Schröders Hattrick steinig und beschwerlich. „Auch für uns war das sehr zäh. Das Wetter hat den Jungs auch nicht so viel Spaß gemacht“, hatte der ETV mit einem sehr tief stehenden Gegner und den Wetterkapriolen – mit zum Teil starken Windböen – zu kämpfen. „BU hat sich halt hinten reingestellt und wir waren nicht sehr kreativ im letzten Drittel, haben zu lange gebraucht. Aber am Ende hat sich die Qualität durchgesetzt“, konstatierte Atamimi, dessen Mannen nach 38 Minuten einen Handelfmeter zugesprochen bekamen. Torben Zöller blockte einen Schuss von Jeffrey Ekue Mensah wohl mit der Hand. Schröder ließ sich nicht lumpen und verwandelte ganz sicher zur Führung (39.)! BU II-Keeper Stephan Hölscher, seinen gefühlt 48-ten Rücktritt vom Rücktritt feierte, war machtlos.

"Natürlich bitter, aus einer vergleichbaren Elfmetersituation den Nackenstoß zu kassieren"

Er kann nicht ohne: Stephan Hölscher feierte sein Comeback und kehrte ins Tor von BU II zurück. Foto: Olaf Both

Die vermutlich spielentscheidende und auch bezeichnende Szene der Partie ereignete sich in der 73. Spielminute: Die Barmbeker waren gerade besser im Spiel drin, kamen zu vereinzelten Abschlüssen – und hatten die Riesenchance zum Ausgleich, als Tilman Körtzinger nach einem Freistoß von Robin Strunz noch die Fußspitze an den Ball bekam – doch Jurek Stoeck mit einem glänzenden Reflex den Einschlag verhinderte. Die Koss-Kicker setzten nach, Benjamin Arhin Baffour zog ab – der Schuss wurde mit verschränkten Armen vor dem Körper geblockt. Während die BU-Reserve lautstark und vehement einen Handelfmeter für sich reklamierte, ging es im unmittelbaren Gegenzug ganz schnell. Gianluca Scarcelli bediente Schröder – 2:0!

„Ich glaube, dass der Schiri nicht seinen glanzvollsten Tag hatte – auch in der Kommunikation war es schwierig“, so Koss über Murat Yilmaz (FC Türkiye), ehe er erklärend anfügte: „Wenn er auf einmal anfängt, mir zu sagen, dass er selbst Trainer ist, dann verstehe ich das inhaltlich nicht. Denn dann müsste er ja wissen, dass man sich über gewisse Dinge auch durchaus mal aufregt.“ Es sei „natürlich bitter, aus einer vergleichbaren Elfmetersituation den Nackenstoß zu kassieren“, haderte Koss. Wie dem auch sei. Einmal war die Lücke da – und sofort wurde BU II eiskalt erwischt.

"Finde es eher mutig, zu sagen: 'Kommt doch her!'"

Beim Elfmeter von Schröder war Hölscher (li.) absolut machtlos - obwohl er die richtige Ecke geahnt hat. Foto: Olaf Both

Fehlte – vor allem im ersten Durchgang – der letzte Mut? „Bis zur 39. Minute stand es ja 0:0. Und je länger das Spiel in diese Richtung läuft, desto mehr fängt die Mannschaft an, daran zu glauben. Ich drehe das einfach mal um. Wir haben daran geglaubt, dass die gegen uns kein Tor schießen. Und ich glaube auch nach wie vor, dass die extreme Schwierigkeiten gehabt hätten, wenn das 1:0 nicht gefallen wäre. Und da finde ich es eher mutig, sich konstant vor dem eigenen Tor zu platzieren und zu sagen: ‚Kommt doch her. Wir wissen, dass wir das wegverteidigen können.‘ Das haben wir gemacht. Wären wir höher gegangen, hätten sie die Räume genutzt. Wie beim 2:0. Wir standen hoch, waren dadurch hinten ein bisschen unsortierter – und dann fällt aus dem Umschaltmoment direkt das Tor“, entgegnete Koss.

"Alle drei Tore sind nicht aus dem Spielaufbau des ETV passiert"

Sieben Minuten vor dem Ende feierte beim ETV Jungspund Alexander Koval noch sein Herren-Debüt – und wie. Es lief bereits die Nachspielzeit, als er mit seiner Flanke dafür sorgte, dass der ansonsten ganz starke Hölscher gegen Schröder nicht allzu gut aussah. Und plötzlich lag die „Murmel“ im langen Eck (90. +1)! „Alle drei Tore sind nicht aus dem Spielaufbau des ETV passiert. Das waren ein Elfmeter, ein Umschaltmoment, wo man vielleicht über einen Elfmeter auf der anderen Seite diskutieren kann, und ein Tor, das ich mal ausklammere, weil er da für mich in den Torwart reingeht. Aber das macht den Kohl am Ende des Tages auch nicht mehr fett“, resümierte Koss.

"Ich glaube, das Ergebnis täuscht über die Art des Spiels hinweg"

Er ließ sich völlig zurecht feiern: Theo Schröder machte mit sämtlichen drei Treffern den Unterschied am Samstagnachmittag an der Dieselstraße aus. Foto: Olaf Both

„Ich ziehe wieder mal den Hut vor meinen Jungs, wie sie es geschafft haben, als Mannschaft zu agieren, füreinander Meter zu machen und dagegenzuhalten. Ich glaube, das Ergebnis täuscht über die Art des Spiels hinweg. Natürlich hatte der ETV viel den Ball. Aber das war ja auch das, was wir wollten. Und wenn ich ganz ehrlich bin, dann habe ich bis zum Tor nicht einmal die Gefahr gesehen, auch wenn sie Ansätze hatten oder mal über den Flügel durchgekommen sind, dass daraus ein Tor resultieren könnte“, lautete Koss‘ Fazit. „In der ersten Halbzeit hatten wir viele Umschaltmomente, sind die Tiefe aber nicht gut angelaufen. In der zweiten Halbzeit hatten wir auch viele Chancen. Die Jungs sollen den Kopf hochnehmen. Wenn man das mal vergleicht, wo der ETV herkommt und wo wir unseren Weg begonnen haben, dann liegt da noch eine Reise vor uns und wir werden immer besser.“

"... dann besteht immer die Gefahr, dass man sich dem Tempo anpasst"

Jubelnde und feiernde Eimsbütteler nach dem 3:0-Erfolg bei BU II. Foto: privat

Der ETV sei für ihn „eine mittelstarke Oberliga-Mannschaft. Und wenn der Tag anders läuft, dann können wir gegen solche Mannschaften bestehen und sie ärgern“, befand der BU II-Coach. Und wie machte Atamimi seine Mannen – nach der bereits feststehenden Meisterschaft – noch einmal heiß? „Die Motivation ist immer da. Es ist nur immer die Frage, wie der Gegner gegen uns agiert. Wenn der tief steht, alles blockiert und keinen Druck auf uns ausübt, besteht immer die Gefahr, dass man sich dem Tempo anpasst. Das haben wir heute gemacht. Daraus müssen wir lernen, unser Spiel durchzuziehen, schnell zu spielen, tiefe Laufwege zu haben und im letzten Drittel kreativer zu sein.“ Aber man hat ja einen Theo Schröder in seinen Reihen – noch…

HIER gibt's alle Bilder zum Spiel in der großen Galerie von Olaf Both!

Autor: Dennis Kormanjos

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