Abpfiff – Die FussiFreunde-Kolumne

Stier und BU – das absehbare Ende eines Missverständnisses

23. März 2020, 13:01 Uhr

Foto: KBS-Picture.de

In unserer Kolumne „Abpfiff“ greifen wir die wichtigsten Themen der vergangenen Woche im Hamburger Amateur-Fußball auf und kommentieren diese. Dieses Mal geht es um die Trennung zwischen dem HSV Barmbek-Uhlenhorst und seinem Noch-Trainer Marco Stier, die spätestens am Ende der aktuellen Saison vollzogen wird.

Und da sage nochmal einer, liebe Leser, dass es ohne auch nur ein einziges ausgetragenes Spiel im Hamburger Amateurfußball langweilig wird. Mitnichten! Erst stellte der FC Teutonia 05 seinem Coach Sören Titze und dessen Co-Trainer Matthias Reincke in der vorvergangenen Woche ohne ein einziges Vorzeichen jeweils den Stuhl vor die Tür und nun hat es mitten im schönen Barmbek gekracht. BU-Trainer Marco Stier bestätigte am vergangenen Donnerstag " target="">BU-Trainer Marco Stier bestätigte am vergangenen Donnerstag das Gerücht vom Vortag und tritt zum Saisonende zurück. Nicht allerdings, ohne in einem Interview mit uns jede Menge verbale Breitseiten in Richtung Verein und Vorstand abzufeuern, die dieser am Freitag exklusiv bei uns mit nur wenigen Worten retournierte.

Eines kann man Stier nicht absprechen: Er hat ein schlagfräftiges Tesm geformt, das Erfog hat

In der neuen Saison nicht mehr in Barmbek: BU-Trainer Marco Stier. Foto: Bode

Im Gegensatz zur Trainer-Trennung an der Kreuzkirche muss man bei der Betrachtung aller Dinge an der Dieselstraße zu dem Ergebnis kommen, dass dies absehbar war. Nicht der genaue Zeitpunkt, aber dass eben genau so ein sprichwörtliches Erdbeben wie in der zurückliegenden Woche einfach kommen würde. Zu impulsiv, zu ehrlich, zu geradeaus ist Marco Stier, als dass man hätte vermuten können, dass es bei BU ewig still bleiben würde. Nicht erst seit einigen Tagen hielt sich hinter den wie immer gut verschlossenen Türen das Gerücht, dass die handelnden Personen im Verein – in diesem Fall der Coach, Präsident Frank Meyer und Vorstands-Beisitzer Volker Brumm – irgendwie nicht mehr auf einer Linie waren, nicht mehr an einem Strang zogen, geschweige denn: sich noch richtig grün waren. Nun: Unterschledliche Meinungen und Ansichten beleben mitunter eine Diskussion ungemein. Nicht aber, wenn sie zu weit auseinander driften. Und genau das ist in Barmbek nun ganz offenbar passiert.

Dass Marco Stier von höheren Weihen wie denen der Regionalliga träumte – das ist nicht gänzlich unbekannt. Weil der Noch-BU-Übungsleiter selbiges nicht nur im stilllen Kämmerlein getan hat, sondern es auch nach außen gern öffentlich formuliert hat. Wer will es ihm auch verdenken, denn als Sportler sollte man nach dem höchstmöglichen erreichbaren Ziel streben und greifen. Zudem kann man über Stiers Art und Weise – er selbst bezeichnete sich einst in einem FussiFreunde-Interview als ein Typ wie Stefan Effenberg oder Gennaro Gattuso, der eben nicht gern ein Blatt vor den Mund nimmt – zwar geteilter Meinung sein, aber: Wenn man dem BU-Trainer eines nicht absprechen kann, dann dass er Erfolg hat und es geschafft hat, in Kleinstarbeit aus dem Personal, das man ihm an die Hand gab, ein mehr als gut funktionierendes Puzzle zusammengefügt zu haben. Und wo Erfolg ist, da wachsen eben Ambitionen. Das freilich ist nichts neues – und dürfte selbst den Herren Brumm und Meyer geläufig sein. Die Frage ist eben nur: Wie kompatibel ist das verständliche Erfolgsstreben eines Trainers – in dem Fall Marco Stier, der nichts anderes einforderte, als die Früchte seiner Arbeit zu ernten, wenn sie reif sind – mit den Gegebenheiten eines Vereins?        

Nachfolger-Suche: Titze? Saglam? Oder gar nicht in die Ferne schweifen und Haimerl nehmen?

BU II-Trainer Jan Haimerl – wäre er ein Kandidat für die Stier-Nachfolge? Foto: Bode

Genau hier liegt der berühmte Hund begraben: Stier und BU – das passt(e) nicht. Hüben ein Trainer, dem zurecht Gutes nicht gut genug zu sein scheint und der noch Besseres haben und erreichen will. Drüben ein Verein, der schon aufgrund seiner Geschichte, in der es – die BU-Fans werden es wissen (und wer es nicht weiß, dem sei noch einmal ein zuletzt ausgetsrahlter NDR-Beitrag ans Herz gelegt) – in der Vergangenheit schon extremste finanzielle Probleme gab, eher zur Vorsicht neigt. Ein gesunder Verein steht seitdem über allem – und es ist fraglos nicht falsch, wenn jemand als Argument anführt, was es denn bringe, auf Teufel komm' raus mit einem Verein in die Regionalliga zu streben, wenn Umfeld und Infrastruktur (noch) nicht so weit sind. Ein klassischer Fall von: Wenn der eine (Marco Stier) zu schnell etwas will, was der andere (BU) noch nicht realisieren kann oder will. Ein klassischer Fall eines Missverständnisses, dessen Ende irgendwie, irgendwo, irgendwann dann eben doch absehbar war. Eine Frage allerdings darf an dieser Stelle in Richtung der BU-Oberen erlaubt sein: Als man den jetzigen Trainer an die Dieselstraße holte, dürfte – nein: sollte – man sich bewusst gewesen sein, wen man holt und mit welchen Ambitionen derjenige kommt. Wenn die Realitäten und Ansprüche so weit auseinander liegen: Warum hat man Stier dann damals überhaupt geholt?

Apropos Frage: Nun ist es an BU, eine Antwort auf eine weitere zu finden. Auf die nämlich, wer die Stier-Nachfolge antritt. Und wann. Dass das Tischtuch zwischen den handelnden Personen so zerschnitten ist, dass im Falle eines Falles – sollte es nach Corona noch Spiele in dieser Saison geben – auch eine vorzeitige Trennung unausweichlich ist, dürfte jedem klar sein. Wen aber könnte man denn überhaupt an die Dieselstraße holen? Da wäre ein freier Kandidat wie Sören Titze, der nach seinem „Aus“ bei Teutonia deutlich machte, dass es schon ein auf mehrere Jahre angelegtes „Projekt“ sein müsse, wenn er einen neuen Verein übernimmt. Wie aber sähe das Projekt BU aus? Titze ist wie Stier einer, der nach ganz oben strebt – nur ein, zwei Nummern leiser. Was wäre mit Baris Saglam? Der hat in Meiendorf über seine gesamte Amtszeit bewiesen, dass er ein großes Netzwerk hat, Teams fordern und formen kann. Er würde fraglos gerne in Barmbek arbeiten – allein schon, weil dort die Möglichkeiten und Begebenheiten nochmal anders sind, als beim MSV. Gleichwohl: Warum sollte BU eigentlich in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah liegt? Man müsste den Blick nur auf die eigene „Zweite“ richten. Auf die Abeit von deren Coach Jan Haimerl, der es geschafft hat, die BU-Reserve aus der Bezirks- in die Landesliga zu führen, sie dort in sicheren Gewässern zu halten, eine Erfolgsserie zu schreiben und der Mannschaft einen ansehnlichen Spielstil zu verinnerlichen. Eine Haimerl-Beförderung wäre zumindest den einen oder anderen Gedankengang wert – vielleicht auch mehr... 

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