Auf Ernüchterung folgt Euphorie

Stegemann verlässt Lohkamp II – und heuert mit der gesamten Truppe beim HSV an

12. Juli 2020, 10:10 Uhr

Michael Stegemann gründet beim HSV - mit seiner ehemaligen Lohkamp-Zweiten - die neue Achte Herren. Foto: privat

„Erst kam der Aufstieg, dann die Ernüchterung!“, zieht Michael Stegemann ein durchaus gedämpftes Fazit nach einem Jahr als Trainer beim SV Krupunder-Lohkamp II – und rollt das Feld quasi von hinten auf: „Im letzten Sommer wollte der SV Lohkamp mit mir als Trainer der Zweiten Herren einen Unterbau auf die Beine stellen, der die Erste Herren in der Kreisliga unterstützen sollte. Leider fanden sich nur vier, fünf Spieler, die sich diesem Projekt anschließen wollten. Das Ganze war kurz vorm scheitern“, erinnert sich der langjährige Coach des TuS Germania Schnelsen.

Dragan Graonic hat wieder das Sagen an der Seitenlinie beim SV Krupunder-Lohkamp. Archivfoto: noveski.com

In jener Phase seien jedoch einige alte Weggefährte auf Stegemann zugekommen und klopfte an, ob man nicht (wieder) zusammen etwas aufbauen wolle. „Viele der Jungs hatten bereits Oberliga- beziehungsweise Landesliga-Erfahrung gesammelt und wollten natürlich keinen Unterbau einer Kreisliga-Mannschaft bilden.“ Die Idee, eigenständig etwas aufzuziehen und durchzustarten, trug man dann an den Ersten Vorsitzenden Andreas Schreiner heran, der jenes Szenario „für gut befand und absegnete“. Schnell habe man einen großen Kader von gut 30 Spielern zusammen gehabt und erkannte auf Anhieb die gute Qualität, die sich dann auch in den Ergebnissen widerspiegelte. Nach sieben absolvierten Partien hatte man bereits einen Toreschnitt von zehn Treffern pro Spiel. Viele Spiele wurden zweistellig gewonnen. „Die Stimmung war super und es gab überhaupt keine Probleme im Team“, so Stegemann, der anfügt: „Bei der Ersten Herren sah dies ein wenig anders aus“, ehe er etwas näher ins Detail geht: „Zwar spielte man in der Tabelle oben mit und gewann die meisten Spiele, aber der Kader war definitiv zu klein und es war auch keine Harmonie vorhanden.“

"Jede Mannschaft sollte auf eigenen Beinen stehen - sonst macht man etwas falsch"

Stegemann zieht ein ernüchterndes Fazit seiner Tätigkeit bei Lohkamp II, freut sich un aber umso mehr auf die neue Aufgabe beim HSV. Archivfoto: noveski.com

Und so wurde Stegemann „nach kurzer Zeit gefragt, oder sollte man eher sagen aufgefordert, Spieler abzustellen. Da die Spieler dies aber kategorisch ablehnten kam es zu ersten internen Spannungen“, erklärt er, betont dabei aber auch zugleich: „Der Erste Vorsitzende verhielt sich äußerst korrekt und verwies auf seine anfangs gegebene Zusage, das man keinen Unterbau bilden muss.“ Und so mutmaßt Stegemann heute mit ein wenig Abstand: „Vielleicht war es im Verein einfach die fehlende Kommunikation, die solche Dinge hätten von Anfang an klären können.“ Nachdem sich die Liga-Mannschaft im Oktober von Trainer Dragan Graonic, der inzwischen wieder das Amt innehat, trennte und interimsweise die beiden Saricoban-Brüder Hakan und Serkan das Team übernahmen, war auch die Zweite Herren „aus alter Verbundenheit bereit, bei einigen Spielen die Erste zu Unterstützen und im Gegenzug auch Unterstützung anzunehmen. Dies klappte auch ganz gut.“ Im Winter holte Lohkamp mit Turgut Ceylan einen neuen Trainer für die Liga. Die Mannschaft war aber weiter nur „mit einem Mini-Kader“ ausgestattet, so Stegemann. „Auch in der Phase hat man nochmal deutlich gemacht das ein Aushelfen, wenn es denn passt, kein Problem wäre – aber ein Spieler einfordern nicht akzeptiert wird.“ Natürlich habe es der neue Trainer nicht leicht gehabt, „aber meiner Meinung nach sollte jede Mannschaft in erster Linie auf eigenen Beinen stehen und nicht vom ersten Tag an nach Hilfe suchen, dann nämlich macht man irgendwas falsch“, beteuert der 50-Jährige. „Es ist am Ende sehr anstrengend gewesen, dass Probleme anderer zu unseren gemacht wurden. Denn bei uns lief alles super und wie man ja jetzt weiß, haben wir die Abbruch-Saison auf Platz 1 beendet, was den Aufstieg bedeutet hätte.“

"Das war ein Schlag ins Gesicht!"

Hammad Nadi war lange beim HSV III aktiv und kehrt nun zur neu gegründeten "Achten" zu den Rothosen zurück. Foto: privat

Trotz der Corona-Pause liefen die Planungen für die neue Saison in der Kreisliga bei Stegemann und seiner „Zweiten“ auf Hochtouren – und man konnte bereits erste Neuzugänge, die aus der Bezirksliga dazu kommen sollten, verpflichten. „In dieser Phase verbreitete sich dann aber das Gerücht, dass der SV Lohkamp andere Wege gehen möchte und man sich von mir als Trainer trennen wird“, erzählt Stegemann. „Auf Nachfrage beim Ersten Vorsitzenden wurde dies jedoch verneint. Somit liefen die Planungen ganz normal weiter.“ Zumindest vorerst. Denn: „Einige Wochen später gab es ein erneutes Gespräch mit dem Vorstand und da kam der Paukenschlag: Die Arbeit würde nicht fortgeführt werden dürfen und man beende die Zusammenarbeit mit mir. Das war ein Schlag ins Gesicht“, gesteht Stegemann. „Eine so erfolgreiche Arbeit und Truppe war auf einen Schlag zerstört. Der Verein wollte in Zukunft einen anderen Weg gehen, mit einer Truppe als Unterbau, den meine Jungs nicht gehen wollten.“ Schnell machte die Runde, dass der Verein „kaum noch Spieler im Kader der Ersten hat und man Jungs aus der Zweiten im Verein beziehungsweise in der Ersten Herren unterbringen wolle. Hierzu wurde dann auch schließlich ein alter/neuer Trainer präsentiert, der dieses Schiff schaukeln soll.“ Dass dies nicht nur ein Gerücht gewesen sei, würden die vielen Abgänge bei der Ersten Herren und die Anfragen bei Spielern der Zweiten Herren verdeutlichen, unterstreicht Stegemann. Und so zieht er ein ernüchterndes Fazit: „Am Ende ist es schon enttäuschend, nicht die Ernte des Erfolges in der neuen Saison einfahren zu dürfen. Ich persönlich glaube nicht daran, dass der SV Lohkamp in der Zukunft nochmal zwei so gute und ambitionierte Teams haben wird. Trotzdem wünsche ich dem Verein viel Erfolg für die Zukunft.“

"Alle waren sich einig, dass wir zusammenbleiben"

Auch "Mo" Burtakucin (li.) kehrt von Lohkamp II an seine ehemalige Wirkungsstätte zurück. Foto: KBS-Picture.de

Doch wie heißt es so schön: „Wenn ein altes Kapitel endet, dann beginnt meist ein neues.“ Nach diesem Motto habe er sich mit der Truppe zusammengesetzt und man hatte die Wahl: „Entweder die Mannschaft zerfällt oder man startet gemeinsam woanders neu durch.“ Sofort wären sich alle einig gewesen, „dass man zusammenbleiben möchte. Selbst die Neuzugänge, die zum Teil noch nie mit der Mannschaft trainiert haben, waren auf Anhieb dabei.“ Nachdem die Entscheidung einvernehmlich getroffen wurde, habe es daraufhin „einige Möglichkeiten und Vereine, die zur Auswahl standen, gegeben. Selbst ein Platz in der Bezirksliga stand zur Verfügung – aber für die Jungs war nicht die Spielklasse entscheidend, sondern das Gesamtpaket“, erklärt Stegemann. „Durch alte Kontakte und meine frühere Tätigkeit als Jugendtrainer beim Hamburger SV war auch das eine Option. Und da einige der Jungs aus der Truppe vor zwei, drei Jahren noch beim HSV III aktiv waren, wurde schnell klar, dass es einfach passt.“

Stegemann bildet mit "neuformierter" Truppe die Achte Herren beim HSV

Gleiches gilt für Abwehrhüne Pedram Rostami (li.), der den Weg zum HSV VIII mit antreten wird. Abgerundet wird das Ehemaligen-Quartett von Keeper Neim Ameti. Archivfoto: noveski.com

Bedeutet: Stegemann heuert mit seiner nun ehemaligen Lohkamp-Zweiten beim HSV an, muss allerdings ganz unten starten. Denn: Bei den „Rothosen“ wird man die neuformierte Achte Herren bilden. „Klar ist die Kreisklasse B die unterste Spielklasse, aber alles andere überwiegt einfach. Ich denke schon, dass wir – egal in welche Staffel wir kommen – der haushohe Favorit sein werden und alles andere als die Meisterschaft zählt für uns auch nicht“, macht Stegemann überhaupt keinen Hehl aus den Ambitionen. „Bemerkenswert ist, dass auch jetzt nach dem Wechsel zum Hamburger SV Spieler aus der Bezirksliga zu uns stoßen. Das zeichnet diese Truppe einfach aus: Dieser Zusammenhalt, diese Gemeinschaft, das ganze Drum und Dran – das findet man in dieser Form nicht oft.“ Denn: „Seien wir doch mal ehrlich: Welcher Spieler geht schon freiwillig in die KKB, wenn er Anfragen aus der Landes- und/oder Oberliga hat?!“ Neben den bereits zu Lohkamp-Zeiten verkündeten Transfers von Hasan Mike und Alexander Keck, jahrelang Führungsspieler beim 1. FC Quickborn, werden auch Daniel Schneider und Steffen Puzycha vom West-Bezirksligisten zum Team von Stegemann stoßen. Insgesamt 23 Akteure treten den Weg mit zum HSV an. Dementsprechend stolz sei er auf seine Jungs, „dass wir gemeinsam den Weg der Truppe weitergehen und ich sozusagen zu meinen Anfängen als Trainer zurückkehre. Die Mannschaft und ich freuen uns auf das was kommt und werden auch die Kreisklasse B so angehen, als wäre es mindestens die Bezirksliga“, beteuert Stegemann abschließend.

Autor: Dennis Kormanjos

Kommentieren