15.03.2017

Sportlich spitze – aber: Wackers Erfolgsgespann macht Schluss!

Kreutzer/Acar verlassen den Hansa-„Leader“

Am Saisonende ist Schicht im Schacht: Dennis Kreutzer (li.) und Gökhan Acar kehren V/W nach der Saison den Rücken. Foto: noveski.com

„Es könnte alles so einfach sein, ist es aber nicht“, heißt es in einem Song der „Fantastischen Vier“. Die deutsche Hip-Hop-Band und Landesligist SC Vorwärts-Wacker Billstedt 04 haben aber noch viel mehr als diese eine Text-Passage gemeinsam. Während das musikalische Quartett mittlerweile seit 21 Jahren die deutsche Szene mit seinen Werken bereichert, sind Dennis Kreutzer und Gökhan Acar auch schon so etwas wie „Urgesteine“. Nicht bei den „Fantas“, sondern bei Vorwärts-Wacker. Erst war das Duo als Spieler für die Billstedter aktiv – Kreutzer sogar insgesamt achteinhalb Jahre und lange als Kapitän –, seit 2014 fungieren beide als Trainergespann. Und das äußerst erfolgreich: Aktuell thront V/W an der Tabellenspitze der Hansa-Staffel!

Eigentlich müsste also Friede, Freude, Eierkuchen am Öjendorfer Weg herrschen. Womit wir wieder beim entscheidenden Punkt wären: „Es könnte alles so einfach sein, ist es aber nicht!“ Denn: Wo in der augenblicklichen Situation bei anderen Vereinen zweigleisig geplant und alles dafür getan wird, einerseits ein erfolgreich arbeitendes Trainerteam zu halten sowie andererseits den Sprung in Hamburgs Fußball-Beletage zu realisieren, scheint in Billstedt ein anderer Weg eingeschlagen zu werden. Ein Weg, den Kreutzer/Acar nach dieser Saison nicht mehr mitgehen werden. Das „Erfolgsgespann“ hört nach dieser – bisher überaus erfolgreichen – Spielzeit am Öjendorfer Weg auf! „Es ist richtig, dass wir dem Verein mitgeteilt haben, dass wir zur kommenden Saison nicht mehr zur Verfügung stehen werden“, lässt uns das Duo auf Nachfrage wissen. „Wir sind mit uns und dem Verein im Reinen, es gibt keine schmutzige Wäsche zu waschen“, fügt Kreutzer an. Und tatsächlich: Während des Gesprächs fällt keinerlei böses Wort in Richtung Klub oder Verantwortliche.

„Wenn wir aufhören, wird’s auch Gründe dafür geben...“

Achteinhalb Jahre lang schnürte er seine Buffer für Wacker, seit 2014 schwang er das Zepter: Dennis Kreutzer. Foto: noveski.com

Stellt sich also die Frage: Was sind die Gründe für den Abschied? Nach unseren Informationen will der Verein den Etat zur kommenden Saison kürzen. Ein Schritt, der zu jenem Zeitpunkt für Außenstehende nur schwer nachzuvollziehen ist – schließlich befindet sich der Klub auf dem allerbesten Weg zurück in Hamburgs Fußball-Hochburg. „Wir sind vor zweieinhalb Jahren mit dem klaren Ziel angefangen, Vorwärts-Wacker kurzfristig in die Oberliga zu führen und dort zu etablieren. In diesen Jahren haben wir so viel Leidenschaft, Herzblut und vor allem Zeit investiert und neben der Trainer-Tätigkeit auch noch so viele weitere Aufgaben übernommen, dass es ein echter Kraftakt war, die Truppe dorthin zu führen, wo sie jetzt steht – wohlgemerkt mit sehr geringen Mitteln. Die Jungs, die wir in dieser Zeit dazu geholt haben, sind alle nicht wegen des Geldes gekommen, sondern aufgrund unserer Überzeugungsarbeit. Kurz und knapp kann man sagen: Wenn wir hier aufhören, wird’s auch Gründe dafür geben...“

„Wir werden bis zum Schluss Vollgas geben!“

Am Dienstagabend wurde die Mannschaft vom Vorstand und dem Trainerteam über den Stand der Dinge informiert. „Einen guten Zeitpunkt gibt es bei so einer Sache nie, andersherum wollten wir immer ehrlich sein. Die Spieler fragen sich ja auch, warum hat noch keiner mit uns gesprochen, obwohl wir schon im März sind?“ Kreutzer selbst ist mit Billstedt als Spieler zweimal in die Oberliga aufgestiegen. Beide Male ging es direkt wieder runter. Der 36-Jährige weiß also um die Gefahren, die ein Aufstieg mit sich bringen könnte und im Falle von Wacker wohl auch mit sich bringen würde. Insbesondere dann, wenn es tatsächlich zu einer Etatkürzung kommen sollte. „Wir hätten uns breiter aufstellen müssen – und das auch qualitativ. Wenn nicht, dann kann so etwas eine Mannschaft auch kaputtmachen und ihr einen herben Knacks geben“, erklärt Kreutzer, der zusammen mit Acar und dem Team bis zum Schluss alles Menschenmögliche rausholen möchte. „Jeder, der uns kennt, der weiß: Wir werden bis zum Ende Vollgas geben! Neun Spiele stehen noch aus, die für uns natürlich sehr wichtig sind. Schließlich stehen wir nicht umsonst da, wo wir stehen. Wir möchten als Trainerteam bestmöglich abtreten – und das wäre in diesem Fall die Meisterschaft. Außerdem wäre es armselig, wenn wir uns jetzt hängen lassen würden. Allerdings weiß man nie, was so eine Entscheidung für Auswirkungen haben kann. Dennoch sind die Jungs so charakterstark, dass auch sie in dieser Situation das Maximum herausholen wollen.“

„Konnte nicht gut schlafen und bin traurig“

Auch Gökhan Acar spielte insgesamt sechs Jahre für Billstedt. Seit seinem Karriereende bildet er mit Dennis Kreutzer ein kongeniales Trainerduo. Foto: noveski.com

Die Mannschaft, die das Trainer-Gespann zusammengestellt und geformt hat, reagierte dementsprechend ernüchtert, als sie von der Nachricht erfuhr. „Ich habe bis in die Nacht noch Nachrichten von Spielern bekommen…“, so Kreutzer, der anfügt: „Wir kennen vom Alt-Herren- bis zu den Jugendspielern jede Person in diesem Verein. Es ist auch ein Stadtteil, der da drin steckt. Wir sind hier aufgewachsen und zur Schule gegangen. Dementsprechend kann man sich vorstellen, dass ich die Nacht nicht gut schlafen konnte und natürlich tief traurig darüber bin, dass es so kommen wird. Aber es ist nur konsequent, wir machen keine halben Sachen.“ Dass mit dem Abschied der beiden Trainer auch die Mannschaft weitestgehend auseinanderfallen könnte, scheint sehr wahrscheinlich zu sein. Denn viele der Akteure wechselten nur aufgrund der guten Beziehung zu Kreutzer/Acar nach Billstedt. „Ob die Mannschaft so zusammenbleibt, kann ich nicht beurteilen. Das liegt einzig und allein in den Händen des Vereins. Es ist jedenfalls eine Truppe, die jahrelang hätte zusammenspielen können. Das haben wir immer wieder gesagt. Es ist ein richtig guter Kern vorhanden und viele junge, sehr talentierte Spieler. Deshalb macht es mich umso trauriger und tut auch weh, da es für mich eben nicht irgendeine, sondern eine besondere Aufgabe war. “ Und eine überaus erfolgreiche zugleich. Kreutzer/Acar leiteten einen Umbruch ein und formten aus einer Mannschaft, die zum damaligen Zeitpunkt ein wenig das „Graue-Maus-Image“ inne hatte, binnen kürzester Zeit eine Equipe, die für Spektakel stand. Jetzt, wo man den Gipfel fast erklommen hat und kurz davor ist, das zu erreichen, was von Anfang an das angestrebte Ziel war, ist jedoch Schluss. Und das, weil der Verein scheinbar andere Gedankenspiele hat – und Kreutzer/Acar nur eines gewollt hätten: eine Perspektive. Das Duo wollte bei einem etwaigen Aufstieg kein Kanonenfutter in der Oberliga sein und am Ende einen Scherbenhaufen hinterlassen…

Autor: Dennis Kormanjos

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