Landesliga 02

Spielabbruch nach Buck-Schock: „Wir haben das bis heute nicht realisiert und verkraftet“

04. Oktober 2021, 18:42 Uhr

In der 53. Spielminute nahm das Unheil seinen Lauf: Der bis dahin überragende Jonas Buck erlitt nach einem Foulspiel einen Schienbeinbruch. Foto: Bode

Es hätte sein großer Nachmittag werden können – letztendlich endete dieser in einem Alptraum: Mit zwei Toren drückte ein alles überragender Jonas Buck dem Spiel zwischen seinem SV Altengamme und dem ASV Hamburg deutlich den Stempel auf. „Wir haben ein mega Spiel gemacht, hatten alles im Griff“, sah SVA-Ligamanager Philipp Mohr einen starken Auftritt seiner Schützlinge, bis die Gäste mit ihrem gefühlt ersten Torschuss auf 1:2 verkürzten. Und wie. Aus gut und gerne 30 Metern ließ Ahmad Daoud Raji ein mächtiges Pfund ab, das genau im Knick einschlug. „Da hat kein Blatt mehr zwischen Latte und Ball gepasst“, musste auch Mohr anerkennen.

Seine Qualitäten zeigte Buck auch schon in der Oberliga beim SVCN. Beim SVA ist er ein absoluter Unterschiedsspieler. Foto: Bode

Nach einem „wilden Auftakt“ in die zweiten 45 Minuten – erst verpasste der ASV den Ausgleich, dann vergab Altengamme die große Doppelchance zum 3:1 – folgte die Szene, die für blankes Entsetzen sorgte. „Der Schock sitzt immer noch tief. Und ich glaube, wir alle haben das bis heute noch realisiert und verkraftet“, gesteht Mohr – und spricht damit auf ein Einsteigen von Tammim Yousofzai gegen Jonas Buck an. Der bis dato beste Mann auf dem Platz sank schreiend zu Boden. „Der Zweikampf war sehr hart geführt. Ich hatte mit Tammim auch nochmal Kontakt und bin mir relativ sicher, dass er keinesfalls die Absicht hatte, ihn so schwer zu verletzen.“

"Bei uns war keiner mehr dazu in der Lage, weiter Fußball zu spielen"

Denn: Buck erlitt bei jenem Foulspiel einen Schienbeinbruch und wurde am Sonntag im Krankenhaus Boberg operiert. „Man hat es knallen und knacken hören. Ich dachte im ersten Moment, vielleicht war es einfach nur Schienbeinschoner an Schienbeinschoner“, sollten sich Mohrs Hoffnungen nicht bewahrheiten. „Wir hatten großes Glück, dass Ersthelfer vor Ort waren“, die sich sofort um Buck kümmerten – darunter Tim Stegmann, der bei der Berufsfeuerwehr tätig ist, und dessen Schwester. „Auch die Rettungskräfte waren schnell vor Ort.“ Beinahe zeitgleich landete der Notarzt mit dem Hubschrauber auf dem Platz. „Wir haben die Jungs direkt in die Kabine geschickt“, verrät Mohr nun.

Eine knappe Dreiviertelstunde war die Partie unterbrochen, ehe der endgültige und logische Abbruch folgte. „Bei uns war keiner mehr dazu in der Lage, weiter Fußball zu spielen“, so Mohr, der von einem „ein Stück weit rationalen, aber trotzdem sehr emotionalen Moment in der Kabine“ sprach. „Die Jungs waren kreidebleich. Der eine oder andere Spieler hatte Schwierigkeiten, was zu sagen.“ Fakt war: „Die Jungs konntest du nicht mehr rausschicken.“

"Er ist ein Rundumpaket, was man in dieser Form kein zweites Mal hat"

Auch bei Altengammes Ligamanager Philipp Mohr (li.) sitzt der Schock noch immer sehr tief. Foto: Bode

Der Ausfall von Buck trifft die stark in die Saison gestarteten „Deichkicker“ hart. Sehr hart sogar. „Das wird nicht Auswirkungen auf die nächsten Wochen, sondern auf die komplette Saison haben“, glaubt Mohr. Denn: „Es ist ja kein Geheimnis, dass ‚Joni‘ bei uns ein Spieler ist, den man nicht mal eben so ersetzen kann. Jeder Ausfall ist absolut bitter und tut natürlich auch weh – aber seiner schmerzt ganz besonders.“ Vor allem, weil Buck nicht nur ein absoluter Unterschiedsspieler, sondern ein echtes „Rundumpaket mit seinen sportlichen Fähigkeiten und Qualitäten, das man in dieser Form kein zweites Mal hat“, ist.

"Es wird ein fast unmögliches Stück Arbeit, diese Lücke zu schließen"

Hinzu kommt, „dass er uns vom Charakter und der menschlichen Seite fehlen wird – auf und abseits des Platzes. Er hat sich die letzten Jahre enorm entwickelt, ist zu einer echten Führungspersönlichkeit gereift. Er geht voran und versucht, Verantwortung zu übernehmen. ‚Joni‘ war die letzten Wochen der überragende Mann bei uns. Von daher werden wir ihn sowohl menschlich als auch sportlich schmerzlich vermissen!“ Mohr setzt nun auf den gewohnt starken Zusammenhalt am Gammer Weg. Ganz nach dem Motto: Alle für „Joni“! „Es ist die Chance für andere Jungs, in diese Lücke reinzurutschen.“ Wenngleich auch der Ligamanager weiß: „Es wird ein hartes und fast unmögliches Stück Arbeit, diese Lücke zu schließen.“

"Ich bin natürlich sehr traurig und enttäuscht, aber gleichzeitig auch dankbar"

Beim "Dorfclub" sind sich Buck (Mi.) und auch Mohr (re.) nie für ein Späßchen zu schade. Foto: Bode

Buck selbst geht es inzwischen „den Umständen entsprechend“, wie er uns aus dem Krankenbett mitteilt. „Ich bin natürlich sehr traurig und enttäuscht, dass es passiert ist. Aber gleichzeitig auch dankbar für all die Nachrichten, die mich von allen Seiten erreicht haben.“ Und Jonas Buck wäre nicht Jonas Buck, wenn er nicht schon wieder zu Späßen aufgelegt wäre – selbst in solch einer Situation: „Ich wurde gestern operiert und heute von der Physiotherapeutin schon wieder gezwungen, aufzustehen und das Bein normal zu belasten. Es geht also bergauf“, scherzt er – und ist insbesondere seinem Mitspieler Tim Stegmann und dessen Schwester dankbar für die Erstversorgung. „Sie haben mir Mut zugeredet und versucht, mich zu beruhigen, während sie nebenbei noch Notarzt und Feuerwehr gerufen haben.“

Von dieser Stelle bleibt nur, Jonas Buck alles erdenklich Gute und einen schnellstmöglichen Genesungsverlauf zu wünschen!

Autor: Dennis Kormanjos

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