18.05.2019

Spiel verloren, Meisterschaft gewonnen: Bramfeld kehrt in die Oberliga zurück!

HUFC verdrängt Lohbrügge, Bramfeld feiert und dankt Rahlstedt

Geschafft! Spieler und Verantwortliche des Bramfelder SV feiern die Landesliga-Meisterschaft und die damit verbundene Oberliga-Rückkehr. Glückwunsch! Foto: Kormanjos

Als der Schlusspfiff an der Ellernreihe ertönte (alle Highlights im LIVE-Ticker), war nicht nur Carsten Henning im ersten Augenblick „ein bisschen betrübt“, wie er anschließend gestand. „Wir haben uns das etwas anders vorgestellt“, führte er aus. Während Mirko Schulz, der zusammen mit Henning die Geschicke beim Bramfelder SV leitet, in alten und eher negativ behafteten Erinnerungen schwelgte: „Wir sind schon mal ganz tragisch und bitter gescheitert“, blickte er auf das Aufstiegsfinale vor zwei Jahren zurück, als der BSV – damals noch mit Henning in der Startelf und als Torschütze – in der Nachspielzeit gegen den TSV Sasel den Knockout zum 2:3 verpasst bekam und am Ende den Sprung zurück ins hamburger Oberhaus verpasste.

Nach dem Schlusspfiff herrschte beim BSV zunächst große Ernüchterung. Foto: Kormanjos

Ganz so weit wollte man in Bramfeld aber nicht denken. Zu komfortabel war der Vorsprung auf den Verfolger aus Lohbrügge. Und als so langsam durchsickerte, dass sich die Equipe vom Binnenfeldredder beim abstiegsgefährdeten Rahlstedter SC – die Partie wurde eine halbe Stunde später angepfiffen – enorm schwer tat, begann nach der 1:3-Pleite des BSV im Hansa-Spitzenspiel gegen Hamm United die Zeit des Wartens. „Ehrlich gesagt“, so Henning, „habe ich mich nur mit unserem Spiel befasst. Man hat ja gespürt, dass nicht alles rund lief“, hielt der eine Part des BSV-Trainerduos nette Pläuschen, während an der Scharbeutzer Straße die letzten Minuten runter tickten. Als schließlich die Nachricht, dass Lohbrügge tatsächlich mit 0:2 verlor, die Runde machte, brandete vor der Kabine des Hansa-Spitzenreiters unbändiger Jubel auf. Titel und Oberliga-Aufstieg waren perfekt! „Die Erleichterung ist natürlich riesengroß, dass es jetzt doch so gekommen ist, dass wir trotz einer Niederlage Meister geworden sind“, strahlte Henning.

„Ein Dank an Rahlstedt“

Als die Lohbrügger Niederlage durchsickerte, wurden die vorbereiteten Meistershirts rausgekramt. Foto: Kormanjos

„Noch kann man das gar nicht so richtig realisieren“, konstatierte Schulz – und fügte an: „Natürlich bedeutet einem das viel – vor allem, weil ich jetzt auch schon ein paar Tage dabei bin.“ Genauer gesagt ist der 36-Jährige mit einer zweieinhalbjährigen Unterbrechung (Concordia/Oststeinbek) nun schon seit 2005 beim BSV zu Hause – erst als Spieler, inzwischen als Trainer. Dass lange Bibbern nach dem Spiel hätte er sich aber gerne geschenkt: „Mit einem Punktgewinn wäre es sicherlich schöner gewesen, weil man dann direkt nach dem Schlusspfiff die Sektkorken hätte knallen lassen können.“ So aber musste man auf den Lohbrügger Ausrutscher warten. „Von dieser Stelle nochmal ein Dank an Rahlstedt“, wusste Schulz genau, wem die Lorbeeren gebührten. Denn seinen Akteuren gelang vor circa 250 Zuschauern über die 90 Minuten nicht viel. Daran änderte auch das zwischenzeitliche 1:2 nichts, als Milos Ljubisavljevic eine Stafette über Kevin Mellmann und Lennard Bahn, dessen Hereingabe Robin Polzin clever passieren ließ, abschloss (43.) und sein Team wachküsste. Zwar hatte Polzin nach der Pause das 2:2 auf dem Fuß (53.) – doch insgesamt war der Tabellendritte die bessere Mannschaft.

„Das war eine sehr gute, wenn nicht gar die beste Saisonleistung!“

Nummer eins! Das Bramfelder Erfolgs-Gespann: Mirko Schulz (li.) und Carsten Henning. Foto: Kormanjos

Mit einem Doppelpack schockte Routinier Stephan Rahn, musste die Woche über krankheitsbedingt kürzer treten, die Hausherren früh. Erst traf der „Captain“ des HUFC staubtrocken per 15-Meter-Schuss ins rechte untere Toreck (10.), ehe er einen von Bramfeld-Fänger Sascha Kleinschmidt an Florian Klein verursachten Strafstoß ganz sicher verwandelte (19.). Der Gefoulte war es dann auch, der seine famose Leistung im zweiten Durchgang mit dem „Tor des Tages“ krönte. Nachdem ein Kopfball von Nick Mohr am „Hammer“ Quergestänge hängenblieb, eroberte Klein tief in der eigenen Hälfte gegen Marcel Perz den Ball, marschierte schnurstracks über das gesamte Feld und schloss dann auch noch ganz cool und abgezockt vor Kleinschmidt zum 3:1 ab (78.). Ein fulminantes Solo – und ein schlussendlich „hochverdienter Sieg“, wie auch Hamm-Coach Sidnei Marschall, der als Aktiver auf eine lange Bramfelder Vergangenheit zurückblicken kann, befand. Und weiter: „Das war eine sehr gute, wenn nicht gar die beste Saisonleistung!“ Insbesondere vor dem Hintergrund, dass der BSV zuletzt in 22 Heimspielen nacheinander ungeschlagen blieb. „Das war unser heutiges Ziel – wir wollten hier gewinnen“, gab Marschall, der kurz vor Anpfiff noch die Hiobsbotschaft bekam, dass der angeschlagene Alessandro Schirosi nicht spielen kann, die Marschroute vor.

„Wenn du die ganze Saison da oben stehst, willst du das auch wahrnehmen“

Lars Lüdemann (vo.) verabschiedete sich vom BSV auf seine (artistische) Weise... Foto: Kormanjos

Durch den Sieg sind die „Geächteten“ im Kampf um die Vize-Meisterschaft wieder an Lohbrügge vorbeigezogen. „Egal wie die Saison zu Ende geht, wir spielen eine Bomben-Serie. Und ob wir dann am Ende Erster, Zweiter oder Dritter werden, ist relativ egal. Ich bin stolz auf meine Mannschaft“, so Marschall, der aber auch zugab: „Es kam ja auch immer die Frage auf: Wollt ihr oder wollt ihr nicht aufsteigen? Wenn du die ganze Saison über da oben stehst, dann willst du das als Trainer und als Verein natürlich auch wahrnehmen. Wenn‘s am Ende nicht reicht, dann ist es schade. Es hätte ja keiner was gesagt, wenn wir nach der Hinrunde Fünfter gewesen und am Ende Dritter geworden wären. Deshalb war es schon ein bisschen traurig, dass wir von den letzten neun Spielen vier verloren haben. Das kenne ich von meiner Mannschaft nicht. Aber auch das ist ein Lernprozess. Man hat heute gesehen, dass die Mannschaft absolut intakt ist und Typen hat, die Weltklasse sind“, huldigte Marschall seine Jungs. „Es soll jetzt nicht arrogant klingen, aber spielerisch sind wir mit eine der besten Mannschaften dieser Liga.“

„Auch wenn es Phasen gab, wo man uns einreden wollte, dass wir nicht aufsteigen wollen...“

Der eine „duscht“ den anderen - Carsten Henning (li.) mit der Bierdusche für Mirko Schulz. Foto: Kormanjos

Ganz oben steht allerdings der Bramfelder SV – und ist damit auch zurück in der Hamburger Fußball-Beletage. „Mirko und ich sind stolz auf die Mannschaft, was sie die gesamte Saison über geleistet hat und wie sie unsere Ideen angenommen und umgesetzt hat. Dass wir in jedem Training eine Beteiligung von 95 Prozent haben, das sagt schon sehr viel über das Team aus“, resümierte Henning. „Auch wenn es Phasen gegeben hat, wo man uns einreden wollte, dass wir gar nicht aufsteigen wollen, haben wir es trotzdem durch viel Kommunikation geschafft, die Mannschaft auf einen richtigen Weg bringen, um heute die Meisterschaft zu feiern. Das ist schon toll.“ Sein Pendant trat in dieselbe Kerbe: „Ich freue mich tierisch! Es war ein unfassbares Jahr. Die Mannschaft hat voll mitgezogen und versucht, all das, was wir gefordert haben, umzusetzen. Natürlich gibt es auch mal einen Tiefschlag – aber zum Glück hatten wir nicht so viele davon“, beschloss Schulz sein Statement – und musste sich dann zusammen mit Carsten Henning sputen, um der obligatorischen Meisterdusche zu entkommen. Doch daraus wurde nichts…


Autor: Dennis Kormanjos

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