09.08.2018

Sözen: „Ich kann keine Garantie dafür abgeben, dass wir die Saison beenden“

Präsident des FC Bergedorf 85 nach dem Nichtantritt im Interview

Foto: KBS-Picture.de

Nach der 1:9-Packung im Pokal gegen den SV Börnsen bekam der FC Bergedorf 85 auch in den ersten beiden Liga-Spielen das Fell über die Ohren gezogen. Erst kassierte der Landesliga-Absteiger eine 0:7-Schlappe, erneut gegen Börnsen, dann hagelte es eine 0:14-Klatsche gegen den SC Eilbek. Die Situation ist derart angespannt und prekär, dass die "Elstern" am kommenden Freitag nicht beim Oststeinbeker SV antreten können! Präsident Ali-Osman Sözen spricht mit uns im Interview über die Gründe, die aktuelle Situation, den "Rivalen" ASV Bergedorf und inwieweit eine Abmeldung ein Thema an den Sander Tannen ist.

Warum könnt ihr morgen gegen Oststeinbek nicht antreten?

Ali-Osman Sözen: „Weil viele noch im Urlaub sind und wir nicht die notwendige Anzahl an Spieler haben. Das Problem ist, dass einige Spieler, die aus Escheburg zu uns gewechselt sind, noch bis zum 12.8. gesperrt sind. Ab da haben wir dann wieder sechs, sieben Leute mehr zur Verfügung.“

Eine blöde Situation für euch als Verein…

Sözen: „Ja, aber es gibt Schlimmeres im Leben.“

Nun kommen natürlich gleich wieder die Gerüchte auf, dass der FC Bergedorf 85 die Saison nicht beenden kann und wird. Kannst du garantieren, dass ihr die Saison in jedem Fall zu Ende spielen werdet?

Sözen: „Eine Garantie gibt es nur für den Tod. Deshalb kann man so eine Aussage nicht von mir erwarten. Ich kann das nicht garantieren. Man weiß doch nie, was passiert.“

Wie gefährlich ist denn die aktuelle Situation – oder anders gefragt: Beschäftigt man sich intern schon damit, ob es weitergeht oder nicht?

Sözen: „Durchaus, ja.“

Habt ihr euch denn ein Zeitfenster gesetzt, bis wann eine Entscheidung fallen soll?

Sözen: „Ich kann dazu nur sagen, dass wir unser Bestes geben.“

Als du den Verein übernommen hast, hättest du dir zum damaligen Zeitpunkt gedacht, wie schwer die Aufgabe tatsächlich werden würde?

Sözen: „Schwer ist was anderes. Man muss nur Prioritäten setzen und nicht alles mitmachen. Das ist mein Motto. Man darf sich nicht alles gefallen lassen. Natürlich hätten wir die Landesliga gerne gehalten. Man hat ja mitbekommen, was für Investitionen wir im Winter getätigt haben – und obwohl wir einige Kaliber dabei hatten, hat es nicht gereicht. Wo das geendet ist und was es gekostet hat, das muss man sich nicht geben! Wir haben eine sehr gute Jugendabteilung – und ich sehe es nicht ein, dass gewisse Mittel aus der Jugend genommen werden sollen, um andere Löcher zu stopfen. Nächstes Jahr kommt eine A-Jugend-Landesliga hoch und die Jungs aus Escheburg sind jetzt auch da. Das sind zum Teil Führungsleute mit Charakter, die sich mit dem Verein identifizieren. Nun wird man sich das ganze Jahr mal anschauen und alles andere hat keinen Sinn. Viele Leute sind heutzutage nur noch Söldner. Einige Sachen waren unglücklich, andere hätten nicht so sein sollen und dürfen. Aber das sind alte Kamellen, die ich nicht wieder hervorholen möchte.“

Kann man denn sagen, dass der aktuelle Fokus mehr auf der Jugend liegt und ihr ein noch größeres Augenmerk darauf legt, als auf den Liga-Fußball?

Sözen: „Das kann man so sagen, ja. Wir haben eine sehr gute Jugendarbeit und da wird in Zukunft auch die Priorität liegen. Denn wenn man es schafft, jedes Jahr kontinuierlich eine Mannschaft in den Herrenbereich zu bringen, dann fällt da auch für eine Erste Herren etwas ab. Zumal das dann auch Jungs sind, die man vielleicht schon acht Jahre im Verein hat und die eine ganz andere Bindung zum Club haben, als Leute, die nur fürs Geld kommen.“

Ist es nicht gerade dafür wichtig, dass die Liga-Mannschaft weiter an den Start geht?

Sözen: „Das war ja eigentlich auch unsere Absicht in der Landesliga. Unsere Idee war, dass wir die Landesliga unbedingt halten wollten, weil wir bereits viele Spieler aus dem Jugendbereich, einige aus der A-Regionalliga, in der Hinterhand hatten. Das wäre die weitere Philosophie gewesen, mit Spielern aus der A-Jugend weiterzuarbeiten. Denn es gibt vielleicht eine Handvoll Spieler, die den Sprung nach oben schaffen. Bei einem Landesligisten hat ein solcher Spieler eine realistische Chance, zu spielen, anstatt in der Oberliga, wo er eventuell nur auf der Bank sitzt und irgendwann vom Fußball die Schnauze voll hat. Die Landesliga ist eine gute Ebene, wo man seine Stärken zeigen kann und wenn man gut genug ist, dann wird man auch weiter vorankommen und hat bereits eine Visitenkarte abgegeben. Das war unser Gedanke, aber leider hat es nicht geklappt.“

Abschließend: Nun steht ja auch immer wieder eine mögliche Fusion mit dem ASV Bergedorf im Raum. Ist das völlig ausgeschlossen?

Sözen: „Ich weiß nicht, wie man immer wieder darauf kommt. Ich bin weder mit denen verfeindet noch will ich mit denen in eine Kiste springen. Wir haben gerade erst mit dem ASV über das Thema ‚Platzvergabe und Zeiten‘ gesprochen – und da wollen wir uns demnächst nochmal zusammensetzen. Aber ich weiß nicht, wer diesen Film einer Fusion vorantreibt, das wird definitiv nicht der Fall sein!“

Autor: Dennis Kormanjos

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