01.12.2018

„So wie jetzt geht’s nicht weiter“: Kaum Spieler, kein Training und die nächste Inter-Pleite

Katik-Kicker unterliegen RSC mit 1:4 – Coach muss Torwart als Feldspieler einsetzen

Bei Inter-Coach Erdal Katik machte sich nach der Niederlage ein Anflug von Resignation breit. Foto: Bode

Eines ist sicher: Erdal Katik hinterließ nach dem Spiel nicht den Eindruck, als sei er gerade der glücklichste Mensch auf dem Kunstrasenplatz ander Snitgerreihe. Der Coach von Inter 2000 klang mitgenommen, emotional angefressen. Das aber war auch kein Wunder: Seine Mannschaft hatte in der Landesliga Hansa gerade eine 1:4-Niederlage gegen den Rahlstedter SC hinnehmen müssen. Für den RSC „ganz wichtige drei Punkte, um mit einem guten Gefühl in die Winterpause zu gehen“, wie Coach Bastian Warning befand. Bei seinem Widerpart sah das ganz anders aus: Inter-Trainer Katik war bedient.

„Ich hab' schon vorher gedacht: Das kann nur schiefgehen“, bekannte Inters Übungsleiter nach der Begegnung und lieferte die Erklärung gleich nach: „Ich hatte wieder nur elf Feldspieler zur Verfügung und keine richtige Alternative auf der Bank. Wir haben in der Woche vor dem Spiel wieder nicht trainieren können. In den Wochen davor auch kaum“ erklärte Katik, der zur Pause Feldspieler Tufan Asan durch Keeper Ibrahim Senol ersetzte und den bisherigen Torwart Emre Palteki als Feldspieler weitermachen ließ, und kam zu der Schlussfolgerung: „Die Luft ist einfach raus.“ Damit hatte er treffend auch die Ursache für die Niederlage auf den Punkt gebracht. „Wenn ich noch mehr Gründe nennen soll, dann würde ich morgen früh noch reden“, konstatierte der Coach.

Warning: „Wir hätten auch die doppelte Menge an Treffern erzielen können“

Augen zu und durch: Yannick Hess erzielte einen der vier Treffer, der zu wichtigen drei Punkten für den RSC führte. Foto: Bode

Für seine Elf nahm das Match dann zu allem Überfluss auch noch den unglücklichsten Auftakt: Das Spiel war „gefühlt 30 oder 40 Sekunden alt“ (O-Ton Warning) als Rahlstedt durch Almir Mesanovic' ersten Saisontreffer in Führung ging. „Ein schöner Diagonalball und dann geht er am Torwart vorbei“, fasste RSC-Coach Warning den Treffer zusammen, dem im ersten Durchgang kein weiterer mehr folgen sollte. „Wir haben von Anfang an Druck gemacht und dann zwei Mal Glück – unter anderem, als Inter den Pfosten trifft. Ansonsten waren da viele gute diagonale Bälle und viele Flanken von uns“, konstatierte Warning, der in seiner Analyse nur einen Makel feststellen musste: „Unsere Chancenauswertung war eine Katastrophe.“

Immerhin: Im zweiten Durchgang sorgte zunächst Hendrik Wolfgramm für das 2:0 zugunsten der Gäste (54.), dem Yannick Hess nur drei Zeigerumdrehungen später den dritten Treffer folgen ließ (57.). Nur weitere zwei Minuten später kam Inter heran: Braima Baldé traf zum 1:3 aus Sicht der Hausherren (59.). Doch wer nun erwartet hatte, dass die Katik-Kicker sich aufbäumen und das Match noch einmal spannend machen würden, sah sich getäuscht. Nur ein einziger weiterer Treffer fiel noch, als Lukasz Sosnowski drei Minuten vor Schluss für Mesanovic auflegte und der sein zweites Tor an der Snitgerreihe erzielte. „Wir haben zwar vier Treffer gemacht, hatten aber Gelegenheiten, gut und gerne auch die doppelte Menge zu erzielen. Ich hatte die Befürchtung, dass es noch schief geht, wenn wir die Chancen nicht nutzen. Man kennt sowas ja...“, konstatierte Warning. Doch das blieb dem RSC und seinem Coach erspart.

Katik: „Wenn es so bleibt, wie es ist, macht das keinen Sinn mehr“

Inters Keeper Emre Palteki und seine Kollegen standen auf verlorenem Posten. Foto: timelash.de

„Zum Glück haben wie die drei Punkte geholt. Ich bin zufrieden. Das war nicht gigantisch, aber okay“, resümierte der Rahlstedter Übungsleiter letztlich und wagte einen Blick auf die Zeit nach der Winterpause: „Ich habe immer gesagt: Wenn der Verein jemand anderen hat, den er an die Seitenlinie stellen will, dann kann er das tun. Andererseits ist für mich klar: Ich lasse meine Jungs nicht im Stich. Solange man mich als Trainer braucht, bin ich Trainer. Ich habe die Winterpause mit den Einheiten und Testspielen geplant und alles in die Wege geleitet. Da ich von Seiten des Vereins nichts anderes gehört habe, gehe ich davon aus, dass ich auch nach der Winterpause noch Trainer in Rahlstedt bin“, sagte Warning, der im Saisonverlauf Reza Khosravinejad abgelöst hatte.

Ob Erdal Katik nach der Winterpause auch noch in Amt und Würden sein wird? Der Coach, der im Laufe der Hinserie die Nachfolge von Eren Sen angetreten hatte, bekannte zunächst einmal freimütig: „Man muss schon sagen: Ich habe mich ein bisschen blenden lassen und frage mich inzwischen auch, warum ich das Amt angetreten habe.“ Er versuche, so Katik weiter, „mit allen Mitteln noch etwas aus der Mannschaft herauszukitzeln, aber das ist enorm schwierig, wenn du nur elf Mann zur Verfügung hast und kaum trainieren kannst. Zum Glück kommt jetzt die Winterpause. Man muss sehen, was passiert. Wenn es so bleibt, wie es ist, macht das keinen Sinn mehr. Man muss sich mit den Verantwortlichen zusammensetzen. Auch die Jungs sollen nochmal zusammengetrommelt werden, es soll sich bei den Sponsoren und im Vorstand was tun. So wie jetzt geht’s nicht weiter...“

Jan Knötzsch

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