11.12.2018

Smith: „Ich bin überrascht und enttäuscht, dass ich nicht weitermachen darf“

Ex-Condor-Trainer äußert sich zu seinem „Aus“ am Berner Heerweg

Hätte seine Arbeit am Berner Heerweg gerne fortgesetzt: Der bisherige Condor-Coach Olufemi Smith. Foto: Bode

Am Morgen des heutigen Dienstag schlug die Nachricht ein wie eine sprichwörtliche Bombe: Der SC Condor hat sich mit sofortiger Wirkung von seinem Coach Olufemi Smith und dessen „Co“ Fabian Boll getrennt. Smith selbst bestätigte uns schon heute Vormittag auf Anfrage sein Ausscheiden und das von Boll, wollte aber – mit dem Verweis darauf, nicht vor der Pressemitteilung des Vereins, Stellung zu beziehen, keinen weiteren Kommentar abgeben. Nach Rücksprache mit dem SCC tut „Femi“ das nun doch und berichtet uns seine Sichtweise der Trennung.

„Ich bin von der Entscheidung absolut überrascht worden“, erzählt der 40-Jährige direkt zu Beginn des Gesprächs und ergänzt: „Es waren keine sportlichen Gründe, die mir genannt wurden, als man mir erklärt hat, dass Fabian und ich in Zukunft nicht mehr auf der Bank sitzen werden.“ Was aber dann? „Es geht eher um die Rahmenbedingungen“, berichtet Smith, „offenbar will der Verein den Weg, den wir bis jetzt gegangen sind, nicht mehr gehen, sondern einen anderen Weg einschlagen. Damit war alles gesagt.“

„Ich bin davon überzeugt, dass wir das gesteckte Ziel erreicht hätten“

Auch für Co-Trainer Fabian Boll (hier im Gespräch mit Dassendorfs Übungsleiter Elard Ostermann) ist Schluss beim SCC. Foto: Bode

Stichwort Rahmenbedingungen – da liegt es doch nahe, dass es um finanzielle Aspekte geht. Sind Smith und Boll also zu teuer für den SC Condor? „Das sicher nicht“, lacht der Ex-Trainer, „ich glaube nicht, dass es so immense Summen sind, die der Verein einspart, wenn Fabian und ich weg sind.“ Vielmehr gehe es wohl – so vermutet Smith – „um die Grundvoraussetzungen und -vorstellungen, was Oberliga-Fußball betrifft. Viel kann ich dazu aber nicht sagen. Wir sind nicht gefragt worden, ob wir den neuen Weg mitgehen wollen.“ Condors Erster Vorsitzender Thomas Brinkmann übrigens war im Verlauf des Tages für die FussiFreunde-Redaktion nicht erreichbar, um die Personalie aus Sicht des Vereins vom Berner Heerweg, dessen Oberliga-Mannschaft derzeit auf dem 16. Platz in der Tabelle steht, zu erläutern.

„Ich bin natürlich enttäuscht, dass ich nicht weitermachen darf. Das gilt für Fabian nicht weniger“, konstatiert „Femi“ mit Blick auf seinen Co-Trainer, der seit der Vorbereitung auf die laufende Saison an der Seite von Smith wirkte, der selbst wiederum nach dem Ausscheiden von Christian Woike zum Ende der vergangenen Saison als dessen Nachfolger vom „Co“ zum „Chef“ aufgestiegen war. „Wir haben das Ganze gerne getan und haben zuletzt mit der Mannschaft auch Schritte in die richtige Richtung gemacht. Ich bin davon überzeugt, dass wir die gesteckten Ziele erreicht hätten“, sagt Smith, der mit Boll, seinem weiteren Co-Trainer Jasper Wehrt (dessen Verbleib am Berner Heerweg soll übrigens noch offen sein) und der Mannschaft 18 Punkte aus 20 Spielen holte.

„Wir haben zwar keinen guten, aber einen soliden Job gemacht und sind noch auf Schlagdistanz“

Wird er der neue Coach? Nico Peters soll gemeinsam mit dem künftigen Sportlichen Leiter Ralf Rath bei Condor anheuern. Archivfoto: noveski.com

„Wenn man die jetzige Situation mit der aus der Saison davor vergleicht, ist sie nicht großartig anders. Damals hatten wir 20 Punkte aus 20 Spielen und ebenso wie jetzt sechs Punkte Rückstand auf den elften Platz. Aktuell hat die Mannschaft sogar ein besseres Torverhältnis als zum gleichen Zeitpunkt der letzten Saison. Das ist angesichts des radikalen Umbruchs, den es im Team gegeben hat und der Tatsache, dass es kein Funktionsteam drumherum gab, okay. Wir haben zwar keinen guten, aber einen soliden Job gemacht und sind noch auf Schlagdistanz“, geht Smith ins Detail und konstatiert: „Ich drücke den Jungs natürlich alle Daumen, dass sie die Klasse halten werden und bin überzeugt, dass sie da weitermachen, wo wir zuletzt aufgehört haben (im letzten Spiel 2018 gab's einen 6:1-Erfolg gegen Concordia, Anm. d. Red) und das gesteckte Ziel erreichen werden.“

Genau dies werden die „Raubvögel“ nach FussiFreunde-Informationen in Zukunft unter Nico Peters tun, den der künftige Manager Ralf Rath im Schlepptau vom WSV Tangstedt mit an den Berner Heerweg bringen wird. Peters und Rath arbeiteten bereits beim SC Alstertal-Langenhorn zusammen – zuletzt bis 2016 in der Landesliga Hammonia. Dass der SCC künftig wieder einen Ligamanager haben wird – auch das ist überraschend für Smith: „Wir hatten nur Jan Hendrych (den Team-Mamaner, Anm. d. Red.), der sich hervorragend um das Organisatorische gekümmert hat. Es war wichtig, dass wir ihn an unserer Seite hatten. Die Position des Sportlichen Leiters war seit dem Abgang von Marco Krausz nicht mehr besetzt. Ich hätte mir da jemanden gewünscht, als ich noch Trainer war, aber es ist gut, dass der Verein jetzt die Stelle besetzt. Das ist wichtig.“ Wie es für ihn selbst weitergeht, weiß Smith derzeit noch nicht: „Für mich ist es schade, dass ich die Saison nicht zuende bringen darf. Ich möchte auch in Zukunft gerne wieder als Trainer arbeiten“, verrät der 40-Jährige und fügt hinzu: „Anfragen gab's heute aber noch keine...“


Jan Knötzsch 

Der Verein bestätigt die Trennung inzwischen per Pressemitteilung:

Abschied von Femi und Boller

Der Vorstand des SC Condor hat Trainer Olufemi Smith und Co-Trainer Fabian Boll per sofort beurlaubt und verabschiedet sich damit zum Jahresende vom Kulttrainerduo in der Oberliga: "Wir danken Femi und Boller für ihren
Einsatz und ihr Engagement für den SC Condor und wünschen ihnen alles Gute für die Zukunft."

Die 1. Herren bekommt für die Rückrunde einen neuen Trainer. So viel steht fest. Damit möchten wir ein klares Signal der Zuversicht an die Mannschaft, den Verein und das Umfeld senden und sind überzeugt, mit dieser Entscheidung
einen Impuls in Richtung Klassenerhalt zu setzen. Mit welchem Trainer und mit welchem Konzept wir die Trendwende planen, geben wir in Kürze bekannt.

Heiko Gevert
Abteilungsleiter Fußball SC Condor

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