11.08.2018

„Sim-Sasel-abim“: Teufelskerl Tuffour entzaubert Dassendorf!

Zankl-Zocker schlagen die „Unbesiegbaren“ - „Schon gewohnt, gegen Sasel zu verlieren“

In unnachahmlicher Manier pariert Todd Tuffour den Elfmeter in der Schlussminute mit dem linken Arm und avanciert zum Matchwinner. Foto: Alex Knull

Die Uhr tickte unaufhaltsam dem Ende entgegen. Der TSV Sasel hatte schon mit einem Bein die Ziellinie überquert und stand unmittelbar vor der faustdicken Überraschung: Einem Sieg bei den „Unbesiegbaren“ aus Dassendorf. Doch dann: Die Schlussminute brach an, als Nico Zankl im eigenen Strafraum Amando Aust zu Boden gerissen haben soll. Referee Thore Holst (FC Türkiye) deutete postwendend auf den Punkt. Eine zweifelhafte Entscheidung – aber urplötzlich war sie da, die Chance für die TuS, die drohende Pleite abzuwenden. „Ich wusste erst gar nicht, was los ist“, gestand Sasel-Keeper Todd Tuffour anschließend, „aber ich habe sofort geschaltet und mir gesagt: Den muss ich jetzt halten!“

Eigentlich ist Sven Möller beim Meister der Mann für die Elfmeter. In der Vorsaison gab er die Verantwortung zweimal ab. Beide Male ging es in die Hose. Erst verschoss Maximilian Dittrich, dann versagten Lennart Müller die Nerven. Es scheint so, als würde an „Mölli“ kein Weg vorbeiführen, wenn es um die Strafstöße bei der TuS geht. Als sein Team in besagter Schlussminute gegen Sasel die große Gelegenheit zum 2:2 bekam, war es jedoch Mattia Maggio, der sich den Ball schnappte und zur Tat schritt. „Weil ich Maggio heute das Vertrauen gegeben habe“, erklärte Möller im Nachgang. Ganz so einig schien man sich im Vorfeld der Ausführung allerdings nicht gewesen zu sein. Jedenfalls mischte auch Pascal Nägele im ersten Moment im Kampf um den „Lucky shot“ mit. Das Rennen machte jedoch der ehemalige HSV-Profi – doch dieser machte die Rechnung ohne Tuffour. Der Sasel-Schlussmann machte sich bereits auf den Weg in sein rechtes unteres Toreck – während Maggio die Kugel eher halbhoch gen Mitte jagte. Der Last-Minute-Ausgleich? Mitnichten! Tuffour riss den Arm hoch, wehrte den Ball ab, ehe dieser „in Zeitlupe“, wie sein Trainer Danny Zankl hinterher meinte, gen Torauslinie kullerte. Ein riesen Reflex des 24-Jährigen, der sich damit zum großen Helden aufschwang!

Tuffour: „Als auf einmal Maggio geschossen hat, bin ich instinktiv in die Ecke gegangen“

Nach dem frühen Führungstreffer war die Dassendorfer Welt noch in Ordnung. Foto: Alex Knull

„Es hätte nicht sein müssen, aber dass es am Ende so gekommen ist, ist für mich natürlich top“, freute sich Tuffour über seine kleine Heldentat – und verriet: „Von Möller habe ich mir den letzten Elfmeter angeguckt. Da hat er rechts oben geschossen, sodass ich mir dachte, dass er in dieselbe Ecke schießt. Aber dann hat sich auf einmal Maggio den Ball genommen – und ich bin instinktiv in die andere Ecke gegangen.“ Womit er alles richtig gemacht hat. „Glücklicherweise ist der Ball am Tor vorbei gerollt.“ Nicht minder glücklich war Danny Zankl nach Schlusspfiff: „Nachdem der erste Frust über den Pfiff verdaut war, habe ich die gesamte Bank hinter mir gespürt, wie sie stand und gesagt hat, dass ‚Toddy‘ den hält. Es war ein richtig guter Spirit zu spüren und da war ich mir sicher, dass er den hält.“ Und weiter: „Das war eine überragende Reaktion. Er hat eine sehr, sehr starke zweite Halbzeit gespielt und krönt sie damit. Dafür nehme ich ihn gleich nochmal in den Arm.“ TuS-Coach Elard Ostermann wollte das „Elfer-Theater“ nicht allzu hoch hängen, sagte: „Sven Möller hat die letzten Elfmeter alle geschossen und stand auch zuerst am Ball. Ich weiß nicht, wie es zustande gekommen ist und es ist für mich auch nicht entscheidend, wer die Elfmeter schießt. ‚Mölli’ lässt sich den Ball ja auch nicht einfach so wegnehmen. Da wird es schon eine vernünftige Absprache gegeben haben. Es kann mal in die Hose gehen und ist in dem Fall natürlich ärgerlich, weil es uns noch einen Punkt gebracht hätte. Aber da gibt es jetzt keinen Vorwurf.“ Dennoch befand er: „Wenn der Ball nicht ins Tor geht, dann hat es an irgendwas gehapert. Der Torwart hat aber auch gut reagiert, das kann man mal anerkennen.“

Schönteich: „Wir sind es ja schon gewohnt, gegen Sasel zu verlieren“

Eigentlich ist Sven Möller (mi.) - hier eng bewacht von Timo Adomat - der Mann für die Strafstöße bei der TuS. Foto: Alex Knull

Womit dieses Thema auch abgehakt wäre. Denn: „Wir sind es gewohnt, das erste Spiel der Saison gegen Sasel zu verlieren“, eröffnete Dassendorf-Sportchef Jan Schönteich die Pressekonferenz und sprach damit auf die letztjährige erste Saison-Schlappe an, die sich der „Abonnement-Champion“ ebenfalls gegen die „Parkwegler“, damals in Sasel, einhandelte. Deshalb führte Schönteich auch fort: „Wir sind es überhaupt gewohnt, gegen Sasel zu verlieren.“ Eine Tatsache, die in der ersten Viertelstunde ziemlich unwahrscheinlich schien. Dassendorf drückte und ging ausgerechnet durch Maggio in Front, als dieser nach einer Dittrich-Flanke und anschließend verunglücktem Nägele-Schuss aus 13 Metern eiskalt vollstreckte (16.)! Ein selbstkritischer Zankl konstatierte: „Ich war nicht so glücklich vorbereitet auf das Spiel“, ehe er anfügte: „Ich habe Dassendorf nicht mit zwei Stürmern erwartet, die uns immer zustellen. Das haben wir anfangs nicht gut gemacht, hatten dann aber auch in dem System keinen Zugriff.“ Das 0:1 wäre der Moment gewesen, „wo wir das System gewechselt und umgestellt haben. Das hätte ich vielleicht schon etwas früher machen können.“


Spielerischer Hochgenuss beim Ausgleich, „Nadjem-Dance“ beim Siegtreffer

Die Folge: Der Ausgleich – und welch ein schöner! Daniel Lichy bediente Stefan Winkel, der den Ball mit atemberaubender Technik aus der Luft pflückte, ihn gekonnt verarbeitete und dann auch noch die Übersicht für Tolga Celikten besaß. Dieser ließ am rechten Strafraumeck Maximilian Dittrich ins Leere rutschen und schoss gegen die Laufrichtung von Gruhne zum 1:1 ein (21.)! Nach einer guten halben Stunde übernahmen die Ostermann-Schützlinge wieder das Kommando, kamen zu guten Chancen, konnten diese aber nicht in einen weiteren Torerfolg ummünzen. „Ich finde, dass wir in der ersten Halbzeit sehr gut gespielt haben. Mit dem Halbzeitpfiff war es aber wie abgeschnitten“, so Ostermann, der es treffend auf den Punkt brachte: „Ich glaube, wir haben bis auf den Elfmeter nicht einen Torschuss gehabt. Das war eine zweite Halbzeit, die wir sehr schnell vergessen wollen.“ Den Saseler Siegtreffer erzielte Neuzugang Benjamin Nadjem, der nach einem von Joe Warmbier geblockten Winkel-Schuss zum Slalomlauf ansetzte, Henrik Dettmann auf der Grundlinie umkurvte und einen sich ihm auf der Torlinie in den Weg werfenden Warmbier ganz clever ausguckte und ins kurze Eck einschob – 1:2 (54.)! Dass „Matchwinner“ Tuffour hinterher „noch glücklicher und umso erleichterter“ war, hatte auch mit dem Auslassen zahlreicher aussichtsreicher Kontersituationen seiner Saseler zu tun. „Es wäre vielleicht zu hoch gegriffen, wenn ich sagen würde, es wäre schön gewesen, wenn wir den Deckel früher draufgemacht hätten, weil die letzten zehn, 15 Minuten richtig nervig waren“, so Zankl.

Ostermann: „Wenn ich die zweite Halbzeit nehme, war es ein verdienter Sieg“

Ungläubige Miene bei Nico Zankl, nachdem Referee Holst ein vermeintliches Vergehen an Amando Aust (mi.) ahndet. Die Fortsetzung ist bekannt... Foto: Alex Knull

„Wir kassieren Gegentore, die so nicht passieren dürfen. Ich will jetzt nicht sagen, dass das Engagement in der zweiten Halbzeit fehlte, aber vielleicht ein bisschen die Laufbereitschaft und dieses Gefühl, aus so einer Situation gemeinsam rauszukommen“, fand Möller klare Worte, und scherzte auf die Frage, ob die Elferschützen für das DFB-Pokalspiel gegen Duisburg am kommenden Wochenende schon feststehen würden, falls es dazu kommen sollte: „Ich schieße fünfmal.“ Apropos DFB-Pokal: „Vielleicht war das schon ein bisschen im Hinterkopf. Aber das soll die Leistung von Sasel nicht schmälern“, so Ostermann. 


Während „Elferheld“ Tuffour noch immer „voller Adrenalin“ war. „Wir haben es als Team überragend gemacht und unglaublich gekämpft. Ich muss jetzt erstmal durchatmen“, was ihm gestattet sei. „Wir haben uns in der Halbzeit vorgenommen, mutiger zu spielen, immer die Dreierkette von Dassendorf schon im Aufbau anzulaufen – dahinter zwar weiter kompakt zu arbeiten, aber immer ein bisschen mehr Druck drauf zu kriegen. Das haben wir gut gemacht“, gab Zankl zu Protokoll. „Aus dem Spiel heraus haben wir in der zweiten Halbzeit gar nichts zugelassen. Nach der Umstellung sind wir nicht der unverdiente Sieger. Dass wir Dassendorf nicht an die Wand spielen, war uns bewusst. Das haben wir auch akzeptiert.“ Letzteres musste auch der Gegner tun und tat das respektvoll. Bereits vor Beginn schien das spätere Unheil aus Dassendorfer Sicht seinen Lauf zu nehmen. Erst fehlten die Stadionmagazine, dann waren keine Eintrittskarten da – und schließlich war auch die Sprinkleranlage nicht abzustellen. „Wenn ich die zweite Halbzeit nehme, war es ein verdienter Sieg“, erkannte auch Ostermann die Saseler Leistung an. „Wir hatten nicht mehr die Ballsicherheit und uns fehlte nachher auch die Frische. Ich hätte eigentlich erwartet, dass wir uns aus dem kleinen Tief wieder rausgraben. Aber wir waren auf dem Platz sehr ruhig und haben uns nicht gepusht oder mal versucht, Ruhe reinzukriegen. Wir waren da sehr ungeduldig.“

Ganz anders der Kontrahent vom Parkweg, der in den zweiten 45 Minuten eine unwahrscheinlich abgeklärte Darbietung aufs Parkett brachte. „Ich bin hierher gefahren und wollte einen vernünftigen Kampf liefern und etwas mitnehmen. Ich war auch auf einen Punkt eingestellt und hätte mich darüber auch gefreut“, so Zankl, der sich letztendlich aber sogar über die volle Ausbeute freuen konnte und nun mit seinen Mannen einen feucht-fröhlichen Mannschaftsabend verbringen kann – und das wohlgemerkt als Oberliga-Spitzenreiter.

Die letzten Momente und der Schlusspfiff im Video

Autor: Dennis Kormanjos

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