Bezirksliga Ost

Sieger-Prost dank Doppel-Joost: Lang und weit bringt nicht nur Sicherheit, sondern auch HT-„Dreier“ gegen den ETSV

25. Oktober 2020, 17:57 Uhr

Jubel an der Seitenlinie: HT-Coach Markus Puder (mit Kappe) freut sich mit seinen Jungs über den Sieg im Spitzenspiel. Foto: Both

Nein, keiner der Spieler des ETSV Hamburg wollte nach der Begegnung bei der HT 16 noch einen Augenblick länger als nötig am Ort des Geschehens verweilen. Mit Ausnahme von Adam Hamdan. Der Abwehrmann der Gäste stand nach der 1:2-Niederlage der „Eisenbahner“ an der Legienstraße noch einen kurzen Moment länger abseits des durch den Regen aufgeweichten und tiefen Rasen und diskutierte. Seine Mitspieler waren da längst schnurstracks in Richtung Kabine verschwunden – die ungemütlichen äußeren Bedingungen taten neben der Niederlage im Duell der beiden „Giganten“ der Bezirksliga Ost, die vor der Saison ihren Kader jeweils enorm aufgewertet hatten, um um den Aufstieg mitzuspielen, ihr Übriges. Auch Thorsten Bettin steuerte nach dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Benedikt Müller auf direktem Wege runter vom Platz. Nicht aber, ohne die 90 Minuten noch einmal Revue passieren zu lassen.

Der Torverhinderer als Torvorbereiter: HT-Schlussmann Thorben Joost gab für beide Treffer der Hausherren die Vorlage. Foto: Both

Und das tat Bettin so, wie man es von ihm kennt. Kurz, knapp und knackig. „Wenn ich mir das Resultat so anschaue, dann haben wir einen Fehler mehr gemacht als der Gegner und das war der eine Fehler zu viel“, stellte der Coach des ETSV nach der Begegnung unumwunden fest und ergänzte: „Dadurch ist es dann auf diesem Geläuf schwer, hinterherzulaufen.“ Treffender hätte man es nicht zusammenfassen können! Allerdings:Es waren zwei Fehler, die die „Eisenbahner“ im Duell mit den Kickern von der Liegienstraße gemacht hatten. Genau genommen: zwei Mal den identischen Fehler. „Das sind zwei lange Bälle, zwei Torwart-Abschläge – und wir können es beide Male nicht verhindern“, ärgerte sich Bettin folgereichtig darüber, dass seine Equipe sowohl in der 20. als auch in der 55. Minute in der Abwehr nicht so richtig auf der Hut war, wie man es in einem Spiel gegen einen ebenbürtigen Konkurrenten sein muss, wenn man bei diesem etwas Numerisches mitnehmen will.

„Die beiden haben nicht trainiert“: ETSV lässt Schirosi und Landau zunächst überraschend draußen

Artistisch: Alessandro Schirosi (Mitte) erzielte per Seitfallzieher den ETSV-Anschlusstreffer. Foto: Both

Die Partie an der Legienstraße entpuppte sich insgesamt zu einer dieser Begegnungen, von denen man sich unter dem Mantel „Spitzenspiel“ einiges erhofft, in der aber irgendwie nicht alles so goldig glänzend ist, wie zuvor vermutet. Klar: Der Dauerregen und der tiefe Boden machten es beiden Seiten nicht leicht und die Spielanlage war für diese Begebenheiten schon okay – aber mehr eben auch nicht. Zu Beginn neutralisierten sich die beiden Seiten. Keine der beiden Widersacher wollte den ersten Fehler machen – doch am Ende waren es die „Eisenbahner“, denen der erste „Error“ unterlief: Nachdem er einen ETSV-Freistoß problemlos halten konnte, setzte Thorben Joost zum Abschlag an. Der Ball, den der Keeper der HT getreten hatte, wurde lang und länger. Er flog und flog. Bis in des Gegners Hälfte, wo das Leder einmal aufsprang, der zum Klärungsversuch aus seinem Kasten geeilte ETSV-„Goalie“ Leo Hebbeler nichts mehr ausrichten konnte und Marvin Fischer als Nutznießer mit der Pille am Fuß Richtung ETSV-Gehäuse lief und zum 1:0-Führungstreffer einschoss. Den Gästen fehlte es nicht nur nach diesem Tor an Ideen und Durchschlagskraft. Stürmer Kevin Göde hing bisweilen völlig in der Luft, hatte kaum Szenen, in denen er sich in Szene setzen konnte. Die HT 16 hatte derweil auch nur wenige weitere Torraumszenen. Unter anderem durch einen Lupfer von Kevin Zschimmer, der nach 37 Minuten oben auf dem Tornetz landete.

Bettin: „Das ist nur ein Spiel von vielen, da mache ich mir keinen Kopf“

Bediente Blicke im Regen: ETSV-Coach Thorsten Bettin (re.) und sein Assistent Manuel Garcia. Foto: Both

Hatte ETSV-Coach Bettin bis dahin auf Alessandro Schirosi, der vor der Saison mit seiner Aussage, er sehe für diese Spielzeit keinen Konkurrenten in Sachen Aufstiegskampf für die „Eisenbahner“, die Stimmung für dieses Gipfeltreffen schon vor Monaten angeheizt hatte, auf der Bank gelassen, so reagierte er zur Pause. „Schiro“ ersetzte Tobias Czech und sollte im zweiten Durchgang auch zumindest einen Top-Auftritt haben: Eine Flanke von Kutay Keklikci, die dieser vom linken Flügel hereinbrachte, verwandelte Schirosi mit einem sehenswerten Seitfallzieher an Schlussmann Joost vorbei ins Netz (75.). Doch zuvor war da ja noch das, was in der 55. Minute geschah: nämlich der zweite starke Moment des Thorben Joost. Wieder schlug der Schlussmann bei einem Abschlag das Leder lang nach vorne, wieder vermochte der ETSV die Situation nicht zu klären und wieder schlug die HT 16 zu. Diesmal in Person von Kevin Zschimmer, der den Ball schließlich im langen Eck des ETSV-Tores unterbrachte und dann zum Jubel über das 2:0 abdrehte. Schirosis anschließender Treffer stellte letztlich nur noch Ergebniskosmetik da. Auch die Hereinnahme von Jan Landau, der ebenso wie „Schiro“ zunächst draußen gesessen hatte und nach 70 Minuten für Dario Kovacic in die Begegnung gekommen war, vermochte daran nichts mehr zu ändern. Der Sieg der HT 16 war nach vierminütiger Nachspielzeit perfekt – und die Kicker von Coach Markus Puder durften sich anschließend trotz Regen den einen oder anderen Schluck vom Sieger-Getränk schmecken lassen. Ein Prost dank des Doppel-Vorbereiters Joost quasi...

Puder: „Wir haben ein bisschen mehr gemacht als der ETSV, deswegen geht der Sieg in Ordnung“

Der Moment kurz vorm 1:0: ETSV-Torhüter Leo Hebbeler (li.) und Tobias Czech (re.) können den Treffer von Marvin Fischer nicht verhindern. Foto: Both

„Die beiden haben nicht trainiert“, beantwortete Thorsten Bettin im Nachgang des „Giganten-Gipfels“, warum er Landau und Schirosi zunächst auf der Bank gelassen hatte und sie erst im zweiten Durchgang ins Geschehen warf. „Das ist ein Spiel von vielen. Da mache ich mir keinen Kopf“, bilanzierte der Übungsleiter der Gäste vom Mittleren Landweg die Niederlage, die aus seiner Sicht keinen Beinbruch darstellte. „So, wie es im Moment läuft, müssen wir unter die ersten Sieben kommen. Und dass wir mal ein Spiel verlieren werden, steht außer Frage“, sagte Bettin mit Blick auf die beiden bisherigen Siege seiner Elf gegen Börnsen (5:4) und Hamwarde (2:0) und die Meisterrunde, die der einfachen Hinrunde folgen soll. In der zweiten Hälfte, so schloss der 55-Jährige sein Fazit, hätten es seine Jungs „ganz ordentlich gemacht.“ Das aber langte eben nicht und so durfte sich Markus Puder nach dem Match freuen: „Wir sind glücklich. Zum Schluss wurde es nochmal hitzig und spannend, aber im Großen und Ganzen sind wir der verdiente Sieger. Wir haben ein bisschen mehr gemacht als der ETSV, deswegen geht der Sieg in Ordnung“, konstatierte der HT-Trainer, der „schon überrascht“ war, dass beim ETSV sowohl Landau als auch Schiros zunächst draußen saßen: „Das hatte ich nicht erwartet.“ Erwartbar hingegen waren für den 39-Jährigen die beiden Torvorlagen seines Torhüters: „Die langen Bälle von Thorben waren so geplant. Auch, dass Marvin Fischer da vorne steht, der ziemlich schnell ist. Das ist alles gut aufgegangen“, so Puder, der abschließend feststellte: „So ein Sieg ist für die Mannschaft und die Stimmung wichtig. Das Ziel ist es, in die Aufstiegsrunde zu kommen. Da werden die Spiele dann interessanter...“

Jan Knötzsch 

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