Bezirksliga Ost

SCS führt und „weiß nicht, wo Wandsetal dann das Selbstbewusstsein herholt“ – doch der TSV trauert trotzdem

26. September 2020, 10:27 Uhr

Sebastian Johns (li.) brachte Schwarzenbek in Führung, musste dann aber früh ausgewechselt werden. Archivfoto: Bode

Saadettin Özdeser ist nie um einen spontanen und guten Spruch verlegen. Und so erklärte der neue Coach des TSV Wandsetal am Freitagmittag vor dem ersten Saisonspiel seines Clubs in der Bezirksliga Ost gegen den SC Schwarzenbek in einem dieser Hintergrund-Gespräche, die Trainer und Journalisten manchmal eben so führen, auf die Frage, was denn für den neuformierten TSV gegen die favorisierte Elf von der Schützenallee drin sei: „Ich liebe ja Überraschungen...“ Nun, die Überraschung, dass der Gastgeber im Sportpark Hinschenfelde den SCS besiegte, passierte nicht ganz. Dafür aber holte der TSV, in der vergangenen Saison als abgschlagener Tabellenletzter nur aufgrund des Corona-Abbruchs in der Liga geblieben, ein respektables 2:2-Unentschieden gegen die Schwarzenbeker. 

„Santos“, wie Özdeser mit Spitznamen genannt wird, war nach dem Abpfiff der Begegnung allerdings nicht wirklich in Hochstimmung. „Ganz ehrlich: Gerade herrscht bei mir Enttäushung pur. Wir hatten nach dem 0:2-Rückstand zur Halbzeit in der Nachspielzeit der zweiten Hälfte drei heftige Chancen“, sagte Özdeser, der den TSV seit dieser Saison gemeinsam mit seinem Brude Sadik betreut, und ärgerte sich: „Wenn nur einer von den drei Bällen reingeht, haben wir die drei Punkte. Das wäre dann ein richtig geiler Saisonstart gewesen.“ So aber sah Özdeser in den vier Minuten „Overtime“, die Schiedsrichter Marvin Repke angezeigt hatte, aus denen dann aber tatsächlich sieben Zeigerumdrehungen an zusätzlicher Zeit wurden, eben jene drei Gelegenheiten, die seine Schützlinge ungenutzt ließen – unter anderem einen Kopfball, der in eben jener siebten Nachspiel-Minute die Latte touchierte.

Özdeser: „Gefühlt haben wir Schwarzenbek in der zweiten Halbzeit an die Wand gespielt“

Der neue Wandsetal-Trainer Saadettin Özdeser trauerte den vergebenen Chancen in der Nachspielzeit hinterher. Foto: HT 16

Begonnen hatte das Spiel für den TSV derweil richtig mies: Gerade einmal zwei Minuten waren absolviert, als Sebastian Johns Schwarzenbek mit 1:0 in Führung brachte. „Santos“ Özdeser hatte es sogar noch härter empfunden: „Wir liegen nach gefühlt 30 Sekunden schon hinten und dann kassieren wir auch noch einen zweiten Treffer vor der Halbzeit.“ Besagtes Tor für die Gäste, bei denen Trainer Sven Reinke an der Linie von seinem „Co“ Finn Apel vertreten wurde, gelang Rouven Runge – bitterer Weise für die Wandsetaler auch noch kurz vor dem Pausenpfiff, so dass die Hausherren nach dem anfänglichen Nackenschlag mit einem zweiten zurück in die Kabine mussten. Noch ärgerlicher: Runge traf per Strafstoß. Nach einem Foul, das für Özdeser nicht elfmeterreif war.: „Der Schiri meinte nach einem Zweikampf, wo beide Spieler nur ihren Körper einsetzen: Der Schwarzenbeker hätte mit seinen gefühlt 30 Kilo keine Chance gegen den Körper meines Spielers gehabt.“ Aus der Halbzeitpause allerdings kam die TSV-Equipe dann wie verwandelt zurück – und nutzte dies auch in Zahlen aus: Zwei Zeigerumdrehungen waren nach dem Seitenwechsel abgelaufen, als Michael Brandt aus Sicht der Gastgeber auf 1:2 verkürzte. Noch größer wurde der Jubel beim TSV, als Sandy Oduru nach 73 Minuten das Leder zum 2:2 im Netz versenkte. „Gefühlt haben wir Schwarzenbek in der zweiten Halbzeit an die Wand gespielt“, ärgerte sich Özdeser nach dem Match trotzdem immer noch darüber, dass seine Elf sich nicht belohnen konnte.

Leibold: „Wir haben total den Faden verloren und nur noch gekontert – das hätte nicht sein müssen“

Co-Trainer Finn Apel vertrat beim SCS den fehlenden Chefcoach Sven Reinke. Foto: Bode

„Am Ende muss man tatsächlich sagen: Das war ein glücklicher Punktgewinn. Vor allem, wenn man die zweite Halbzeit betrachtet. In der ersten Hälfte waren wir klar überlegen, haben genau das gemacht, was die Trainer vorgegeben haben und gehen mit 2:0 in die Pause“, bilanzierte auf der anderen Seite Florian Leibold. „Eigentlich“, so der Teammanager der Schwarzenbeker, „war das Ding für uns mental schon fast gelaufen. Dann tritt Wandsetal in der zweiten Hälfte überraschend komplett anders auf. Die kommen mit einem Selbstbewusstsein aus der Kabine, wo ich nicht weiß, wo sie sich das hergeholt haben. Damit konnten unsere Jungs nicht umgehen.“ Entsprechend sei es im zweiten Durchgang „ein ganz anderes Spiel gewesen. Wandsetal war spielbestimmend, wir haben total den Faden verloren und nur noch gekontert. Das hätte nicht sein müssen. Wir sind selbst Schuld, dass wir die drei Punkte – beziehungsweise zwei davon – liegengelassen haben. Wenn man die erste Halbzeit mit einbezieht, ist das Unentschieden gerecht. Wenn man nur die zweite betrachtet, dann hätten wir hier auch verlieren können. Zur Pause führen wir und Wandestal ist bis dahin überhaupt nicht ins Spiel gekommen. Und am Ende rettet uns Moritz Leibold mit einer Parade das 2:2. Das hätte auch anders ausgehen können. Mit einem Punkt auswärts in die Saison zu starten, ist daher unterm Strich in Ordnung“, resümierte Florian Leibold abschließend. 

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