Oberliga

Schwarzer Tag für Weiß, weil Rosa ins Rollen kommt: „Dasse“ mit Vollgas-Fußball und sieben Streichen am Kiesbarg

18. Oktober 2020, 00:23 Uhr

Einer von sieben Dassendorfer Streichen: Kristof Kurczynski (Dritter v.li.) lässt sich von seinen Teamkollegen für den Treffer zum 2:0 feiern. Foto: Bode

Es lief die 38. Minute des Spiels zwischen dem FC Süderelbe und der TuS Dassendorf (Hier gibt’s den Live-Ticker zum Nachlesen), als Julian Barkmann den Blick in Richtung Trainerbank warf. In der Hoffnung, dass er von dort einen Tipp bekommen würde. Und den gab es wirklich: Nachdem Kerim Carolus gerade im Strafraum Süderelbes Rouven Treu gelegt hatte, hatte Referee Florian Schwarze auf den Elfmeterpunkt gezeigt. Marius Wilms schnappte sich die Kugel und trat zum Duell mit Dassendorfs Keeper an, doch der hatte von Jean-Pierre Richter – der TuS-Trainer war diesmal aufgrund des urlaubsbedingten Fehlens von Enrico Klüver und Torben Kleindienst quasi in Personalunion auch Co- und Torwarttrainer – den entscheidenden Hinweis bekommen. Richter war sich sicher: Wilms zielt links vom Schützen aus gesehen. Barkmann flog genau in diese Ecke und parierte den Strafstoß...

„Das war kurz vor der Pause ein Schlüsselmoment“, sollte Richter später auf der Pressekonferenz nach der Begegnung sagen. Hätte Wilms getroffen, wäre der FCS auf 1:2 herangekommen. So aber blieb es bei der 2:0-Führung für die Gäste – und die legten nach dem Seitenwechsel noch einmal eine Schippe drauf und brachten die Partie schließlich ungefährdet mit 7:1 nach Hause. „Das war ein sehr, sehr ordentliches Spiel“, bilanzierte Richter nach dem Match, hatte aber auch nette Worte für den Kontrahenten übrig: „Wir haben gegen einen Gegner gespielt, der uns – im Verhältnis zu den letzten Wochen – zum ersten Mal vor Probleme im Spielaufbau gestellt hat. Wir wurden hoch gepresst, aber letztlich hat uns das in die Karten gespielt, weil wir den einen oder anderen Fehler besser ausnutzen konnten.“ Insgesamt, so der TuS-Trainer, „waren wir von der Bereitschaft und der Leistungsfähigkeit diesmal auf dem Gas – das muss man ehrlich sagen. Die Jungs haben das gut gemacht und Vollgas-Fußball gespielt.“

Richter: „Uns hat das in die Karten gespielt, weil wir den einen oder anderen Fehler nutzen konnten“

Anvisiert und abgezogen: Henrik Dettmann (re.) feuert die Kugel in Richtung Süderelbe-Tor. Foto: Bode

Vor den 238 Zuschauern am Kiesbarg, Richters alter Heimat aus den Anfängen seiner Trainer-Laufbahn, habe die TuS „tolle Umschaltmomente gehabt“, befand „Jonny“ in seiner Analyse. „Die Mannschaft ist sehr fleißig gewesen, hatte mehr Höhen als Tiefen und hat sich mit einem tollen Ergebnis belohnt. Wir freuen uns, dass wir es geschafft haben, die Festung Kiesbarg einzunehmen. Bei den bisherigen Süderelbe-Heimspielen hatten die Mannschaften noch nicht das Gkück, das zu schaffen. Wir sind sehr stolz, dass wir nun die ersten sind, denen das in dieser Saison gelungen ist“, sagte Richter mit Blick auf die 90 Minuten, in denen Mattia Maggio die „Wendelwegler“ zunächst in Führung gebracht hatte (15.), ehe Kristof Kurczynski mit einem Doppelpack auf 3:0 erhöhte (23., 48.). Spätestens, als Sven Möller nach einem Magio-Traumpass in die Gasse per Heber kurz nach Kurczyiskis zweitem Streich per Heber zum 4:0 traf (52.), war die berühmte Messe gelesen. Maximilian Dittrich und Eyke Kleine machten dann das halbe Dutzend voll, ehe Süderelbe durch Wilms der Ehrentreffer gelang. Den Schlusspunkt für die TuS, bei der Ex-Profi Martin Harnik nach 58 Minuten ins Spiel kam, setzte Amando Aust Sekunden vorm Abpfiff per Kopf.

Arlt: „Ich hatte nicht das Gefühl, dass wir mit dem Elfmeter entscheidend zurückgekommen wären“

Zu Boden gegangen: Dassendorfs Sven Möller (re.) fällt nach einem Foul von Süderelbes Maximilian Arlt. Foto: Bode

„Da müssen wir jetzt durch, die Welt geht davon nicht unter“, resümierte Stefan Arlt nach den sieben Torerfolgen der Richter-Equipe. „Wenn du einen Treffer nach dem anderen machst, geht das Laufen leichter. Dem, der die Treffer kassiert, fällt das Laufen schwerer. Trotzdem haben wir nochmal versucht, nach vorne zu spielen“, konstatierte der Coach der Kiesbarg-Kicker und erklärte: „Ich habe mich in erster Linie damit befasst, was wir machen wollten und meine, dass ich den Dassendorfer Spielschlüssel für diese Saison erkannt hatte. Wir wollten uns nicht so sehr damit auseinandersetzen, was Dassendorf macht – das hätte man machen können, aber dann hätten wir wie gegen Lohbrügge spielen müssen. Dann passieren die Dinge nicht, die heute passiert sind. Aber: Wir hatten uns vorgenommen, den Gegner oben anzulaufen. Dabei haben wir leider bei zwei, drei Situationen in der ersten Halbzeit eklatante Stellungsfehler gemacht. Dassendorf hat das zwei Mal ausgenutzt. Ich hatte die Hoffnung, dass sie nicht gleich zu Beginn das Spielglück haben, weil sie in den letzten Wochen auch immer Chancen hatten, aber nicht so früh das erste Tor gemacht haben.“

Arlt: „Das darf dir gegen Dassendorf nicht passieren, dann spielen sie dich her...“

TuS-Torjäger Mattia Maggio (Mitte) behauptet sich gegen gleich zwei Süderelbe-Akteure. Foto: Bode

Diesmal, so fuhr Arlt fort, „haben sie zwei Schüsse. Der von Maggio ist direkt drin. Den muss man auch erstmal so machen. Beim zweiten Treffer hat unser Keeper keine Sicht zum Ball, der war daher schwierig zu halten.“ Anschließend, so resümierte der FCS-Übungsleiter weiter, „kriegen wir den Elfer. Das war ein Geschenk. Da darf der Dassendorfer niemals so hingehen. Aber ich hatte nicht das Gefühl, dass wir mit dem Elfmeter entscheidend zurückgekommen wären, wenn wir ihn verwandelt hätten. Es hatte sich in der ersten Halbzeit schon angedeutet, dass Dassendorf den besseren Blick für den tieferen Ball hatte. Den hatten wir nicht.“ Und: „Auf der Seite von Andreas Metzler hat uns Dassendorf gut kaputt gepresst. Da haben wir uns schon blöd angestellt“, hatte Arlt noch einen weiteren Unterschied ausgemacht, der das Pegel zugunsten der Gäste hatte ausschlagen lassen. „Ich könnte“, befand der Süderelbe-Coach abschließend, „noch viele weitere Szenen aufzählen, die dafür sorgen, dass der Gegner Überhand bekommt. Das darf dir gegen Dassendorf nicht passieren, dann spielen sie dich her...“  


Jan Knötzsch

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