15.10.2017

Schwammige Füße und ein glückloser Grubba: Der AFC-„Anti-Lauf“ hält an

Algan-Schützlinge unterliegen Drochtersen-Assel mit 1:3

Unglücksrabe Tobias Grubba lässt nach der Altonaer Niederlage seinem Unmut freien Lauf. Foto: KBS-Picture

Es bleibt wie verhext: Altona 93 wartet in der Regionalliga-Nord weiterhin auf seinen ersten Punkt auf dem heimischen Rasen an der Adolf-Jäger-Kampfbahn. Gegen die SpVgg Drochtersen-Assel unterlag die Equipe von Trainer Berkan Algan mit 1:3. Auch, weil ein Rückkehrer in einer entscheidenden Situation kein Glück hatte. „Den hält er normalerweise um drei Uhr morgens“, sagte Algan mit Blick auf den Treffer zum 1:2, bei dem Keeper Tobias Grubba keine allzu gute Figur machte. „Mir ist es lieber, dass wir Tobi wieder ins Spiel bringen, als dass wir drei Punkte gegen Drochtersen-Assel holen“, erklärte Algan sogar und nahm die Niederlage gefasst hin.

Die Stimmung beim Schlussmann der Altonaer war dennoch nahe dem Nullpunkt. Die Mannschaft des AFC stand vor der Gegengeraden und hatte sich gerade bei ihren Fans für die Unterstützung bedankt, als Tobias Grubba seine Handschuhe auf den Boden warf und wutentbrannt eine Plastik-Wasserflache hinterher feuerte. „Es ist scheiße, dass das in so einem Spiel passiert, aber es kann auch in jedem anderen Spiel passieren“, erklärte der Torwart der Hausherren anschließend relativ sachlich und machte keinen Hehl daraus, dass er in der Situation, die zum zweiten AFC-Rückstand führte, nicht gut aussah; „Das ist ein klassischer Torwartfehler. Eigentlich hatte ich ihn schon fast. Der Ball springt komisch auf, die Folgen hat man gesehen.“ Natrülich, so Grubba weiter, „gebe ich mir Schuld, aber wir sind noch immer elf Leute auf dem Platz und ich denke nicht, dass es am Ende heißen wird, dass ich das Spiel verloren habe.“

Algan: „Wir werden versuchen, den richtigen Schraubenzieher zu finden“

Einen Schritt schneller: Drochtersens Jannes Elfers (vo.) ist vor dem Altonaer Marco Schultz am Ball. Foto: KBS-Picture

Im ersten Durchgang hatte der AFC zuvor lange Zeit kein Land gesehen und tauchte zunächst überhaupt nicht vor dem Kasten der Gäste auf, sondern war vielmehr damit beschäftigt, dafür zu sorgen, dass die Partie nicht schon frühzeitig eine klare Richtung einnahm. Denn: Kaum hatte der Kick an der Griegstraße begonnen, da riss Drochtersen das Spiel an sich und beschwor immer wieder gefährliche Offensivaktionen herauf. Marcel Andrijanic blieb mit seinem Freistoß nach fünf Minuten zunächst in der Mauer hängen, Alexander Neumanns Anspiel auf Andrijanic fand nicht seinen Weg (7.) und Nikola Serra zielte am langen Pfosten vorbei (10.), doch neun Minuten später war es soweit: Ein nach vorne gespielter Ball landete bei Neumann der im linken Drittel des Strafraums die Kugel in die Zentrale auf Erdogan Pini spielte. Der Ex-St. Paulianer hatte anschließend leichtes Spiel, Tobias Grubba, der nach seiner langwierigen Handverletzung erstmals für Altona in der Regionalliga zwischen den Pfosten stand, zu überwinden (19.). Beinahe hätte der Gast acht Minuten später auf 2:0 erhöht, doch nachdem Serra links Abdullah Yilmaz hatte stehen lassen und nach innen gezogen war, ging sein Schuss drüber. Die Hausherren tauchten derweil nur einmal gefährlich vorm Drochtersen-Gehäuse auf – das aber umso nachhaltiger: Freistoß Nick Brisevac, im Sechzehner setzte Eliezer Correia Cà nach und die Kugel fand Arnold Lechler, der zum 1:1 ausglich (39.).

Nach der Menge an Torraumszenen in der ersten Hälfte tat sich im zweiten Durchgang bis zur 60. Minute kaum etwas Notierenswertes. Dann war es nach genau einer Stunde Jannes Elfers, der von der linken Seite eine Flanke auf das AFC-Tor brachte, die keinen seiner Mitspieler erreichte, aber dennoch für einen kurzen Moment richtig gefährlich wurde. Denn: AFC-Schlussmann Grubba ließ das Spielgerät durch seine Finger flutschen, hatte dann aber das Glück, dass hinter ihm mit Correia Cà ein eigener Mitspieler stand, der klären konnte (60.). Es sollte, wie eingangs erwähnt, vor den 1335 Zuschauern auf der Adolf-Jäger-Kampfbahn nicht die einzige unglückliche Aktion des AFC-„Goalies“ bleiben – sehr zum Leidwesen der Gäste und ihres Anhangs: Nach 76 Minuten zog der nach 61 Minuten in die Partie gekommene Drochtersener Marco Schuhmann links von der Strafraumkante ab, Grubba wehrte den Schuss zwar ab, ließ den Ball aber nach vorne klatschen, wo mit Neumann ein Akteur der Gäste goldrichtig stand und den Ball zur erneuten Führung für die Schützlinge von „D-A“-Trainer Enrico Maaßen über die Linie bugsierte. Für den Schlusspunkt sorgte in der dritten Minute der Nachspielzeit Jasper Gooßen, der nach einem Alleingang von Pini über den linken Flügel in der Mitte dessen Zuspiel zum Endstand in den Maschen des Altonaer Tores versenkte.

Maaßen: „Nach dem 1:1 hat man gemerkt, dass die Jungs angefangen haben, zu grübeln“

Voller Einsatz: Der Altonaer Elizier Correia Cà (re.) grätscht gegen Drochtersens Alexander Neumann. Foto: KBS-Picture

„Ich bin wahnsinnig glücklich, wie die komplette Mannschaft die lange Durststrecke beendet hat“, freute sich Gästetrainer Enrico Maaßen nach dem Schlusspfiff und erklärte: „Es ging darum, ein gutes Ergebnis zu erzielen, weil Altona ein direkter Konkurrent ist.“ Sein Team habe, so Maaßen, „sehr gut und präsent angefangen. Wir haben den Ball gut laufen lassen und hatten das Spiel komplett unter Kontrolle. Allerdings wussten wir, dass Altona durch Standards gefährlich ist. Dennoch kriegen wir durch eine Standardsituation das 1:1. Danach hat man gemerkt, dass die Jungs angefangen haben, zu grübeln.“ In der zweiten Halbzeit hätten die Zuschauer dann, so die Einschätzung Maaßens, „ein offenes Spiel“ gesehen: „Altona war besser in der Partie als in der ersten halben Stunde. Wir haben in den letzten Wochen zuhause und in Havelse den Gegner an die Wand gespielt und standen am Ende des Tages immer mit einem Punkt dar. Deswegen freue ich mich umso mehr, dass wir gewonnen haben. Das zweite Tor war ein ganz dreckiges, aber aufgrund der ersten halben Stunde und der Klasse, dass wir noch das dritte Tor machen, haben wir verdient gewonnen.“

Sein Gegenüber musste derweil durch die harte Mühle, dass „es doof ist, wenn man jedes Spiel zuhause verliert.“ Am Anfang des Spiels, so beschied Berkan Algan, „haben wir schwammige Füße gehab und kamen nicht ins das Spiel, was wir haben wollten. Nach dem 1:1 haben wir den Boden wiedergefunden und waren ganz gut im Spiel.“ Auch in der zweiten Hälfte hätte seine Equipe „ein vernünftiges Match“ gezeigt. „Das war ein offener Schlagabtausch“, stellte der AFC-Trainer fest, „in der entscheidenden Situation verlieren wir beim 1:2 die Übersicht. Wenn man einen Lauf hat, wird so eine Situation nicht bestraft. Aber wir haben einen Anti-Lauf. Wir haben zuhause alles verloren.“ Dennoch aber, so konstatierte Algan, „sehe ich die Situation positiv: Wir haben Potenzial. Allerdings haben wir auch Probleme, die wir kompensieren müssen. Wir sind nicht auf den Kopf gefallen und werden versuchen, den richtigen Schraubenzieher zu finden. Ich glaube schon, dass wir das hinkriegen. Die Mannschaft hat mit Herz gespielt und war besser als in den letzten Heimspielen. Wir müssen jetzt den Mund abputzen und nach vorne schauen.“

Jan Knötzsch

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