14.09.2018

„Schulle“ kontert Kollotzek - doch Meier verpasst die große TuRa-Feier

Ersatzgeschwächtes TuRa knüpft dem Primus ein Punkt ab

Lion Jodeit (re.) war gegen seinen Ex-Club in den ersten 45 Minuten nahezu abgemeldet. Foto: Christian Küch

Sie sprangen auf, schlugen die Hände vors Gesicht und waren der Verzweiflung nahe. Es hätte der „goldene Schuss“ werden können, wurde es aber nicht. Denn Daniel Meier verarbeitete einen Traumpass von Leon Schulz zwar technisch fein, versammelte in buchstäblich letzter Sekunde aber freistehend den Abschluss und vergab damit den Sieg für TuRa Harksheide (alle Highlights im LIVE-Ticker zum Nachlesen). „Ich hab’ schon zu meinem Co-Trainer gesagt: ‚Letztes Mal hatten wir in solch einem Spiel gegen Tornesch das Glück und machen noch das Tor. Nicht, dass wir heute die Pechvögel sind.‘ Aber zum Glück ging der drüber“, so Matthias Jobmann, Trainer der Niendorfer U23, die als Tabellenführer an den Exerzierplatz reiste.

Der sagenhafte Führungstreffer: Aus äußerst spitzem Winkel trifft Jakob Kollotzek (li.) mit dem rechten Außenrist zum 1:0 für die Gäste. Foto: Christian Küch

Für Lion Jodeit war es ein ganz besonderes Spiel. In den letzten Jahren war er der Torjäger von Hammonia-Landesligist TuRa Harksheide, ehe sich der Youngster vor dieser Spielzeit für einen Wechsel zum Niendorfer TSV entschied. In der Oberliga-Truppe der „Sachsenwegler“ kam Jodeit bis dato noch nicht regelmäßig zum Zug – dafür kehrte er nun mit der U23 an die alte Wirkungsstätte zurück. Nach 45 Minuten war der „Arbeitstag“ des Angreifers aber schon wieder beendet – ohne eigenen Torerfolg. „Er war nicht angeschlagen“, klärte Jobmann hinterher auf. „Ich fand, dass Harksheide das sehr gut gemacht hat – gerade bei hohen Bällen – und ich mir erhofft habe, dass wir einerseits mit Maxi Danzer etwas tiefer spielen und andererseits mit Colin Blumauer auf außen mehr Druck auf die langen Bälle von der Seite, die sehr gefährlich waren, drauf kriegen.“ Und weiter: „Ich denke, das ist auch gut gelungen.“

Schwarzer: „Ich habe der Mannschaft gesagt, dass wir keine Angst haben müssen“

Leon Schulz (li.) zeigte sich für den TuRa-Ausgleich verantwortlich. Foto: Christian Küch

Auch Jobmanns Gegenpart, Jörg Schwarzer, überraschte mit einem taktischen Schachzug und einer Personalentscheidung: Während mit Leon Schulz und Tim Renfordt zwei kleine, quirlige Spieler in vorderster Front agierten, nahm Sören Ostermann 90 Minuten auf der Bank Platz. „Für Sören tat mir das heute eins rück weit leid“, gestand Schwarzer anschließend. „Es ging heute aber nicht darum, in der Zentrale eine Anspielstation zu haben, sondern die Innenverteidiger mit Positionswechseln ein Stück weit unter Druck zu setzen und auch mit anderen Gegenspielern zu konfrontieren.“ Der Grund für die Rochade: Die aktuelle Personalmisere der Norderstedter. Vor allem defensiv drückte der Schuh. Mit Tim Henkis, Lukas Paulsen (beide Urlaub), Felix Feuerlein (Innenbandriss), Philipp Albrecht-Fuhrmann (Kreuzband- und Meniskusriss) sowie Malte Carolus, der gerade erst nach einem längeren Auslandsaufenthalt zurückkehrte, sich nun aber wieder für ein Jahr nach Australien verabschiedete, fehlten fünf etatmäßige Verteidiger. Hinzu kamen die Ausfälle von Stürmer Jonah Petersen (verletzt), Joris Plöns (18. Geburtstag) und Lukas Raphael (Urlaub). Umso zufriedener konnte Schwarzer mit dem Auftritt seiner Jungs gegen den Primus sein. „Wir stehen in der Tabelle da, wo wir nun mal stehen. Aber ich habe der Mannschaft auch gesagt, dass wir keine Angst vor Niendorf haben müssen. Wir haben eine gute Truppe“, so Schwarzer.

Schütt vergibt NTSV-Sieg, Meier verpasst TuRa-Coup

Die Riesenchance zum Sieg für Daniel Meier, der freistehend in der Nachspielzeit verzog. Foto: Christian Küch

Zwei seiner Akteure pennten jedoch bei einem Niemann-Freistoß und hoben – trotz klarer Ansage, rauszurücken – das Abseits auf, so dass Jakob Kollotzek mit einem wahren Kunstschuss aus nahezu unmöglichem Winkel über Aboubacar Fofana hinweg zur Niendorfer Führung traf (12.). Diese egalisierte Leon Schulz, der nach einem Doppelpass mit Nassim Saleh und anschließender Flanke von Lars Hartmann das Tohuwabohu in der Gäste-Defensive nutzte und die Kugel in die Maschen jagte (62.). Während Tore Schütt – von Liga-Leihgabe Dennis Thiessen (Jobmann: „Er war lange verletzt und braucht unbedingt Spielpraxis. Das ist das Gute am Team Niendorf, dass er sich die hier auf gutem Niveau holen kann. Es bringt ihn sicher weiter, hier 90 Minuten zu spielen als in der Oberliga die letzten 15 Minuten“) in Szene gesetzt – den Sieg für die „Jobmänner“ auf dem Fuß hatte (84.), hätte in der Gegenseite Daniel Meier zum Matchwinner avancieren können (90. +1). So aber blieb es bei der Punkteteilung. „Wir haben auswärts bei einer guten Mannschaft gespielt. Harksheide war in der ersten Halbzeit besser, hatte mehr Spielanteile. Wir haben viele Sachen nicht so gut gemacht wie in den letzten Wochen. In der zweiten Halbzeit haben wir etwas besser agiert. Letztendlich ein verdientes Remis“, bilanzierte Jobmann. Während Schwarzer konstatierte: „Wir sind belohnt worden und mit ein bisschen Glück gewinnen wir das am Ende sogar. Aber insgesamt ist das Ergebnis völlig in Ordnung.“ 

Autor: Dennis Kormanjos

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