Oberliga

Schuhmann fliegt, "Schnecke" verliert - weil "Arnie" triumphiert!

18. September 2020, 22:39 Uhr

Was für ein Comeback: Nach seiner Einwechslung traf Arnold Lechler (2. v. re.) doppelt in die Maschen. Foto: KBS-Picture.de

Ausgerechnet der Kapitän - dachte sich wohl ein Großteil der 236 Zuschauer im Stadion Hoheluft, als sich Felix Schuhmann nach gerade mal 27 Zeigerumdrehungen zu einer folgenschweren und verhängnisvollen Aktion hinreißen ließ. An der Seitenauslinie - direkt auf Höhe der Mittellinie - holte der "Capitano" des SC Victoria Hamburg zu einer rüden Attacke gegen Özgür Bulut, der schreiend zu Boden sank, aus. Der insgesamt starke Referee Devin Wengorz (TuS Hamburg) zeigte Schuhmann - nach kurzer Beratung mit seinem Assistenten - den roten Karton. Wer nun allerdings glaubte, dass jene Szene das Spitzenspiel zugunsten des SV Curslack-Neuengamme entscheidend beeinflussen würde, der sah sich getäuscht - zumindest für lange Zeit...

Die wohl spielentscheidende Szene: Schiri Devin Wengorz (Mi.) zeigt Vickys Felix Schuhmann (li.) die Rote Karte. Foto: KBS-Picture.de

Magnus Hartwig vergab schon vor Schuhmanns Schnitzer die bis dato einzige und größte Möglichkeit in einem durchaus ausgeglichenen Spiel für den heimischen SCV (17.), der in Unterzahl die klar bessere Mannschaft mit den Chancen auf die Führung blieb. In der 36. Spielminute hätte es soweit sein müssen, als zunächst Nil von Appen, dann Hartwig sowie Alexander Borck die tausendprozentige Dreifachgelegenheit nicht zu nutzen wussten und das Leder jeweils aus wenigen Metern nicht im Kasten unterbringen konnten. Schließlich verpasste auch noch Ian-Prescott Claus freistehend das fast schon sicher scheinende 1:0 für die Ebbers-Mannen (43.). Und was war mit Curslack? Nichts! Daran änderte sich auch zu Beginn der zweiten 45 Minuten nichts, bis Hamed Mokhlis und Özgür Bulut bei den Gästen an Fahrt aufnahmen. Erstgenannter brachte zunächst ebenfalls das Kunststück fertig, das Spielgerät - nach einer missglückten Flugeinlage von Vicky-Fänger Hendrik Rabe in Folge einer Ecke - nicht ins verwaiste Gehäuse zu bugsieren, sondern an dem auf der Torlinie rettenden Jan-Philipp Kalla hängen zu bleiben (57.).

Kalla nach Debüt: "Ich bin stolz auf die Jungs"

Trotz der Pleite bei seinem Debüt war Jan-Philipp Kalla (re.) - hier im Duell mit Marcel von Walsleben-Schied - stolz auf seine Jungs. Foto: KBS-Picture.de

Die Legende des FC St. Pauli wurde wenige Augenblicke zuvor auf seiner rechten Defensivseite von Bulut noch vernascht - und musste 120 Sekunden nach der ersten dicken Gelegenheit mit ansehen, wie der "Flügelflitzer" des SVCN den entscheidenden Pass auf den halbrechts startenden Mokhlis spielte. Eiskalt vollstreckte der in der Vorbereitung lange Zeit verletzungsbedingt ausgefallene Ex-Eicheder ins lange Toreck (59.)! Der Weckruf für die "Deichkicker" und der Anfang vom Ende für Vicky! Dennoch fand Kalla nach seinem Debüt ausschließlich lobende Worte für sein Team: "Ich bin stolz auf die Jungs! Wir haben über 60 Minuten in Unterzahl gespielt - und ich finde, man hat das zu keiner Sekunde auf dem Platz gesehen. Ganz im Gegenteil. Ich fand, dass wir den Ball - trotz der Unterzahl - deutlich besser haben laufen lassen als Curslack. Wir haben uns nur leider nicht belohnt", sprach "Schnecke" auf die zahlreich vergebenen Chancen an. "Als wir dann hintenraus aufmachen mussten, hatte Curslack Platz gehabt." Platz, den der SVCN nun ausnutzte. Denn nach dem Führungstreffer war der Begegnung die numerische Überzahl der Woike-Kicker anzumerken. Und so bestrafte der ewig verletzte Joker Arnold Lechler mit enormer Klasse einen dicken Bock von Yannick Siemsen, der im eigenen Strafraum den Ball leichtfertig vertändelte (82.), ehe der Angreifer eine butterweiche Hereingabe von Witalij Wilhelm am zweiten Pfosten per Direktabnahme zum 3:0-Endstand verwertete (86.). Danach sprach der Torjäger über sein Traum-Comeback...


"Ein Meisterkandidat, den ich noch nicht gesehen habe"

Hamed Mokhlis (re.) brachte Curslack auf die Siegerstraße. Foto: KBS-Picture.de

"Schade", bilanzierte Kalla, "denn das hätte ein richtig geiles Ding werden können. So haben wir gegen einen Meisterkandidaten, den ich noch nicht gesehen habe, leider 0:3 verloren." Sein erstes Pflichtspiel für Victoria stufte der 34-Jährige als "okay" ein, fügte aber gleichzeitig an: "Am Ende des Tages haben wir 0:3 verloren. Alles richtig gemacht habe ich auch nicht." Nichtsdestotrotz: "Im Großen und Ganzen, wenn man das Spiel und die Umstände betrachtet, habe ich meinen Teil dazu beigetragen, dass wir richtig geilen Fußball gespielt haben." Sein Trainer und ehemaliger Mitspieler am Millerntor, Marius Ebbers, sprang in dieselbe Kerbe, meinte: "Wenn man auf die Anzeigentafel guckt, dann steht da ein 0:3. Damit sind wir natürlich nicht glücklich. Aber ich bin sehr stolz auf die Mannschaft, dass sie es fast über 90 Minuten so gespielt hat, wie sie es gespielt hat." Einziges Manko: Die eklatante Chancenverwertung. "Das war teilweise Slapstick und sogar schon ein bisschen lustig", konnte sich selbst Ebbers ein Lächeln nicht verkneifen, betonte aber auch: "Das wirft uns und unseren Plan nicht um. Wir zweifeln keine Sekunde daran!"

"Bin der Meinung, Gelb hätte gereicht"

Und Arnold Lechler krönte sein Comeback - und bekam einige emotionale Worte von Coach Woike mit auf den Weg. Foto: KBS-Picture.de

Und wie hat er die im Nachhinein dann wohl doch spielentscheidende Situation in der 27. Minuten wahrgenommen? "Ich glaube dadurch, dass es 'Schuhmis' erstes Foul war, er ein Stück weit aus der Drehung kam und nicht gesehen hat, wo sein Gegenspieler war, hätte man Gelb geben können. Natürlich ist es ein gestreckte Bein, aber er hatte nicht die Absicht, den Gegenspieler zu verletzen. Es ist ein Foul, aber ich bin der Meinung, Gelb hätte gereicht. Aber der Schiri hat nun mal so entschieden", brachte es Ebbers abschließend auf den Punkt.

Wie hat Curslack-Coach Christian Woike - in seiner gewohnten Art - das Spiel und den Auftaktsieg gesehen? Hier gibt's den Trainer im Video-Interview:

Autor: Dennis Kormanjos

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