Regionalliga Nord

Schiri-Schelte nach Spektakel: „Ich weiß gar nicht, wie man das anders sehen kann“

02. September 2021, 00:16 Uhr

Elias Saad (Mi.) wurde an jenem Abend nicht vom Glück verfolgt. Gleich zweimal blieb der Elfmeterpfiff für den Eintracht-Flügelflitzer aus. Foto: KBS-Picture.de

Jan Lüneburg steckte den Ball für Elias Saad durch. Dieser hatte nur Noch AFC-Schlussmann Jasin Jashari vor sich, bekam aber von hinten einen Check von André Wallenborn und sank zu Boden. Jene Szene ereignete sich bereits tief in der Nachspielzeit des Regionalliga-Derbys zwischen Eintracht Norderstedt und Altona 93 (alle Highlights im LIVE-Ticker). Ein klarer Elfmeter, waren sich nicht wenige Beobachter auf der Tribüne sofort einig. Auch Eintracht-Coach Jens Martens schüttelt nur mit dem Kopf, als unmittelbar nach Spielschluss die Frage aufkam: „Ich weiß gar nicht, wie man das anders sehen kann. Er marschiert alleine auf den Torwart zu und wird dann runter gedrückt. Einen klareren Elfer kann man nicht kriegen!“

Nach einem kapitalen Bock der Hausherren hatte der starke Dominik Akyol (Mi.) früh die Chance, den AFC in Front zu bringen. Foto: KBS-Picture.de

Er glaube, so Martens weiter, dass sich der Unparteiische „einfach nicht getraut hat, nachdem er so viele Dinge im ganzen Spiel hat laufen lassen“. Aus seiner Sicht gebe es jedoch „kein Vertun – das war ein klarer Elfer“, war sich Martens sicher. Doch der schwache Unparteiische Christopher Horn gab den Strafstoß nicht, ließ weiterspielen. Während sich Saad nach der Partie nicht äußern wollte, stellte sich „Übeltäter“ Wallenborn: „Aus meiner Sicht passt das zur Linie des Schiedsrichters. Er hat die 50/50-Duelle alle nicht gepfiffen. Das war genau so eine Szene“, gestand er eine gewisse Mitschuld ei – und erklärte die Situation aus seiner Sicht: „Er hakt sich ein und ich falle über ihn drüber. Deswegen gibt er den nicht.“ Man müsse „auch dazu sagen“, so Wallenborn in Bezug auf Saad, „dass er vorher zweimal einen Elfmeter gefordert hat, wo er sich einfach fallen lassen hat. Das hat der Schiedsrichter wohl auch noch im Kopf gehabt.“

Bork-Hammer bringt die Führung

Aber der Reihe nach. Norderstedt begann überlegen, wirkte zu Beginn aber noch etwas unkonzentriert und fahrig. Beispiel gefällig: Ohne Not spielte Kangmin Choi einen kapitalen Rückpass, der Dominik Akyol in die perfekte Situation brachte. Freistehend chippte der starke ehemalige Norderstedter das Leder aber über das Gehäuse (4.). Es war die große Chance für die Gäste auf den frühen Führungstreffer. Stattdessen schlug die Eintracht wenig später zu – und wie: Jan Lüneburg und Armel Gohoua stritten sich nach einer Ecke von Philipp Koch um die Lufthoheit. Das Leder huschte zu Rico Bork durch – und dieser nagelte das Spielgerät vom linken Strafraumeck unter die Latte (12.). 1:0!

Abullatif mit Doppel-Alu, Bombek im Glück

Stattdessen brachte Rico Bork (re.) die Hausherren auf die Siegerstraße. Erster Gratulant: Philipp Koch, der sich kurz nach der Pause am Knöchel schwer verletzte. Foto: KBS-Picture.de

Altona steckte jedoch nicht auf, hielt dagegen – und hatte Pech: In der 25. Spielminute rettete der in der Anfangsphase sehr unglücklich agierende Hamajak Bojadgian im eigenen Sechzehner gegen Dennis Rosin glasklar mit dem Arm. Der eigentlich fällige Elfmeterpfiff von Horn blieb aber auch hier aus. Die Garstedter bettelten in der Folge förmlich um den Ausgleichstreffer. Andre Wallenborn hechtete eine herrliche Chip-Hereingabe von Peer Mahncke nur um Haaresbreite am rechten Giebel vorbei (36.). Zwar blieb auch die Eintracht gefährlich und hatte durch Choi (32.) sowie Elias Saad (35.) den zweiten Torerfolg auf dem Fuß – dennoch war die Führung zu diesem Zeitpunkt eher glücklich.

Auch nach der Pause wurde es aus Hausherren-Sicht nicht viel besser. Selbst der verletzungsbedingt fehlende Jordan Brown machte mitten der zweiten Hälfte seinem Unmut Luft. Glück hatte sein Team noch beim doppelten Alu-Treffer von Djavid Abdullatif, dessen Pfund von halbrechts sowohl an den Pfosten als auch an die Latte klatschte (70.). Doch der nachfolgende Standard sorgte für den ersten AFC-Ertrag: Wallenborn flankte von links scharf auf den zweiten Pfosten, wo Hendrik Bombek am, höchsten stieg und mit seiner Kopfball-Bogenlampe den leicht ins Straucheln geratenen Lars Huxsohl überwand (71.).

Martens: "Wir haben den Sieg auch nicht verdient"

Beim AFC lief fast alles über den starken Dennis Rosin (Mi.). Foto: KBS-Picture.de

Kurz zuvor verpasste zunächst Evans Nyarko freistehend und leichtfertig das 2:0 (69.). Unmittelbar nach dem 1:1 vergab Behounek nicht minder kläglich (72.). Und so hatte Dennis Rosin per Freistoß aus 16 Metern die komplette Wende auf dem Fuß, scheiterte aber um Zentimeter und am Außennetz (86.). In einer mit völlig offenem Visier geführten Schlussphase, in der es hin und her ging, hätte Behounek noch für Norderstedter Glücksgefühle sorgen können, tat dies aber nicht (90.). Und dann brach die Nachspielzeit an…

„Altona hat aufopferungsvoll gekämpft und das richtig gut gemacht. Wir haben nach der ersten Viertelstunde abgebaut“, befand Martens – und machte auch keinen Hehl daraus, dass das Remi für sein Team „natürlich unbefriedigend“ sei. „Ich mache das aber nicht alleine an der Elferszene fest. Wir hatten genug Chancen, aber auch Glück“, gab er offen und ehrlich zu. „Wir haben ab der 15. Minute nicht mehr so gespielt, wie wir uns das vorgenommen haben.“ Das Gegentor nach einer kurz ausgeführten Ecke sei zudem „eine Katastrophe, da wir dort eine genaue Einteilung haben“, so der Eintracht-Dompteur, der abschließend festhielt: „Wir haben den Sieg auch nicht verdient.“

Bergmann: "Wir hätten es heute vielleicht verdient gehabt"

Eintracht-Torjäger Jan Lüneburg (Mi.) hatte bei Peer Mahncke und der AFC-Defensive einen schweren Stand. Foto: KBS-Picture.de

Auf der Gegenseite freute man sich derweil über den ersten Punkt der Saison. „Das ist gut für den Kopf, dass wir auch Selbstvertrauen gewinnen und uns mal belohnen. Ich glaube, jeder hat gesehen, dass der Punkt hochverdient war. Wir hatten genügend Chancen, das Spiel auch zu gewinnen. Aber wir sind mit dem Punkt zufrieden“, bilanzierte Wallenborn, der den Assist zum umjubelten Ausgleichstreffer gab. Auch sein Übungsleiter war „unterm Strich sehr zufrieden. Nachdem wir uns nach 15 Minuten gefunden haben, fand ich uns in der ersten Halbzeit auch spielerisch das bessere Team“, resümierte Andreas Bergmann. „Wir waren eigentlich die Mannschaft, die es heute vielleicht verdient gehabt hätte. Aber letztlich bin ich froh, dass die Jungs für das, was sie geleitet haben, auch belohnt wurden“, attestierte er seinem AFC eine „läuferisch und kämpferisch gute Leistung“, sah „aber auch spielerisch richtig gute Aktionen“. Doch am Ende hätte seine Elf beinahe wieder mit leeren Händen dagestanden, wenn der wohl fällige Pfiff ertönt wäre. „Für mich sah es nach zu wenig aus“, schilderte Bergmann abschließend seine Sicht der Dinge.

Autor: Dennis Kormanjos

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