07.04.2019

Richters Elf beißen die Hunde: Dino schnappt zu, dann kommt Erman – keiner macht „T05“ mehr an!

Teutonia bleibt durch 3:1-Sieg gegen die TuS auf Schlagdistanz zu „Leader“ Altona

Jubeltraube: Teutonias Dino Fazlic (Zweiter v. li.) wird für seinen Treffer zum 2:1-Zwischenstand gefeiert. Foto: KBS-Picture.de

Es ging tierisch zu beim FC Teutonia 05 – sowohl in den 90 Minuten des Spiels gegen die TuS Dassendorf (Hier gibts's den LIve-Ticker zum Match) als auch danach. Denn als alles vorbei war, Schiedsrichter Daniel Gawron (TuS Osdorf) das Duell der beiden Verfolger von Spitzenreiter Altona 93 angepfiffen und Teutonen-Trainer Sören Titze die ersten Worte an seine Mannschaft gerichtet hatte, rottete die sich zum abschließenden Jubel zusammen. Davidson Eden musste nach dem 3:1 in die Mitte, ergriff das Wort – und urplötzlich wurde es laut. „Who let the dogs out?“, intonierten die Teutonen voller Inbrunst einen bekannten Song, um zu untermauern, dass sie gerade sinngemäß ihren Widersacher an der Kreuzkirche vor 403 Zuschauern quasi „aufgefressen“ hatten. 

Um in diesem Sprachbild zu bleiben: Einer der Gründe, dass „T05“ am Ende die Punkte an der „Kreuze“ behalten sollte, lag darin, dass Dino erfolgreich zubiss. Dino Fazlic, Teutonias Nummer 21, stieg nach 49 Minuten im Anschluss an eine Ecke, die durch den Dassendorfer Strafraum segelte und sich am zweiten Pfosten herabsenkte, am höchsten und schädelte den Ball zum 2:1-Führungstreffer über die Linie. Der sogenannte „Dosenöffner“. Zuvor hatte die Equipe von Coach Titze bereits nach 27 Minuten den 0:1-Rückstand hinnehmen müssen, als ein Freistoß von Sven Möller abgefälscht wurde und unhaltbar für Teutonias Torwart Yannick Zummack einschlug. Als alles nach einem ersten Durchgang, in dem von den Hausherren wenig zu sehen war und in dem die Gäste das Geschehen weitestgehend kontrollierten, schon damit rechnete, dass es mit jenem 1:0 für den Gast auch in die Pause gehen würde, schlug Teutonia zu: Nachdem er im ersten Versuch noch an TuS-Torsteher Christian Gruhne gescheitert war, blieb Aytac Erman im zweiten Anlauf eiskalt und glich aus (45.).

Richter: „Wir haben die Herausforderungen, die Einfluss genommen haben, nicht lösen können“

Einen Schritt schneller: Nicolas Mallwitz (re.) ist vor dem Dassendorfer Mattia Maggio am Ball. Foto: KBS-Picture.de

Was folgte, war nach der Pause der „Biss des Dinos“ und ein Spiel, das sich nun im Vergleich zum ersten Durchgang völlig ändern sollte. Von Dassendorf war mit Ausnahme eines Schusses von Maximilian Dittrich, der nach 58 Minuten am langen Pfosten vorbei strich, in Sachen Offensive nichts mehr zu sehen. Teutonia hingegen hatte sein Pulver an diesem Nachmittag noch nicht verschossen. Und so legten die Titze-Schützlinge in der Endphase des Spiels noch eimal nach – mit einem blitzsauberen Konter, wie man so schön sagt: André Müller zündete rechts auf dem Flügel den Turbo, lief Widerpart Linus Büchler auf und davon und hatte dann den Überblick im richtigen Moment quer zu legen. In der Mitte lauerte Erman – drin! 3:1 für die Hausherren eine knappe Viertelstunde vor dem Ende. Die Messe war damit gelesen. Während dem Doppeltorschützen nach dem Abpfiff die Worte fehlten („Ich bin vom Kopf noch so im Spiel und mitgerissen – ich muss jetzt erstmal duschen“), redete der Mann, der Teutonia auf die Siegerstraße gebracht hatte.

„Ich sehe den Ball kommen, drücke ihn in Richtung Torlinie, dann war das Ding drin und wir haben uns gefreut“, beschrieb Dino Fazlic recht pragmatisch seinen Treffer zum 2:1, wollte den Wert dieses Tores aber nicht zu hoch hängen. „Ich bin kein Freund davon, zu sagen: Der und der hat den Siegtreffer gemacht. Das war einfach eine geile Mannschaftsleistung. Wir sind durch ein scheiß Gegentor in Rückstand geraten und haben uns dann rein gekämpft. Es war sicher nicht die beste Leistung von uns in der ersten Hälfte, aber wenn es spielerisch nicht klappt, musst du dich mit Leidenschaft rein beißen“, resümierte Fazlic und erklärte mit Blick darauf, dass „T05“ wie schon vor einer Woche beim Sieg gegen Rugenbergen einen Rückstand gedreht hatte: „Da waren es zehn,15 Minuten, die uns fast das Genick gebrochen haben. Anscheinend brauchen wir ab und zu den Rückstand, damit wir wach werden. Weil: Dass wir Qualität haben, kann man nicht leugnen. Diese Woche einen Rückstand gedreht, letzte Woche einen Rückstand gedreht – das zeigt die Moral dieser Mannschaft. An fehlender Moral liegt's also sicher nicht.“    

Fazlic: „Ich hoffe, ich sehe uns am Ende oben und nicht Altona“

Dassendorfs End eim Titelkampf? Aytac Erman (li.) erzielt gegen TuS-Torhüter Christian Gruhne das 3:1. Foto: KBS-Picture.de

Woran es gelegen haben könnte? Diese Frage beschäftigte auch Jean-Piere Richter. „Spielerisch war das nicht das, was wir uns auf die Fahnen geschrieben hatten. Wir haben die einzelnen Herausforderungen, die Einfluss auf das Spiel genommen haben, nicht lösen können. Aus unserer Sicht ist es ein enttäuschendes Ergebnis und eine enttäuschende Leistung“, sagte „JPR“ und wollte auch die Tatsache, dass seine Elf 40 Minuten lang gar nicht so schlecht auftrat, nicht hoch bewerten: „Das 1:0 für uns ist ein abgefälschter Freistoß, da haben wir von einer individuellen Qualität profitiert. Im gesamten Spiel hätten wir vieles von der Umschaltbewegung bis zum Spiel nach vorne besser machen können.“ Mit der verletzungsbedingten Auswechselung von Kerim Carolus sei „Unruhe hereingekommen, unsere Stabilität ist gekippt.“ Bezeichnend: der Ausgleichstreffer. „Das war fahrig von uns in der Verteidigung“, stellte Dassendorfs Trainer fest und bekannte: „Das war im Kollektiv zu wenig von uns heute. Beim 1:2 schlafen wir bei der Ecke.“ Bedeutet die Niederlage nun das endgültige Aus im Titelkampf trotz eines Nachholspiels in der Hinterhand? „Wir konnten es schon vor diesem Spieltag nicht mehr selbst beeinflussen und waren von anderen abhängig. Jetzt ist die Abhängigkeit größer geworden“, so Richter.

Da des einen Freud des anderen Leid ist, herrschte auf der anderen Seite natürlich Hochstimmung. „Das war für jeden neutralen Zuschauer sicher ein tolles Spiel. Ich kann zu 100 Prozent sagen, dass sich stolz auf meine Mannschaft bin, die gut ins Spiel gekommen ist uns es gut gemacht hat. Wir haben durch den abgefälschten Freistoß zwar für zehn, 15 Minuten unseren Faden verloren und waren nicht ganz so präsent, aber sonst hat die Mannschaft das umgesetzt, was wir uns vorgestellt haben“, bilanzierte Sören Titze und verriet quasi im nächsten Atemzug, was er sich denn vorgestellt hatte: „Wir haben uns als Einheit präsentiert, haben gefightet und sind präsent gewesen. Dabei haben wir auch das Fußballspielen nicht vergessen. Ich freue mich. Dass wir uns für den Aufwand, den wir Woche für Woche betreiben, belohnt haben.“ Ein Aufwand, der letztlich mit der Qualifikation für die Aufstiegsrunde gekrönt wird? „Bis dahin ist es noch ein bisschen hin. Ich will jetzt keine Floskeln rauslassen, aber: Am 34. Spieltag wird zwischen und und Altona abgerechnet“, sagte Dino Fazlic, der mit seinen Teamkollegen am 17. Mai noch beim AFC ran muss, aber natürlich eine ganz klare Vorstellung hat, wie sich das Tabellenbild am Ende der Saison darstellen soll: „Ich hoffe, ich sehe uns oben und nicht Altona.“

Jan Knötzsch   

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