26.05.2019

„Regio“-Rückkehr: „König“ Grubba und „Käpt'n“ Schultz setzten AFC Aufstiegs-Krone auf

Ein 1:1-Unentscheiden vor 3485 Zuschauern gegen den Heider SV reicht Altona 93

Marco Schultz lösst seiner Freude nach dem Treffer zum 1:1, der dem AFC den Aufstieg sicherte, freien Lauf. Foto: KBS-Picture.de

Für einige Augenblicke war er verschwunden, dann tauchte Niklas Siebert wieder auf. Auf dem Kopf trug der Spieler von Altona 93 nach dem Abpfiff des zweiten Aufstiegrunden-Spiels gegen den Heider SV (Hier gibt's den Live-Ticker zum Nachleseneine aufblasbare Krone. Siebert machte im Anschluss die paar Meter von der Kabine auf den Rasen und kniete sich vor Tobias Grubba. Allerdings nicht, ohne seinen Teamkollegen zu bitten, sich in die selbe Position zu begeben. Dann nahm Siebert das Utensil ab und setzte es auf den Kopf des Keepers, der bereits eine goldene Kette mit dem Schriftzug „Jägermeister“ trug und wenige Minuten vorher im Teamkreis am lautesten den Jubel intoniert hatte. Der AFC-Schlussmann war mitten im Fokus. Zurecht. Denn irgendwie war der 28-Jährige der Held des Aufstiegs.

„Was er da rausgefischt hat, dafür gibt es kein Wort. Wenn du keinen solchen Torwart im Kasten hast, dann liegst du 0:3 hinten und es wird schwer, nochmal zurückzukommen. Meinen absoluten Respekt. Er war immer zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort“, lobte auch Marco Schultz den AFC-Schlussmann, obwohl auch der Kapitän selbst im entscheidenden Spiel seinen Anteil am Aufstieg hatte: Nachdem Grubba doch dieses eine einzige Mal hinter sich greifen musste, war es Schultz, der später den Ausgleichstreffer erzielte. „Ich hab eine super Saison gespielt, weil ich immer das Vertrauen vom Trainer hatte. Das habe ich gut zurückgezahlt, kann ich sagen. Es war für mich die beste Saison bisher“, sagte Schultz, während auch Seyhmus Atug vor allem Tobias Grubba hochleben ließ: „Wir können uns bei ihm bedanken. Er hat die ganze Saison über seine Leistung gebracht.“ Er sei jetzt, so die AFC-„Abwehrkante“ weiter, „glücklich, dass wir das geschafft haben. Andere haben immer gehofft, dass wir patzen. Jetzt wollten wir nicht in der Situation sein, hoffen zu müssen.“

Metidji: „Wir haben dem Coach die Rückendeckung mit Leidenschaft und Blut zurückgegeben“

Keeper Tobias Grubba (Zweiter v. re.) avancierte mit seinen Paraden zum Matchwinner für Altona. Foto: KBS-Picture.de

Die beiden Aufstiegsrunden-Partien gegen Bremen und Heide „waren unsere beiden schlechtesten Spiele in diesem Jahr. Aber wir waren auch wild zusammengewürfelt. Luis Hacker hat drei, vier Monate nicht gespielt. Ersen Asani drei Monate lang. Sie haben das Klasse gemacht. Heute ist Abdullah Yilmaz angeschlagen ins Spiel gegangen“, konstatierte Atug und befand, dass es unter diesen Umständen „noch geiler war, wie wir gespielt haben.“ Und auch der „Käpt'n“ schloss sich in seiner Analyse an. „Die beiden Spiele gegen Bremen und Heide waren ganz komisch. Wir haben nicht unser Spiel aufziehen können, waren nach vorne nicht durchschlagskräftig. Das Tor war heute dann der Türöffner dafür, dass es ein bisschen besser lief. Ich hatte das Gefühl, dass Heide müde geworden ist. Wir sind in der zweiten Hälfte etwas mehr über das Spielerische gekommen und haben mehr zweite Bälle gewonnen – dann fällt das Tor. Unfassbar! Es ist einfach ganz viel Last von uns abgefallen. Ich bin stolz auf die Jungs und das, was wir über die gesamte Saison geleistet haben“, freute sich Marco Schultz über die feststehende Regionalliga-Rückkehr.

„In der Mannschaft ist die Stimmung einfach top. Alle sind miteinander verknüpft – jeder mit jedem. Wir haben immer als Mannschaft alles gegeben, es ist nie jemand gekommen und hat gesagt: 'Ich bin besser oder das war gut von mir und scheiße von jemand anderem'. Wir haben als Team gekämpft. Es gab Phasen, wo es nicht so gut lief. Der Coach hat uns immer die Rückendeckung gegeben – und wir haben ihm das mit Leidenschaft und Blut zurückgegeben“, lobte Hischem Metidij die mannschaftliche Geschlossenheit und den Teamspirit als Gründe dafür, warum der AFC nun dort steht, wo er steht. Dabei war zweifelsohne auch der Youngster selbst ein wichtiger Baustein des Erfolgs. „Ich bin dem Trainer dankbar. Ich kam vor der Saison aus der Landesliga von Dersimspor – und er hat auf mich gebaut. Ich habe fast jedes Spiel gemacht. Er hat mir jedes Mal in den Arsch getreten, auch wenn ich gedacht habe: 'Alter, das nervt', aber wenn man jetzt über diese Saison nachdenkt, dann wollte er nur das Beste für mich. Und für die ganze Mannschaft.“

Algans Wunsch für die Mallorca-Fahrt: „Ich will nur zurückkommen...“

Kalte Dusche: AFC-Trainer Berkan Algan (vo.) wird von Eudel Monteiro voll erwischt. Foto: KBS-Picture.de

Solche Worte von einem seiner „Hasen“, wie Berkan Algan seine Spieler gerne nennt – sie dürften in den Ohren des AFC-Trainers klingen wie Musik. Dabei hatte „Berki“ nach dem Abpfiff erst einmal kaum Lust auf Emotionen. „Ich will einfach nur schlafen. Der Job als Trainer ist echt anstrengend. Es war ein schwieriger Spielverlauf. Alexander Vojtenko musste raus, weil ein Muskel zu gemacht hat, Niklas Siebert war gelb-rot-gefährdet. Die anderen mussten durchziehen. Sie haben ihren Job gemacht. Es war ein mega anstrengendes Unentschieden“, resümierte Algan und erklärte im Hinblick auf die kommende Spielzeit in der Regionalliga: „Dass wir die Mannschaft verstärken müssen, wussten wir schon, als wir gemeldet haben. Wir werden sie stützen – im Rahmen unserer Möglichkeiten. Die reichen aber nicht von hier bis nach Timbuktu.“ Seine Elf, so Algan weiter, hätte in dieser Saison „das Kämpfen gelernt. Wir sind verdient Meister geworden. Meister und Aufstieg – das ist fast wie das Double.“ Und das wird nun gefeiert. Auf Mallorca. „Wir fliegen da mit 16 Mann rüber, inklusive Trainer. Wir haben da eine Finca gemietet, aber die ist nur für nebenbei. Es wird bis Freitag durchgefeiert“, versicherte Seyhmus Atug nach dem Schlusspfiff.

Oder wie es der „Man of the match“ ausdrücken würde: „Morgen früh geht’s nach Malle und da saufen wir uns die Birne weg.“ Überhaupt: Tobias Grubba war in Feierlaune. „Ich muss erstmal klarkommen. Ich finde es richtig geil und weiß gar nicht, was ich zu dieser Mannschaft sagen soll. Wir wurden am Anfang wie ein Hühnerhaufen zusammengewürfelt, ganz viele Leute haben uns nur einen Mittelfeldplatz zugetraut. Jetzt sind wir Meister, haben uns gegen brutal gute Teams wie Heide und Bremen behauptet und es geschafft, wieder hochzugehen“, fiel vom Keeper die Last des letzten Spiels und einer langen Saison ab, „für uns war es uninteressant, ob es zur Pause 0:0 oder 0:1 stand. Wir wussten: Wir müssen nicht wir können. Es lag ganz in unserer Hand. Und wir wissen, was für Qualitäten wir haben.“ 


Qualitäten waren übrigens nach dem Match auch von Berkan Algan gefordert. Nicht als Coach, aber als „Reisemanager“. „Ich habe gesagt, ich komme nur mit nach Mallorca, wenn wir aufsteigen. Jetzt muss ich mir ein Ticket organisieren“, verriet Algan und lachte. Wohlwissend, was ihm in den zwei Tagen auf der Insel – der Coach muss wegen eines privaten Termins frühzeitig zurück – droht: „Ich schlafe in meinem Leben sowieso nicht viel, aber die Jungs haben schon gesagt, dass sie mich da nicht schlafen lassen.“ Und so hat „Berki“ nur einen sehnlichen „Wunsch“: „Ich will am Ende zurückkommen...“

Jan Knötzsch  

Tobias Grubba heizt die Aufstiegsparty an

Partyimpressionen nach dem Abpfiff

Losgelöste Stimmung bei den Altonaer Spielern

Niklas Siebert krönt den AFC-Helden des Spiels

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