26.05.2018

„Regio“-Aufstiegsrunde: Ex-Hamburger Kulikas wird zu Kiels „Coolikas“

Holstein II holt an der Hoheluft gegen Oldenburg einen Zähler – Mittwoch gegen „T05“

Die beiden Teams vor dem Anpfiff der Begegnung an der Hoheluft. Foto: Knötzsch

Es war mal wieder so eine Geschichte, wie sie eben einfach nur der Fußball schreibt. Am zweiten Spieltag der Aufstiegsrunde zur Regionalliga Nord lief zwischen Holstein Kiel II und dem VfL Oldenburg die Endphase der Begegnung. Soeben hatte Schiri Norbert Grudzinski (TSV Wandsetal) nach einem Zweikampf, in dessen Folge Kiels Timo Barendt im Strafraum zu Boden ging, weiterlaufen lassen und nicht auf Elfmeter entschieden. Alles sah danach aus, dass der VfL mit seiner 1:0-Führung die drei Zähler mit in Richtung Heimat nehmen würde und einen ganz großen, entscheidenden Schritt in Richtung Regionalliga gemacht hätte. Doch dann sollte die letzte Szene der Partie folgen. 

Und in der stand in der Hansestadt ausgerechnet einer im Mittelpunkt, der in Hamburg bestens bekannt ist: Laurynas Kulikas. Früher war der Stürmer sowohl für den Hamburger SV II und den FC St. Pauli II als auch für Eintracht Norderstedt am Ball. Heute stand der 24-Jährige genau richtig, nahm den Ball in der 93. Minute des Spiels – die drei Minuten „Overtime“ ergaben sich aus zwei Trinkpausen in der ersten und zweiten Hälfte – an, blieb ganz cool und knallte das Leder vor 235 zahlenden Zuschauern schließlich ins Netz. Der 1:1-Ausgleich! Damit bleibt die „Zweite“ der „Störche“ mit vier Zählern – punktgleich, aber mit dem besseren Torverhältnis – vor dem VfL aus Oldenburg Tabellenführer der Aufstiegsrunde. Am Mittwoch (19 Uhr) beim FC Teutonia 05 reicht Kiel II damit bereits ein Zähler zum Sprung in die „Regio“. Dabei hätte das Spiel auch ganz anders ausgehen können...

Kaissis bringt Oldenburg nach 79 Minuten in Führung

Laurynas Kulikas traf für Kiel II zum späten Ausgleich. Foto: KBS-Picture.de

Denn schon der erste Durchgang hätte zur Halbzeit des Pascal Steinwender werden können. Der quirlige, wendige Stürmer der Oldenburger, mit dem schon die Defensive von Teutonia 05 am vergangenen Dienstag am ersten Spieltag der Aufstiegsrunde so seine liebe Mühe hatte, stellte auch die Defensive der „Jungstörche“ immer wieder vor Probleme. Der VfL agierte spielerisch zwar nicht unbedingt schön, dafür aber umso effektiver nach vorne, was die Anzahl der Chancen anging – und da spielte immer wieder Steinwender die Hauptrolle. Los ging das Ganze nach drei Minuten, als er im Mittelfeld einem Kieler die Kugel abluchste und seinen anschließenden Alleingang mit einem Schuss vorbei am Holstein-Kasten beendete. Nur drei Zeigerumdrehungen später zielte er über das Gehäuse. Danach hatte Kiel seine erste gefährliche Szene, doch Philipp Sanders Schuss zischte links neben dem Pfosten vorbei (10.). Kulikas traf dann nach 16 Minuten zwar für Kiel II, stand aber im Abseits.

Danach fand die Steinwender-Show ihre Fortsetzung: Nach 21 Minuten musste Kiel-Keeper Bernd Schipmann eingreifen und wehrte zur Ecke ab. Zwei Minuten später visierte Steinwender, der den VfL am Ende der Saison in Richtung VfB Oldenburg verlässt, den oberen rechten Torwinkel an, zielte aber zu ungenau. Holsteins Reserve wiederum tauchte durch Kulikas, dessen Schuss am Pfosten vorbei trudelte (25.), Sander, der drei Minuten vorm Seitenwechsel an „Goalie“ Jannik Zohrabian scheiterte, und erneut Kulikas (45.+2, per Kopf) im ersten Durchgang noch drei Mal vor dem Oldenburger Kasten auf. Die Mannschaft von VfL-Coach Dario Fossi wiederum hätte durch Steinwender – wen auch sonst – in der 23. und 29. Minute treffen können, tat es aber nicht, so dass es ohne Treffer in die Pause ging.        

Werner: „Wir haben eine gewisse Reife gezeigt – das war ausschlaggebend für den Punkt“

Holstein II-Coach Ole Werner steht mit seinem Team kurz vor dem Aufstieg. Foto: Knötzsch

Im zweiten Durchgang erhöhte Kiel II seine Bemühungen, aber zunächst ohne Erfolg: Julius Alt hatte mit einem abgefälschten Weitschuss kein Glück (60.), danach spielte sich die Holstein-Reserve zu oft in der VfL-Abwehr fest. Vorm eigenen Kasten hatten die Schleswig-Holsteiner zunächst Glück, als Julian Siegerts Schuss an den Pfosten kullerte und der Unparteiische kein Foul der Kieler an Steinwender pfiff, obwohl dieser beim Versuch, noch an den Ball zu kommen, gehindert wurde (75.). In Führung ging der VfL dennoch: Nur vier Minuten später kam Kai-Sotirios Kaissis an den Ball, drehte sich und zog ab – drin! Sechs Minuten vor dem Ende hatte Kaissis dann sogar den zweiten Treffer auf dem Fuß, doch sein Schuss strich über das Gehäuse. Was folgte, war Kulikas Auftritt kurz vor dem Ende und ein durchaus dennoch zurückhaltender Kiel II-Coach. „Ich hatte nur einen Punkt in Mathe...“, lachte Ole Werner, als er auf das noch ausstehende Match bei Teutonia und die Aufstiegschance seiner Elf angesprochen wurde.

„Man hat von der ersten Minute an gemerkt, dass es bei den Temperaturen beiden Teams schwer fiel, auf Tempo zu kommen. Beide Seiten haben versucht, viel den Ball zu halten. Entsprechend gab es wenig Chancen, wobei Oldenburg in der Summe mehr hatte. Insofern war die Führung nicht unverdient“, analysierte Werner weiter und konstatierte lobend: „Ich habe meinen Jungs gesagt, dass sie stolz auf das sein können, was sie nach dem 0:1 gemacht haben, wie sie reagiert haben. Wir haben uns als junge Mannschaft über die Saison entwickelt und jetzt eine gewisse Reife gezeigt – das war ausschlaggebend für den Punkt.“ Natürlich hätte seine Equipe zunächst „unsere liebe Mühe mit Pascal Steinwender, aber ab der 30. Minute haben wir ihn gut kontrolliert. Unsere Schlussviertelstunde war stark, den einen Punkt haben sich die Jungs erarbeitet“, sagte der Coach der „Jungstörche“, während VfL-Coach Dario Fossi schon in der Kabine verschwunden war. Der Ärger über den späten Ausgleich saß eben tief...

Jan Knötzsch 

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