29.03.2019

„Raubvögel“ ohne „Wildsau“, Vicky II „mit Glück“

„Sperber hätte das eine oder andere Tor verdient gehabt“

Die Spieler des SC Victoria II bejubelten einen alles in allem glücklichen 2:0-Sieg beim abstiegsgefährdeten SC Sperber. Foto: Kormanjos

„Wir hatten heute auch ein bisschen Glück“, huschte Hamid Derakhshan ein verschmitztes Lächeln über die Lippen. Der Trainer des SC Victoria II wusste genau, dass das Ergebnis am Ende des Tages das einzig Positive am Spiel seiner Mannen beim SC Sperber (alle Highlights im LIVE-Ticker) war. „Hier kann jede Mannschaft verlieren, da braucht man schon auch ein bisschen Glück“, so Derakhshan, der erklärend ausführte: „Hier kommt es nicht auf die spielerischen Mittel, sondern aufs Kämpfen, die Gier auf die zweiten und dritten Bälle, eine gute Mentalität und kleine taktische Kniffe an. Wir wussten ja, dass sich viele Mannschaften hier schwer getan haben.“

Ingo Glashoff musste erst einmal kurz durchschnaufen, ehe er nach der bitteren 0:2-Niederlage aus Sicht seines SC Sperber die Erkenntnis zog: „Wenn du da unten drin stehst, dann hast du einfach Pech!“ Groß etwas vorwerfen konnte er seiner Mannschaft nicht. „Sie hat gekämpft, mit Herz gespielt – und man hat gesehen, dass das eine Truppe auf dem Platz ist. Genau das, was uns oft auch gefehlt hat. Wenn alle Gas geben und mitmachen, dann steckt viel Potenzial drin.“ Was jedoch fehlte: ein Tor. Und damit verbunden auch die letzte Durchschlagskraft vor des Gegners Tor. Oder wie Glashoff meint: „Einfach so eine ‚Wildsau‘, die nicht großartig denkt, sondern einfach mal ‚Bupp‘ macht.“ Die größte Chance dazu hatte Leon Nielsen in der 79. Spielminute, als er auf halbrechts auf und davon war, nur noch Gäste-Keeper Henrik Bahlmann vor sich hatte – doch dann einen misslungenen Querpass spielte. Allerdings bekam der Sperberaner den Ball über Umwege zurück, schoss jedoch am verwaisten Gehäuse vorbei. „Wir hatten ja die Chancen, die hatten das Tor und den Elfmeter – mehr nicht. Wir haben super zugestellt und das, was wir besprochen haben, gut umgesetzt. Nur leider kann man sich davon nichts kaufen“, trauerte Glashoff den vergebenen Möglichkeiten hinterher.

„Sperber hat das toll gemacht“

Sperbers Leon Nielsen (li.) hätte den Ausgleich erzielen können, wenn nicht gar müssen. Archivfoto: Bode

Der Aufstiegsaspirant lief vor allem in den ersten 45 Minuten der Musik beim Abstiegskandidaten hinterher. Eine gelungene Aktion – Philipp Wolpers steckte für Michele Krüger durch, der Christoph Möhring umkurvte und zum 1:0 für Vicky II einschob (13.) – reichte aus, um mit einer schmeichelhaften Führung in die Kabine zu gehen. „Es ist grundsätzlich immer eine Umstellung für eine Mannschaft, die nur auf Kunstrasen trainiert, auf Rasen zu spielen. Dann muss man auf andere Tugenden setzen. In der zweiten Halbzeit haben wir es geschafft, ein bisschen souveräner aufzutreten“, befand Derakhshan – doch es blieb eine äußerst zähe Nummer. „Wenn man das Spiel neutral betrachtet, dann glaube ich, dass Sperber das eine oder andere Tor verdient gehabt hätte. Sie haben das toll gemacht“, hatte der Vicky II-Dompteur überaus lobende Worte für die „Raubvögel“ übrig. Aber: Das Tor machten wiederum die Mannen von der Hoheluft. In der Nachspielzeit hielt Keeper Möhring das Leder mit der Hacke im Rennen, ehe Markus Trilk mit einem bösen Querschläger Krüger in die Karten spielte. Der Führungsschütze bediente Melih Berber, der ein kleines Tänzchen wagte und dann von Marcel Willert umgeholzt wurde. Den fälligen und umstritten Strafstoß verwandelte Daniel Tramm sicher zur Entscheidung (90. +4)!

„Alle müssen dran glauben und sich reinhängen - dann holen wir die Punkte“

Daniel Tramm machte in der Nachspielzeit vom Punkt den Deckel drauf. Archivfoto: Bode

„Heute konntest du dich ja eigentlich nur auf kämpferischer Linie behaupten und versuchen, auf zweite und dritte Bälle zu gehen. Da hatten wir heute ein bisschen mehr Glück als Sperber“, bilanzierte Derakhshan, der froh war, „dass wir nach einer Niederlage wieder einen Sieg eingefahren und uns Sicherheit zurückgeholt haben“. Dem gegenüber stand Ingo Glashoff die pure Enttäuschung ins Gesicht geschrieben – und das, obwohl sein Team als krasser Außenseiter in die Begegnung ging. Nicht nur aufgrund der Tabellenkonstellation, sondern auch wegen der nicht aufhören wollenden Personalmisere. So fehlte unter anderem der gelbgesperrte Benjamin Baarz. Dennoch: „Wir wissen schon, was wir hier zu Hause können. Klar war uns bewusst, dass es nicht einfach wird, gegen Vicky II zu bestehen. Aber man hat ja gleich von der ersten Minute gesehen, dass die Truppe wollte und dass die Mannschaft intakt ist. Wir sind nicht untergegangen oder hinterhergelaufen, sondern im Endeffekt haben wir alle wichtigen Zweikämpfe im Mittelfeld-Zentrum gewonnen. Natürlich fehlte das Abschlussglück. Aber man weiß ja, wie das ist, wenn man da unten drin steht“, gab der SCS-Coach zu Protokoll, konstatierte aber zugleich: „Darauf kann man aufbauen.“ Denn: „Wir haben eine sehr gute Mannschaft. Es müssen nur alle dran glauben und sich reinhängen. Dann werden wir noch genug Punkte holen – auch wenn wir wissen, dass es nicht einfach wird, weil jedes Spiel ein Endspiel ist, wenn man da unten drin steht.“

Autor: Dennis Kormanjos

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