16.03.2019

Rahlstedts „Käpt'n'“ knipst, „Tornie“ tadelt: „...dann werden wir sang- und klanglos absteigen“

RSC feiert im Abstiegskampf wichtigen Auswärts-„Dreier“ in Düneberg

Feierstimmung: Die Spieler, Trainer und Betreuer des Rahlstedter SC bejubeln den Sieg. Foto: Knötzsch

Lukas Baake lief und lief und war irgendwie gar nicht mehr einzufangen. Der Man mit der Nummer sechs auf dem Rücken des roten, vom Regen inzwischen völlig durchnässten Trikot des Rahlstedter SC steuerte genau auf die Stehtraverse des Stadions am Silberberg zu und blieb dann kurz vor der Seitenlinie stehen. Der 22-Jährige streckte jubelnd die Arme aus und wartete einen Sekundenbruchteil – und dann waren sie da: seine Teamkollegen. Nacheinander fielen sich die Kicker des RSC um den Hals und jubelten. Über das glückliche Ende des Auswärtsspiels beim Düneberger SV (Hier gibt’s die Partie im Live-Ticker zum Nachlesen). Und das hatte Lukas Baake soeben herbeigeführt. 

Doch der Reihe nach: Im strömenden Regen, der von der ersten bis zur letzten Minute nicht aufhören wollte, hatten sich eigentlich schon alle mit einem 0:0 abgefunden. Doch wie heißt es so schön: Man soll den Tag nicht vor dem Abend und ergo das Match eben nicht vorm Abpfiff loben. Denn es sollte ganz anders kommen, als alle dachten: Paul Voß hatte den Ball am Fuß und steuerte auf den Strafraum der Düneberger zu. Fast hätte er ihn auch erreicht, doch dann stellte sich ihm links kurz vorm „Sechzehner“ Lucas Gottschalg in den Weg. Mit Folgen: Der DSV-Spieler foulte den eingewechselten Rahlstedter, Schiri Devin Wengorz (TuS Hamburg) eilte heran und ahndete das Vergehen. Der Referee zückte die Rote Karte, weil Gottschalg bei seinem Foul aus Sicht des Unparteiischen letzter Mann gewesen war, und entschied auf Freistoß. Eine Sache für Lukas Baake. Der RSC-Kapitän griff sich die Kugel, übernahm Verantwortung und versenkte das Leder aus rund 23 Metern zum 1:0 für die Gäste in den Maschen. Das war in der dritten Minute der Nachspielzeit. Knappe sechzig Sekunden später war Schluss – und Dennis Tornieporth war bedient.

Hinrichs: „Die erste Halbzeit war so wie das Wetter – also scheiße“

Matchwinner: Rahlstedts Kapitän Lukas Baake traf in der Nachspielzeit zum 1:0-Sieg. Archivfoto: Bode

Restlos bedient sogar. Der Coach des Düneberger SV verschwand in Richtung Kabine und wurde zunächst auch nicht mehr gesehen. „Ich musste mich erst einmal zwei Stunden lang abreagieren. Das war gut so, sonst hätte ich die falschen Worte gewählt“, erklärte Tornieporth später. An seinem Gemütszustand aber hatte sich nicht viel geändert. „Ich bin fassungslos. Ich bin erschüttert und enttäuscht über die Leistung, die wir abgerufen haben. Damit kann ich mich überhaupt nicht identifizieren, das ist überhaupt nicht mein Anspruch. Mit so einer Leistung haben wir in der Landesliga nichts zu suchen. Wenn wir nicht in jedem Spiel ans Limit gehen, dann werden wir sang- und klanglos absteigen“, machte der Coach der Hausherren seinem Unmut Luft und ließ den Blick auf die entscheidende Szene schweifen: „Die Rote Karte ist aus meiner Sicht berechtigt. Von daher hat der Schiedsrichter alles richtig gemacht.“ Und in der Tat: Sowohl bei der Notbremse als auch bei den beiden Gelben Karten gegen Steve Theis binnen drei Minuten (82., 85.), die für den Rahlstedter in Summe dann eben „Gelb-Rot“ ergaben, lag Spielleiter Wengorz richtig.

Dass sie alles richtig oder gut machten – selbiges konnte man von den beiden Teams auf dem Platz nicht behaupten. „Die erste Halbzeit war wie das Wetter – also scheiße“, redete Rahlstedts Coach Bastian Hinrichs gar nicht erst um den heißen Brei herum und auch Tornieporth hatte eine klare Meinung, die er aber aufs ganze Match bezog: „Das war, ohne jemandem zu nahe treten zu wollen, Not gegen Elend. Ein typisches Null-zu-Null-Spiel, das am Ende einen glücklichen, aber nicht unverdienten Sieger gefunden hat.“ Dabei hätte das Pendel in der Schlussphase zumindest in eine Szene auch in die andere Richtung ausschlagen können. Nach 87 Minuten nämlich. In jenem Augenblick war der Ball zu Kevin Hoffmann gekommen, der links kurz vor der Strafraumgrenze abzog. Die Kugel kam tatsächlich durch und flog Richtung Kasten. Das einzige Ärgernis aus Sicht der Düneberger und des Schützens: Das runde Leder schlug nicht im Netz ein. Stattdessen kratzte Alexander Hintz das Spielgerät in höchster Not von der Linie und die Gelegenheit für den DSV war dahin. Das Ende ist bekannt.

Tornieporth: „Haben alles vermissen lassen, was wir in den letzten Spielen grandios umgesetzt haben“

Ohne Erfolg: Auch die Einwechselung von Artur Ketschojan (re.) kurz vor Schluss half DSV-Coach Dennis Tornieporth nicht. Foto: Bode

Und entsprechend euphorisiert war Bastian Hinrichs nach dem Schlusspfiff. „Das ist mega geil. Fast mit dem Abpfiff das 1:0 im Abstiegskampf zu erzielen und zu gewinnen – besser geht's nicht“, befand der Übungsleiter der Rahlstedter, dem aber auch nicht verborgen geblieben war, dass „das in der ersten Hälfte Abstiegskampf pur“ war: „Jeder hatte Angst, den ersten Fehler zu machen.“ Erst nach dem Seitenwechsel kamen die Gäste ihrerseits besser ins Spiel. „Die klare Ansage war: Jungs, da müsst ihr mehr machen. Und je länger das Spiel lief, desto mehr haben sie auch gemacht. Wir haben Chancen gehabt und waren vorne deutlich besser. Aufgrund der zweiten Hälfte haben wir das Spiel verdient gewonnen“, so Hinrichs. Mit dem Sieg zog der RSC nach Punkten mit dem DSV gleich und tabellarisch wegen des besseren Torverhältnisses sogar vorbei. Zeit für neuen Mut im Kampf um den Klassenerhalt? „Um in der Liga zu bleiben, war der Sieg enorm wichtig. Gegen Teams wie Ohe oder Bramfeld kann man unkten, muss man aber nicht. Gegen Teams wie Düneberg, Elazig oder sonst wen, der da unten drin steht, müssen wir einfach punkten, um drinzubleiben. Wenn wir hier nichts holen, dann wäre es mega schwer für uns geworden“, sagte Hinrichs.

Nicht einfacher wird durch die erste Niederlage nach zuletzt drei Siegen die Lage auch für Rahlstedts Kontrahenten. „So wie heute geht das nicht. Ich hoffe, das hat jetzt auch der Letzte im Team gemerkt. Wir haben die Chancen kläglich vergeben. Da sieht man, das wir zurecht da unten drin stehen. Es wird bis zum letzten Spieltag dauern, ehe wir eventuell die Rettung an den Tag ziehen“, ist sich Dennis Tornpeoorth sicher, dass die verbleibenden Spiele für den DSV alles andere als ein Zuckerschlecken oder gar ein Selbstgänger werden. Zumindest im Spiel gegen den RSC aber hatte man phasenweise den Eindruck, die Mannschaft würde es zu locker angehen – frei nach dem Motto: Drei Mal hat's zuletzt geklappt, warum nicht auch heute?! Für „Tornie“ hatte sich der Auftritt „in der Trainingswoche angedeutet. Die Mannschaft war fahrlässig und übermütig. Wir haben alles vermissen lassen, was wir in den letzten beiden Spielen grandios umgesetzt haben – vom Einsatz über die Laufleistung bis hin zur individuelle Klasse. Diesmal muss man sagen: Wenn mehr als 50 Prozent ein Totalausfall sind, kannst du das nicht auffangen.“

Jan Knötzsch  

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