Oberliga

Ra(h)n an die Punkte: Meiendorf spielt stark, Hamm schlecht – und gewinnt dennoch

30. November 2019, 19:55 Uhr

Mit zwei Treffern avancierte Stephan Rahn für Hamm United zum Matchwinner in Meiendorf. Foto: Bode

Wer das Oberliga-Duell zwischen dem Meiendorfer SV und Hamm United nicht verfolgt hatte und nach dem Spiel das hörte, was auf Seiten des HUFC gesagt wurde, der dürfte sich im falschen Film gewähnt haben. Gegenüber „hafo.de“ konstatierte Hamms Manager „Jassi“ Huremovic: „Das hatte nichts mit Oberliga-Fußball zu tun“ – und United-Präsident Jörn Heinemann erklärte sogar, in der Kabine eine etwas lautere Ansprache gehalten zu haben. Moment: Schlecht? Laute Ansprache? Die „Geächteten“ hatten doch soeben mit 3:2 in der Flens-Arena triumphiert!? Ja, richtig – aber mit Ruhm eben hatte sich das kickende Personal aus dem Hammer Park nicht bekleckert. Und das, wo man nach der Roten Karte gegen Meiendorfs Marcin Hercog nach einer Notbremse doch 80 (!) Minuten in Überzahl gespielt hatte.

Da war es nur gut, dass der HUFC jemanden wie Stephan Rahn in seinen Reihen hatte. Mit 37 Jahren ein „Oldie“, anderswo vielleicht einer fürs Abstellgleis – nicht aber in Hamm! „Rahner“ brachte sein Team zunächst mit 1:0 in Führung (11.), dann glich Tolga Tüter für den MSV aus (28.) und Lukasz Sosnowski erhöhte per Foulelfmeter sogar auf 2:1 für die Schützlinge von Baris Saglam, die am Ende dennoch mit leeren Händen dastanden. Weil Adrian Sousa erst zum 2:2 traf (83.) und dann Rahn neuerlich erfolgreich war – zwar nicht. so wie einst sein Namensvetter Helmut Rahn bei der Weltmeisterschaft 1954 im Finale gegen Ungarn, aus dem Hinterhalt schießend, dafür aber per Kopf.

Saglam: „Der Schiedsrichter hat zu schnell Einfluss auf das Spiel genommen“

Bedienter Blick: Das Team von MSV-Trainer Baris Saglam war die bessere Mannschaft, stand am Ende aber mit leeren Händen da. Foto: Bode

„Wir machen es halt immer spannend“, stellte Sidnei Marschall nach dem Spiel via „hafo.de“ fest. „Ich habe ja schon neulich gesagt, dass meine Mannschaft ein Phänomen ist (nach dem Spiel gegen Buchholz, Anm. d. Red.). Wir haben gut angefangen, machen direkt nach der Szene mit der Roten Karte das 1:0 – und dann haben wir komplett aufgehört Fußball zu spielen. Das war nicht gut“, befand der United-Übungsleiter und ergänzte: „Ich hatte das Gefühl, dass wir in Unterzahl sind. In der Pause haben wir uns fest vorgenommen, hier auf jeden Fall drei Punkte zu holen. Mir ist im Moment auch völlig egal, wie wir gespielt haben und wie der Sieg zustande gekommen ist. Hauptsache drei Punkte! Alles andere werden wir am Montag besprechen.“ Redebedarf hatte auch Baris Saglam nach dem Spiel, obwohl er gegenüber „hafo.de“ zunächst einmal zugab: „Das ist wirklich schwierig in Worte zu fassen.“ Seine Mannschaft habe, so der MSV-Coach, „Leidenschaft gezeigt und den Gegner dominiert – und das über 80 Minuten und in Unterzahl. Wir sind permanent draufgegangen und haben Hamm keine Luft zum Atmen gelassen. Es ist daher einfach nur schade, dass die Jungs für den ungeheuren Aufwand nicht belohnt wurden.“ 


Anschließend im Mittelpunkt der Spielanalyse des Meiendorfer Übungsleiters: Referee Jorrit Eckstein-Staben (SC Wentorf). „Ich bin zwar kein Freund davon, den Schiedsrichter zu kritisieren, aber diesmal muss ich das einfach loswerden: Er hat zu schnell Einfluss auf das Spiel genommen. Die Rote Karte muss man nicht geben. Meiner Meinung nach war Hercog nicht letzter Mann und es war nur ein ganz kleiner Kontakt da. Auf der anderen Seite wurde Tolga Tüter in einer ganz ähnlichen Szene gefoult, da gab es nur Gelb. Es gab gefühlt sechs Wechsel, fünf wirkliche und dann nur eine Minute Nachspielzeit. Das finde ich etwas wenig bei den ganzen Unterbrechungen. Vielleicht wollte er schnell ins Warme“, resümierte der MSV-Coach mit einem Augenzwinkern, ehe er abschließend dann sagte: „Natürlich ist der Schiedsrichter nicht schuld an unserer Niederlage. Wir dürfen bei drei Standards nicht solche Fehler machen. Aber er hatte heute wesentlichen Einfluss. Meiner Mannschaft kann ich keinen großen Vorwurf machen.“

Jan Knötzsch 

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