09.02.2019

(Punkte-)Spaß trotz „Fuß vom Gas“: Cordi nimmt MSV „gefühlten Sieg“ ab

Dramatische Schlussphase: Nach 0:2 gleicht Meiendorf aus, doch Gäste schlagen nochmal zu

Am Ende durfte Cordi nach dem Treffer in der Nachspielzeit jubeln. Foto: KBS-Picture.de

Am Ende hielt es Frederic Böse nicht mehr in seinem Kasten. Der Schlussmann von Concordia setzte in der Nachspielzeit des Auswärtsspiels beim Meiendorfer SV (Hier gibt’s das Spiel zum Nachlesen im Live-Ticker) zum Lauf in die gegnerische Hälfte an. Als er angekommen war, breitete der Mann im orangenen Dress die Arme aus und tat das, was seine anderen Teamkollegen auch machten: Er umarmte Maurizio D'Urso und jubelte. Diese Szenen, die sich in der vierten Minute der „Overtime“ vor den 211 Zuschauern in der Flens-Arena abspielten, hatten eine Vorgeschichte. Die hatte sich Sekunden zuvor ereignet – und die finale Phase eines lange nicht unbedingt hochklassigen Oberliga-Spiels noch einmal auf den Kopf gestellt.

Was war passiert? Nun, es lief bereits die letzte reguläre Minute des Matches, als Michael Sara für den MSV zur Tat schritt und den Ball aufs Tor brachte. Cordi-Torhüter Böse flog durch die Luft, ebenso wie das Spielgerät. Die Wege der Kugel und des Keeper kreuzten sich. Böse parierte. Doch die Situation war noch nicht entschärft. Der Ball kam zu Andrej Blum. Und der netzte ein – 2:2. Der MSV hatte damit tatsächlich ausgeglichen. Doch die Gastgeber hatten die Rechnung ohne D'Urso und Kevin Zschimmer gemacht: Letzterer flankte in der 94. Minute von links das Spielgerät butterweich in die Box, am ersten Pfosten stand D'Urso – und der nickte ein. 3:2 für Cordi. Meiendorfs erkämpfter einer Punkt? Wie gewonnen, so zerronnen...

Saglam: „Es ist unglücklich gelaufen, aber wir haben trotzdem viel Positives gesehen“

Allein gegen drei: Cordis Maurizio D' Urso (li.) netzt trotz der Meiendorfer Überlegenheit in dieser Situation ein. Foto: KBS-Picture.de

„Es ist schwierig, dafür jetzt Worte zu finden. Es ist schade, wir sind emotional getroffen“, konstatierte MSV-Coach Baris Saglam etwa eine Viertelstunde später im Rahmen des Pressekonferenz und bekannte dann freimütig: „Ich muss sagen: Ich kann den Jungs keinen Vorwurf machen. Wir hatten in der 90. Minute einen gefühlten Sieg in der Tasche, Sekunden später kassieren wir das 2:3. Es ist unglücklich gelaufen. Aber trotzdem haben wir viel Positives gesehen.“ Was das war? In erster Linie die Schlussphase der Partie, in der der MSV es tatsächlich geschafft hatte, einen 0:2-Rückstand zu egalisieren. Nachdem Cordi zunächst in der 15. Minute in Führung gegangen war, als Theodoros Ganitis die Kugel zu Benjamin Bambur durchsteckte und dieser klug nach innen zu D'Urso legte und der traf, erhöhte die Elf von Coach Frank Pieper-von Valtier nach 52 Minuten durch Chris Heuermann. Der Winter-Neuzugang der Gäste profitierte dabei davon, dass ihm der Ball im Strafraum nach einem Pressschlag vor die Füße flog. Spätestens, als Marcin Hercog auf Seiten des MSV mit „Gelb-Rot“ vorzeitig runter musste (63.), schien die berühmte sprichwörtliche Messe gelesen.

Doch nichts da: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. In diesem Fall war es ein Freistoß, der die Hoffnungen der Hausherren noch einmal aufkeimen ließ. Nach einem Foul von Christian Rohweder an Blum zog Sara aus rund 20 Metern ab, Cordis „Goalie“ Böse machte nicht die allerbeste Figur – und der Ball lag schließlich im Netz. Als dann auf Seiten der Gäste auch noch Ganitis die „Ampelkarte“ sah (69.), wuchsen die Hoffnungen der Meiendorfer auf zumindest einen Zähler neuerlich an. In der 90. Minute hatten sie ihn dann sicher, um ihn nur kurze Zeit später eben doch wieder aus der Hand zu geben. „Ich freue mich, dass wir bis zum Schlusspfiff noch die Ruhe hatten, einen Angriff so zu Ende zu spielen und in der Situation dann eben mit Zschimmer und D'Urso auch noch die Qualität, diesen Angriff auf den Punkt genau zu Ende zu bringen“, freute sich Gästetrainer Pieper-von Valtier, während sein Gegenüber Saglam feststellte: „Die Mannschaft hat Charakter beweisen. Sie haben bis zum 2:2 aufgedreht. Hut ab vor der Leistung.“

Pieper-von Valtier: „Leider haben wir zu viel quer und zu selten in die Tiefe gespielt“

Sünder unter sich: Sowohl Cordis Theodoros Ganitis (li.) als auch Marcin Hercog sahen in der zweiten Hälfte die Gelb-Rote Karte. Foto: KBS-Picture.de

In seiner Sicht, so Saglam weiter, „haben wir das Spiel die ganze Zeit bestimmt. Wir haben nur auf eine Hälfte gespielt und Cordi kaum rausgelassen, Nur durch Konter. Wir haben unseren Fokus auf die Offensive gelegt, das hat man immer wieder gesehen. Das Einzige, was uns gefehlt hat, war die Chancenverwertung im letzten Drittel.“ Auf der anderen Seite aber lobte Saglam, „wie wir uns unter Druck herausgespielt haben und die Übersicht hatten. Es ist einfach nur schade, dass die Jungs sich für den Aufwand nicht belohnen konnten. Dennoch stimmt es uns zuversichtlich, dass wir an uns glauben, unsere Stärken ausspielen und den Gegner weit vom eigenen Tor weghalten konnten. Wir haben nur zwei Situationen gehabt, wo wir geschlafen haben. Beim 0:1 zeigt sich die individuelle Qualität von Ganitis, als er den Ball durchsteckt. Beim zweiten Gegentreffer hat Max Rossenburg unglücklich versucht, zu verteidigen und der Ball fliegt vor die Füße des Gegners.“ 

„Wir haben eine Stabile erste Halbzeit gespielt“, analysierte derweil Frank Pieper-von Valtier. „Leider haben wir zu viel quer und zu selten in die Tiefe gespielt. Wir haben immer noch wen anderen gesucht, der die Verantwortung übernimmt. Deswegen haben wir uns nicht ganz so viele Chancen herausgespielt, sind aber trotzdem mit dem verdienten 1:0 in die Pause gegangen“, so der Cordi-Coach, der anschließend einen „sehr guten“ Start in die zweite Hälfte sah: „Da müssen wir dann beim Stand von 2:1 eigentlich auf 3:1 erhöhen. Wir haben zwei klare Chancen, die wir nicht nutzen.“ Stattdessen, das war auch dem Übungsleiter der Gäste nicht entgangen. „haben wir dann ab der 70. Minute unnötig ein bisschen den Fuß vom Gas genommen.“ Eine Folge des Platzverweises gegen Ganitis, wie Pieper-von Valtier befand: „Die Gelb-Rote Karte ist für uns nicht ganz nachvollziehbar, weil Theo provoziert wird, der Schiri aber beiden Gelb gibt. Und sie ist ärgerlich, weil wir ihn eigentlich gerade auswechseln wollten.“ Erfreulich statt ärgerlich aus Sicht des Concorden-„Dirigenten“: „Wir haben aufopferungsvoll gekämpft und einiges abgewehrt, was Meiendorf hätte zählbar machen können.“ Aber: „Wir haben bis auf den letzten Angriff unsere Konter auch nicht so effektiv und zielgerichtet ausgespielt, wie wir es trainiert hatten“, schloss Pieper-von Valtier seine Analyse.

Jan Knötzsch 

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