LOTTO-Pokal

Poppenbüttel verärgert: „Bedauerlicherweise hat der Schiedsrichter das Spiel entschieden!“

05. November 2021, 22:14 Uhr

Erzielte das umstrittene Buchholzer Siegtor: Jonas Fritz. Foto: Bode

Ein Corona-Fall brachte den TSV Buchholz 08 in der Vorwoche aus dem Tritt und sorgte dafür, dass die Oberliga-Partie gegen den HEBC ausfallen musste. Nun durften die Nordheider wieder ran – im Pokal gegen den zwei Klassen tiefer kickenden SC Poppenbüttel. Reine Formsache? Mitnichten! Die Mannen von der Bültenkoppel sind nach der Auftaktniederlage gegen den FC Alsterbrüder II (1:3) so richtig ins Rollen gekommen und eilen in der Bezirksliga-Staffel 4 von Sieg zu Sieg – und wie! Kein Wunder, schließlich kann SCP-Chefcoach Yorck Männich auf etliche höherklassig erfahrene Akteure zurückgreifen...

Der TSV Buchholz 08 (li.) und der SC Poppenbüttel schwören sich vor dem Anpfiff noch einmal ein. Foto: Kormanjos

Den Fußballplatz als Aktiver hat er inzwischen hinter sich gelassen und gegen die Funktion des Liga-Managers beim SC Poppenbüttel eingetauscht: Am Freitagabend feierte Fabian Bleek seinen 34. Geburtstag und wurde nach dem Pokalspiel vom „Stadionsprecher“ vor versammelter Mannschaft und den Fans geehrt. Als Bleek zum Mikrofon griff und sich artig bedankte, war die Stimmung dennoch nicht die allerbeste: „Bedauerlicherweise hat der Schiedsrichter das Spiel entschieden“, war Bleek noch immer aufgebracht – und sprach damit die entscheidende Aktion der Pokalpartie gegen den Oberligisten an.

Yamrali bei Buchholzer Siegtor gefoult?

Es lief die 77. Spielminute, als die bis dato weitestgehend einfallslosen Gäste nach einem Ballgewinn schnell umschalteten. Über Jakob Schulz kam der Ball auf der rechten Seite zu Tizian Backhaus – und nach dessen Hereingabe ging es hoch her. Dominik Fornfeist und der eingewechselte Milaim Buzhala versuchten, im Gewühl die Oberhand zu behalten und das Runde ins Eckige zu drücken. Erstgenannter brachte bei jenem Versuch den Poppenbütteler Ata Yamrali zu Fall. Nicht nur der Joker des SCP protestierte und reklamierte vehement, während das Leder im Rückraum bei Jonas Fritz landete und dieser schließlich vollstreckte. Grenzenloser Jubel bei den Nordheidern, purer Frust bei den Hausherren!

"Für mich war es ganz klar ein Foulspiel"

Foto: Kormanjos

Nicht nur Keeper Jan Haerting war überaus aufgebracht, dass Schiedsrichter Ivan Feric den Treffer anerkannte. „Das Tor war natürlich mega unglücklich“, ärgerte sich Yorck Männich im Nachgang. „Ich bin sehr weit weg. Aber für mich war es ganz klar ein Foulspiel, für die Spieler auch.“ Doch damit war es noch nicht vorbei. Der Unparteiische zog daraufhin eine ganz große Show ab, zeigte den Poppenbütteler Auswechselspielern Hendrik Wolfgramm und Maximilian Rohrbach den roten Karton und zückte zudem diverse Gelbe Karten. „Ich habe den Schiedsrichter ganz ruhig gefragt, warum er nicht den Linienrichter fragt – und dann fängt er an, wie wild die Karten zu ziehen“, war auch Männich selbst betroffen. „Wir müssen es akzeptieren, aber es ist bitter!“

"Ich kann's verstehen, wenn der Gegner dort ein Foul sieht"

SCP-Co-Trainer Lars Scheer (re.) pushte seine Mannen immer wieder nach vorne und ballte bei jedem Ballgewinn die Fäuste. Foto: Kormanjos

Sein Gegenüber befand: „Ich stehe 25 Meter weit weg und sehe aus meiner Perspektive kein Foul.“ Allerdings gestand Nabil Toumi auch: „Ich kann‘s verstehen, wenn der Gegner dort ein Foul sieht.“ Der Treffer zählte aber und Buchholz war nun obenauf – zumindest vom Ergebnis her. „Ich ärgere mich, dass wir nach der Führung den Kopf so sehr verlieren. Das darf eigentlich nicht passieren“, bemängelte Toumi das, was seine Schützlinge in der Folge aufs Parkett brachten. „Wir führen 1:0, die werfen alles nach vorne und wir haben überall Raum, brauchen den Ball nur anzunehmen, sauber zu spielen und laufen dann alleine aufs Tor zu.“

Stattdessen ließ man sich an den eigenen Sechzehner drängen und hatte in der Nachspielzeit riesengroßes Glück, dass der starke Tim Burgemeister das Weiterkommen des Oberligisten rettete. Der Schlussmann der 08er entschärfte einen abgefälschten 17-Meter-Schuss von Ferris Pressel gegen die Laufrichtung in sensationeller Manier (90. +5)! Wie seine Mannen nach dem Führungstor agierten, habe ihn „mehr geärgert, als die Tatsache, dass wir vorher nicht noch mehr klarere Situationen hatten“, so Toumi.

Fornfeist versiebt "Tausendprozenter"

Der spätere Siegtorschütze Jonas Fritz (re.) im Duell mit dem Ex-Barmbeker Louis Mandel. Foto: Kormanjos

Aber der Reihe nach. Er ist schon so etwas wie das „Aushängeschild“ des SC Poppenbüttel. Und auch Malte Findeisen kann bereits auf eine Vergangenheit in anderen sportlichen Gefilden beim Bramfelder SV zurückblicken. Vor dem Pokalduell mit Buchholz 08 machte er seine Mannen im Teamkreis mit lautstarken und emotionalen Worten noch einmal so richtig heiß. Der Respekt des Bezirksligisten vor den Nordheidern war zu Beginn dennoch groß. Nicht einmal 120 Sekunden waren an der „Bülte“ vorüber, als Dominik Fornfeist das fast unmöglich erscheinende Kunststück vollbrachte, eine perfekt getimte Hereingabe von Cedric Fuß aus zwei Metern über das Gehäuse zu bugsieren. Es wäre der Auftakt gewesen, den sich die Gäste nach der Corona-Pause gewünscht und wohl auch erträumt hätten.

Winkel fordert Burgemeister

Foto: Kormanjos

Stattdessen biss sich der Underdog in der Folge in die Partie und konnte sie zuweilen nicht nur offen gestalten, sondern war einer Führung sogar näher. In der 35. Spielminute zwang der langjährige Oberliga-Recke Stefan Winkel mit seinem Abschluss aus 13 Metern Gäste-Keeper Tim Burgemeister zu einer famosen Glanztat. Ein starker Auftritt der Hausherren! Einer, der aus Sicht der Männich-Mannen Lust auf mehr machte. Dementsprechend heiß und motiviert kam Poppenbüttel aus der Kabine. Aber: „Wo ist Buchholz?“, fragte Marko Ahrens, als sein Team schon bereitstand, die Gäste allerdings noch auf sich warten ließen. Auch das Buchholzer Spiel hakte weiter. Obwohl Männich mehrfach forderte: „Leute, ein bisschen wacher jetzt wieder!“ Oder auch: „Nicht zu tief!“ Während Co-Trainer Lars Scheer seine Equipe immer wieder zum „Arbeiten“ aufforderte, wurde der Bezirksligist defensiv kaum gefordert. Bis zur 77. Minute, als Spiel und Stimmung komplett kippten.

"Poppenbüttel hat das vernünftig gemacht"

„Das ist Pokal. Man muss halt immer schauen, wie so ein Spiel läuft. Wenn wir in den ersten zehn Minuten das Tor machen, kann es klarer werden. Aber so lange es eng bleibt, muss man aufpassen, dass man den Kopf nicht verliert und ein Gegentor bekommt“, konstatierte B08-Übungsleiter Toumi, der hinterher mutmaßte, ob die Corona-bedingte Trainingspause in der Vorwoche „vielleicht doch ein paar Körner gekostet“ habe. Allerdings fand er auch anerkennende Worte für den Kontrahenten: „Poppennüttel hat das vernünftig gemacht und versucht, Fußball zu spielen. Das ist ja auch ein Ansatz für einen Bezirksligisten. Sie haben ein paar gute Jungs in der Mannschaft. Dementsprechend war es ein enges Spiel.“

"Waren entschlossen, das Spiel zu gewinnen"

Der starke Ferris Pressel (li.) beim Einwurf. Foto: Kormanjos

Männich zog ein ziemlich nüchternes Fazit: „Am Ende gibt einem das Ergebnis immer Recht. Aber es hat mir gut gefallen, wie wir aufgetreten sind. Wir hatten unsere Möglichkeiten und ich bin stolz auf die Truppe. Aber trotzdem muss man das erstmal runterschlucken. Denn wir waren entschlossen, das Spiel zu gewinnen. Das hat man auch gesehen. Wir sind mutig aufgetreten, haben ein gutes Spiel gemacht, hatten unsere Chancen, den Ball und auch viele Spielanteile. Wir haben auch versucht, spielerische Lösungen zu finden. Das gibt uns Mut und hat uns gezeigt, dass wir gegen zwei Klassen höher spielende Mannschaften bestehen können.“

Autor: Dennis Kormanjos

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