Landesliga Hammonia

Poppenbüttel poliert, Nienstedten rasiert: „Im Endeffekt muss es 6:1 oder 7:1 ausgehen!“

24. September 2022, 00:41 Uhr

Kollektiver Jubel der Spieler vom SC Nienstedten nach dem 4:1-Erfolg beim Tabellenzweiten aus Poppenbüttel. Foto: noveski.com

„Am Schluss muss man ehrlicherweise froh sein, dass man nur 1:4 verliert. Das war doch etwas schockierend“, machte Thomas Braun keinen Hehl aus seiner Enttäuschung. „Heute haben wir wirklich nur gespielt, wie ein Aufsteiger. Das müssen auch wir erstmal sacken lassen und reflektieren“, so der Co-Trainer des SC Poppenbüttel nach der Heim-Klatsche gegen den bis dato unberechenbaren SC Nienstedten (alle Highlights im LIVE-Ticker). „Unterm Strich hat man solche Tage mal. Aber ich war mir vorher eigentlich sicher, dass wir ein gutes Spiel machen werden. Deshalb überrascht es mich umso mehr, dass wir es einfach nicht geschafft haben, den Schalter während des Spiels irgendwann mal umzulegen.“

Nach dem harten Einsteigen von SCN-Keeper Bendix Ergezer (Mi.) gegen Mert Özel hatte der Gast Glück, dass es früh im Spiel keinen Strafstoß gab, wie auch Jakob Münzner gestand. Foto: noveski.com

Schon vor dem Spiel ereilte den SC Poppenbüttel die erste Hiobsbotschaft: Unmittelbar vor Anpfiff deutete Moritz Mandel auf den Oberschenkel und signalisierte, dass er nicht würde spielen können. Für ihn rückte Torben Lindholm nach dem Mannschaftskreis noch kurzfristig in die Startelf. Als knapp über eine halbe Stunde an der Bültenkoppel gespielt war, folgte der nächste Schock: Im Duell mit Louis Burgheim kam Stefan Winkel noch in der eigenen Hälfte zu Fall. Die Schmerzen waren deutlich zu hören. Zwar versuchte der Top-Torjäger alles, um sich die Verletzung am Knöchel noch einmal rauszulaufen und kam tatsächlich zurück auf das Feld. Aber in der 42. Minute sendete er das Zeichen: Es geht nicht weiter! Gestützt von zwei Mitspielern musste Winkel in der Halbzeit vom Platz getragen werden. Von dieser Stelle: Die allerbesten Genesungswünsche!

"Ich befürchte, dass da was mit den Bändern sein wird"

Louis Burgheim (re.) und sein Keeper Bendix Ergezer fallen sich nach dem Führungstor jubelnd in die Arme. Foto: noveski.com

„Natürlich kam das noch dazu. Aber wir dürfen uns nicht auf Stefan Winkel reduzieren. Wir hatten immer noch genügend Qualität auf dem Platz“, beschwichtigte Co-Trainer Thomas Braun – und nahm die Mannschaft in die Pflicht. Angesprochen auf erste Ferndiagnosen, entgegnete er: „Ich weiß nur, dass er einen Schlag auf den Knöchel bekommen hat und dabei leicht umgeknickt ist. Ich befürchte, dass da was mit den Bändern sein wird. Aber da können wir jetzt noch nicht viel zu sagen.“

Während der ersten 45 Minuten setzte sich das Dilemma auch auf dem grünen Geläuf fort. Poppenbüttel bekam überhaupt keinen Zugriff, agierte ohne Biss und Tempo. Ganz im Gegensatz zu Nienstedten. Nicht nur Daniel Tönges, der nach einem verunglückten Haerting-Abschlag und anschließendem Steckpass von Leopold Hinz völlig freistehend am langen Eck vorbei zielte (9.), hätte den Gast in Front bringen können, wenn nicht gar müssen. Jakob Münzner – nach toller Stafette über Burgheim und Kristijan Jozic – hatte Jan-Philipp Haerting sogar schon überwunden. Allerdings kratzte Ferris Pressel die Kugel gerade noch von der Linie (24.). Und kurz vor der Pause konnten sowohl Münzner (blieb an Haerting hängen) als auch Jozic (traf den Pfosten) sowie Leroy Celotto (schoss nach einer Ecke am langen Eck vorbei) das Runde nicht im Eckigen unterbringen (42.). Wahnsinn!

Nienstedten betreibt puren Chancenwucher

Das 0:2: Im x-ten Anlauf stochert Nienstedten-Captain Yannick Reutter das Runde ins Eckige.

„Das wird unsere Halbzeit“, trieb SCP-Schlussmann Haerting seine Mannen nach Wiederanpfiff an und wollte das Feuer beim Tabellenzweiten entfachen. Der für Winkel in die Partie gekommene Max Selch brachte die notwendige Einstellung mit ins Spiel und hatte auch die Möglichkeit zur Führung. Sein Abschluss war aber zu harmlos und stellte Bendix Ergezer vor keine großen Probleme (49.). Doch das war‘s dann auch schon wieder mit der Poppenbütteler Herrlichkeit. Was folgte, war eine Fortsetzung des Chancenwuchers der Ehlers-Equipe. Die Krönung: Nach einem kapitalen Bock in der Hintermannschaft des SCP schoss Tönges das Spielgerät völlig freistehend, unbedrängt und ohne jegliche Gegenwehr aus sieben Metern am linken Pfosten vorbei (57.)!

Doppelschlag bringt SCN-Triumph auf den Weg

Das 1:3: Louis Burgheim (3. v. re.) nimmt vom rechten Strafraumes Maß - und trifft mit Hilfe des linken Innenpfostens. Foto: noveski.com

Kurz darauf platzte auch SCN-Coach Tim Ehlers nach der nächsten vergebenen Chance der Kragen: „Maaaaaaaannnn“, schrie er – und schlug die Hände vor lauter Verzweiflung vors Gesicht. Ein Weckruf? Offensichtlich! Yannick Reutter eroberte in der Defensive gegen Louis Mandel den Ball und ließ den Ex-Barmbeker spielend stehen. Münzner setzte sich im Zentrum gegen zwei Gegenspieler durch und chippte die Kugel über die Kette auf den startenden Tönges, der per Heber über Haerting hinweg in den linken Giebel traumhaft vollendete (71.)! Der Bann war gebrochen – und die Mannen vom Quellental legten gegen völlig konfuse Hausherren nach. Eine Münzner-Ecke von links köpfte Celotto am zweiten Pfosten quer. Und Reutter stocherte das Runde im gefühlt achten Anlauf ins Eckige – 0:2 (73.)!

Aufbäumen nach Anschluss? Komplette Fehlanzeige!

Das 1:4: Daniel Tönges setzte einen Kunstschuss unter die Latte und wurde anschließend geherzt. Foto: noveski.com

Zwar hatte Poppenbüttel durch einen 25-Meter-Strahl von Mert Özel die prompte Antwort parat (74.)! Ein Aufbäumen blieb aber auch danach gänzlich aus. Mit Hilfe des linken Innenpfostens schweißte Burgheim das Spielgerät aus 16 Metern halbrechter Position ins lange Eck (82.), ehe Tönges in der Nachspielzeit den krönenden Schlusspunkt setzte. Nach einem schnell ausgeführten Özel-Freistoß, der den vor sich postierten Gegenspieler „anpikte“, ließ der Unparteiische laufen. Während Tönges blitzschnell schaltete und den Ball aus 30 Metern ins komplett verwaiste Gehäuse bugsierte (90. +4)! Ein auch in dieser Höhe absolut verdienter Erfolg der Gäste aus Nienstedten!

"Die Tabelle spricht nicht für sich"

Max Selch (li.) hatte zu Beginn der zweiten Halbzeit die Chance zur Führung. Sein Abschluss war aber zu harmlos und unplatziert. Foto: noveski.com

„Mit der Leistung bin ich sehr zufrieden, mit der Chancenverwertung ganz und gar nicht“, konstatierte SCN-Akteur Münzner, der zwei Jahre lang mit einem Profivertrag beim FC St. Pauli ausgestattet war, knapp drei Jahre lang Stammspieler bei der U23 der Kiezkicker war und seit dieser Saison wieder für seinen Heimatverein kickt. „Wir müssen viel eiskalter vor dem Tor sein. Ich denke, im Endeffekt kann es hier 6:1 oder 7:1 ausgehen!“ Überrascht war er nicht davon, wie dominant sein Team beim Tabellenzweiten auftrat: „Ich weiß einfach, was für eine Qualität wir haben. In den letzten Wochen haben uns Jungs gefehlt, die sehr wichtig sind – gerade im Zentrum. Die Tabelle spricht nicht für sich. Wir gehören da unten auf jeden Fall nicht hin“, befand er – und sprach von einem alles in allem „rundum gelungenen“ Abend.

"Nienstedten hat wesentlich mehr investiert und wollte es auch viel mehr"

Der Schock beim SCP saß tief, als Top-Torjäger Stefan Winkel (li.) kurz vor der Halbzeit verletzt raus musste. Gute Besserung! Foto: noveski.com

Ganz anders war die Gemütslage bei den „Bülte“-Kickern: „Letztlich sind wir, wie auch schon die letzten Wochen, nicht gut ins Spiel gekommen. Da war es aber so, dass wir uns innerhalb des Spiels reingekämpft haben. Das haben wir heute nicht geschafft. Ganz im Gegenteil!“ Natürlich habe man in der Halbzeit „daran appelliert, dass viel mehr gearbeitet werden muss. Wir sind gar nicht auf taktische Defizite eingegangen. Denn für uns war schon vor dem Spiel wichtig, dass wir über die Zweikämpfe ins Spiel kommen.“ Aber: „Nienstedten hat wesentlich mehr investiert und man hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass die viel mehr wollten. Das war von uns heute deutlich zu wenig!“ Klare Worte von Braun.

Doch das war noch nicht alles. „Was mich wirklich ein bisschen erschrocken hat: Wie Gegentore gefallen sind. Und: Nach dem Anschlusstor dachte man, dass das vielleicht nochmal ein kleiner Impuls sein könnte. Aber das war überhaupt nicht der Fall“, stellte Braun ernüchtert fest.

Autor: Dennis Kormanjos

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