LOTTO-Pokal

Pokal-Sensation perfekt: Kocin schockt die "alte Liebe" - Pieper redet Klartext!

12. September 2021, 16:52 Uhr

Verdiente Sieger: Die HT 16 hat die Pokal-Sensation geschafft und Concordia aus dem LOTTO-Pokal geworfen. Foto: Kormanjos

Sie kämpften, sie rackerten, sie liefen, sie spielten – und sie warfen alles in die Waagschale, um die Pokal-Sensation zur Realität werden zu lassen: „Ja, ich habe dran geglaubt! Ich glaube immer an meine Mannschaft“, entgegnete ein sichtlich mitgenommener und erschöpfter Markus Puder unmittelbar nach dem Moment, als Traum und Glaube an die eigene Truppe wahr wurde. Die HT 16 hat das Pokal-Wunder tatsächlich geschafft und den selbst ernannten Regionalliga-Aspiranten Concordia Hamburg aus dem Wettbewerb gekegelt (alle Highlights im LIVE-Ticker zum Nachlesen)!

Umut Kocin (Mi.) - hier im Duell mit Vedat Düzgüner (li.) - war schon am Führungstreffer maßgeblich beteiligt. Foto: Nicky Bude

Er zeigte keinerlei Nervosität, sondern machte das, was er am besten kann und in diesem Augenblick von ihm gefordert wurde: Den Ball mit seiner linken Klebe im Kasten des Gegners unterzubringen. Ausgerechnet Umut Kocin schritt als erster Akteur zur Tat und blieb beim Wiedersehen mit seiner „alten Liebe“ ganz cool. Dort, wo für Kocin einst alles begann, sollte die Geschichte eine Fortsetzung erhalten. Und das eben gegen jenen Verein, für den er die vergangenen beiden Spielzeiten auflief. Da auch seine jetzigen Mitstreiter Baran Aydin, Dieter Forkert, Ilir Aliu und Elgam Siebert in der Folge keinerlei Nerven zeigten, sondern Anton Lattke im Cordi-Gehäuse das Nachsehen gaben, während HT-Fänger Patrick Krysiak gegen Veli Sulejmani parierte, war die Sensation perfekt, der Bezirksligist weiter und der ambitionierte Oberligist raus! Erster Kocin-Gratulant: Cordi-Präsident Matthias Seidel.

Umut Kocin im Sieger-Interview nach dem Spiel

Großer Jubel beim krassen Außenseiter nach dem 1:0 durch Caleb Awuah (re.). Foto: Nicky Bude

Doch nicht nur für Kocin war es ein ganz besonderes Wiedersehen. Auch Cordis Brüderpaar Baris und Onur Saglam kehrte an die einstige Wirkungsstätte zurück. Und dann wäre da noch ein gewisser Ahmet Sahin. „Mr. HT 16“ kickte einste selbst für Cordi, nun ist er wieder in seinem Wohnzimmer und verfolgt mit der Hamburger Turnerschaft ehrgeizige Ziele. Apropos Wohnzimmer: Bereits um 8 Uhr in der Früh walzte der Vorstands-Boss der HT höchstpersönlich den Platz. Noch bevor Cordi-Coach Frank Pieper-von Valtier seinen Mannen einen guten Ratschlag mit auf den Weg gab: „Ich habe um 9 Uhr in die Gruppe geschrieben, dass alle ihre Anreise rechtzeitig planen müssen, weil ja noch Marathon ist. Wenn ich es dann nicht schaffe, pünktlich zu erscheinen, dann scheißen drei Leute die ganze Mannschaft an“, fand er nach dem überaus indiskutablen Auftritt seiner Schützlinge ganz klare Worte. „Damit geht das schon mal los…“

"HT wollte mehr, war gieriger und hat verdient gewonnen!"

HT-Keeper Patrick Krysiak pariert den Elfmeter von Veli Sulejmani. Foto: Nicky Bude

Dann holte Pieper-von Valtier so richtig aus: „Wir haben das Spiel schon bei der Anreise verloren!“ Und weiter: „Drei Spieler kommen über eine halbe Stunde zu spät zum Treffpunkt. Das zeigt schon, welche Einstellung ich dazu habe.“ Jene drei Akteure verbannte er aus der Startelf. „Ich kann sie ja nicht dafür belohnen, dass sie sich nicht an die Regeln der Mannschaft halten. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass alle anderen, die dafür reinkommen, die Gelegenheit haben, zu zeigen, dass sie unter Platz eins bis elf gehören. Wenn dann aber das Spiel losgeht und es fehlt an Laufbereitschaft, Entschlossenheit, Zweikampfstärke und Wille, sogar an der Einstellung…“, dann hat Pieper-von Valtier wohl sämtliche Argumente auf seiner Seite. „HT wollte mehr, war gieriger als wir und hat das Ding verdient gewonnen!“, respektierte er den starken Auftritt des krassen „Underdogs“.

"Es bringt ja nichts, sich gegen Cordi hinten reinzustellen"

Faust geballt! Krysiak avancierte mit seinem gehaltenen Elfer zum Helden. Foto: Nicky Bude

Von der ersten Minute an ging der Bezirksligist vorne drauf und zeigte sich resolut in der Arbeit gegen den Ball. „Wahrscheinlich dachten viele, dass ich spinne. Aber ich wusste, dass wir das durchziehen können. Es bringt ja nichts, sich gegen Concordia hinten reinzustellen, weil sie irgendwann die Lücken finden werden und das brutal anstrengend für die Jungs wäre, 90 Minuten dem Ball hinterher zu laufen. Also haben wir uns gesagt, dass wir versuchen wollen, denen auch so ein bisschen unser Spiel aufzudrücken. Ich weiß ja, dass ich gute Spieler im Kader habe, die auch schon höher gespielt haben. Also warum soll ich mich hier verstecken?!“, wählte Puder die sehr mutige Variante. „Wir wussten, dass wir deren Spielaufbau stören und hart, aber fair in die Zweikämpfe gehen müssen, damit sie die Lust verlieren. Das ist uns ganz gut gelungen.“

Pieper-Elf harmlos, Awuah belohnt HT-Bemühungen

Der Moment der Entscheidung: Nachdem Elgam Siebert das Runde im Eckigen unterbrachte, kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Foto: Nicky Bude

Cordi fand überhaupt keine Mittel, agierte statisch, ohne Ideen und Bewegung. Stattdessen operierte der turmhohe Favorit viel mit langen Bällen, die oft im Niemandsland landeten. „Es war nicht angesagt. Das Problem war bloß, dass wir aus dem normalen Spiel heraus so wenig Bewegung drin hatten, dass wir gezwungen waren, andere Lösungen zu finden“, monierte Pieper-von Valtier die vielen „falschen Entscheidungen“. In der 45. Minute gab der wirkungslose Ian-Prescott Claus den ersten Torschuss ab, bis zur 72. Spielminute, als Vincent Boock weit vorbei zielte, passierte von Seiten der Gäste offensiv nichts mehr. Im Gegenteil. Die Hausherren waren dem Führungstreffer deutlich näher. Dementsprechend war es hochverdient, als der nimmermüde Marko Jurcic eine über Umwege bei ihm gelandete Ecke in den Rückraum für Kocin ablegte und dessen scharfer Ball, den der bis dahin fehlerfreie Anton Lattke nicht festhalten konnte, von Caleb Awuah über die Linie gedrückt wurde (64.)!

Cordi packt die Brechstange aus: Miry lässt Favorit hoffen

Die Mannschaftskollegen fallen dem letzten Schützen Elgam Siebert (2. v. li., Nr. 6) in die Arme. Foto: Nicky Bude

17 Zeigerumdrehungen vor dem Ende musste HT-Keeper Krysiak das erste Mal eingreifen, als es Saglam aus der zweiten Reihe probierte. Cordi versuchte es nun mit der Brechstange, brachte den angeschlagenen Innenverteidiger Seyhmus Atug als Stürmer. Der Druck wurde nun etwas größer und in Minute 81 spitzelte der ebenfalls eingewechselte Amir Miry einen Steckpass von Saglam an Krysiak vorbei zum 1:1 in die Maschen. Die Puder-Elf verteidigte in der Folge mit purer Leidenschaft und rettete das Resultat auch über die fast neunminütige (!) Nachspielzeit hinweg bis ins Elfmeterschießen. Dort präsentierten sich sämtliche Spieler der Gastgeber als äußerst nervenstark, während Sulejmani jene Nerven versagten. Der Rest war unbändiger Jubel bei Akteuren und Verantwortlichen der Hamburger Turnerschaft über den verdienten Einzug ins Achtelfinale!

Puder stolz: "Wir haben es heute allen gezeigt!"

Auch Ahmet Sahin (3. v. re.), Erster Vorsitzender der HT 16, konnte seine Freude über die Pokal-Sensation nicht verbergen. Foto: Nicky Bude

„Schnell abhaken kann ich es nicht, weil ich einfach ein Problem mit der Einstellung habe“, suchte Pieper-von Valtier keineswegs nach Ausreden. Stattdessen nahm er seine Mannschaft in die Pflicht: „Wir versuchen so viel, um es den Jungs so professionell wie möglich zu machen und richten alles darauf aus, und dann muss eben auch von der anderen Seite alles stimmen – allen voran die Einstellung. Dafür haben wir heute die Quittung bekommen!“ Nachdem sein Gegenüber vor gut zweieinhalb Jahren mit dem MSV Hamburg bereits die TuS Dassendorf aus dem Rennen warf, musste nun das nächste Oberliga-Top-Team dran glauben. „Heute hat uns auch keiner eine Chance ausgerechnet. Aber ich glaube immer an meine Mannschaft. Wir waren schon die ganze Woche heiß und haben es heute allen gezeigt“, jubelte Puder – und erwiderte abschließend auf Nachfrage zum Wunschlos: „Dann nehmen wir Dassendorf!“

Umut Kocin verwandelt den ersten Elfmeter ganz sicher

Cordis Sulejmani scheitert vom Punkt an HT-Fänger Krysiak

Elgam Siebert verwandelt den entscheidenden Elfer zum HT-Sieg

HT 16 feiert die faustdicke Pokal-Sensation

Autor: Dennis Kormanjos

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