LOTTO-Pokal

Pokal: Bei Abbruch wäre „EN“ wohl Sieger – Koch: „Das freut uns, aber wir wollen am liebsten eine sportliche Lösung“

13. Mai 2020, 09:59 Uhr

Eintracht Norderstedts Präsident Reenald Koch. Foto: KBS-Picture.de

Julius Cäsar hat zwar, logischer Weise natürlich, nichts mit dem Hamburger Amateurfußball am Hut, dennoch könnte man einen Ausruf des römischen Feldherren mit den Kickern der Hansestadt verbinden. Das berühmte „Alea iacta est“ (zu deutsch: „Die Würfel sind gefallen“) nämlich. Denn danach, dass alle Würfel gefallen sind, sieht es nach derzeitigem Stand der Dinge im LOTTO-Pokal des Hamburger Fußball-Verbandes (HFV) aus. Zumindest dann, wenn man diesen Wettbewerb, der sich derzeit mit acht Teilnehmern im Viertelfinale befindet, aufgrund der Corona-Krise nicht zu Ende ausspielen könnte. Dann wären die Würfel gefallen und der Pokalsieger der Saison 2019/2020 würde automatisch auf den Namen FC Eintracht Norderstedt hören. Wie das?

Nun, ein Passus in der Spielordnung des HFV macht's möglich. Dort heißt es in Paragraph 24, Absatz zwei: „Können Vereine für die Teilnahme am DFB-Vereinspokal nicht termingerecht ermittelt werden, melden die spielleitenden Ausschüsse den Verein, der zum Meldetermin noch im Pokalwettbewerb vertreten und in der höchsten Spielklasse bestplatziert ist.“ Das wäre in diesem Fall eben der Nord-Regionalligist um das Trainer-Duo Jens Martens und Olufemi Smith, der im aktuellen „Regio“-Klassement als Sechster deutlich vor Altona 93, dem zweiten noch im LOTTO-Pokal vertretenen Verein aus der Regionalliga Nord steht. Herzlichen Glükwunsch also nach Norderstedt – oder doch nicht?

Grudzinski: „Ein runder Tisch aller Viertelfinalisten mit dem Verband wäre sinnvoll“

Söhren Grudzinski, der Fußball-Abteilungsleiter des TSV Sasel. Foto: Heiden

„Zur Zeit gehen wir davon aus, dass wir den LOTTO-Pokal noch zu Ende spielen können. Die Spielordnung des HFV ist von den Vereinen so beschlossen worden und kann nur auf einem Verbandstag geändert werden“, erklärt Carsten Byernetzki, der Pressesprecher des HFV, auf Anfrage gegenüber dem „Hamburger Abendblatt“, das in diesem Fall gemeinsam mit der FussiFreunde-Redaktion und dem Portal „amateur-fussball-hamburg.de“ recherchiert hat. Und was sagt der mögliche Pokalsieger Eintracht Norderstedt? „Ich kenne die Spielordnung des HFV nicht auswendig, aber wenn das da so drin steht, dann freuen wir uns“, gibt Reenald Koch, der Präsident des Nord-Regionalligisten, im Gespräch mit uns zu Protokoll, sagt aber auch: „Am liebsten wollen wir natürlich eine sportliche Lösung, um den diesjährigen LOTTO-Pokalsieger herbeizuführen.“

Andererseits, so Koch, „haben ja nicht wir allein als Eintracht Norderstedt diesen Paragraphen so formuliert, sondern letztlich der Verband.“ Geht es nach dem Eintracht-„Boss“, dann „haben wir kein Problem damit, wenn man am grünen Tisch über den Pokalsieg entscheiden müsste.“ Doch Koch regt ein anderes Vorgehen an als das jetzige: „Wenn man das Abschneiden in den Pokal-Wettbewerben der letzten Saison – so wie in der Meisterschaft – mit einem Quotienten berechnen würde und meinetwegen auch noch das Abschneiden der Jugendmannschaften der noch im Wettbewerb vertretenen Mannschaften mit hinzu zieht und so alles mit einer bestimmten Punktzahl berechnet, dann wären wir auch mit Abstand vorn.“ Man dürfe nicht vergessen, „dass wir in den letzten Jahren drei Mal im Finale waren und dabei den Pokal zwei Mal gewonnen haben“, konstatiert Koch.

Meyer: „Alles andere als eine sportlich faire Lösung wäre verwunderlich“

Frank Meyer, der Präsident des HSV Barmbek-Uhlenhorst. Foto: KBS-Picture.de

Aus Sicht von Söhren Grudzinski, dem Fußball-Abteilungsleiter des ebenfalls noch im Wettbewerb vertretenen TSV Sasel sei „eine automatische Ernennung des Pokalsiegers unfair.“ Der 45-Jährige, der sich zuletzt seine Gedanken um den Wettbewerb gemacht hatte („Wir sind interessiert daran, dass der LOTTO-Pokal zu Ende gespielt wird. Sollte dies nicht am verschobenen Finaltag der Amateure möglich sein, kann man über die Ermittlung eines Pokalsiegers im Elfmeterschießen nachdenken. Oder es wird unter den aktuellen Viertelfinalisten ein Sieger ausgelost, der im DFB-Pokal antritt und die Einnahmen werden unter allen acht Clubs aufgeteilt“), sagt: „Ein runder Tisch aller Viertelfinalisten mit dem Verband wäre sinnvoll.“

Für Frank Meyer, den Präsidenten des HSV Barmbek-Uhlenhorst, dessen Team auch noch im Wettbewrb dabei ist, steht derweil fest: „Alle andere als eine sportlich faire Lösung wäre sehr verwunderlich.“ Ähnlich sieht es mit Mansoor Ahmadi auch der Manager des ASV Hamburg (Hansa-Staffel), der neben der SV Halstenbek-Rellingen (Hammonia-Staffel) einer der beiden übrig gebliebenen Landesligisten im laufenden Wettbewerb ist. „Aus unserer Sicht wäre es schade, wenn es so kommt. Das ist unfair für die anderen verbliebenen Mannschaften. Der Pokal hat – wie man ja weiß – seine eigenen Gesetzte. Im sportlichen Wettbewerb hätte jede Mannschaft eine realistische Chance, den Pokal zu holen“, sagt Ahmadi auf FussiFreunde-Anfrage.

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