Regio Nord

„Piepels“ goldenes Händchen im „Wischi-Waschi-Derby“ - aber das Quäntchen Glück fehlt

14. Dezember 2019, 17:06 Uhr

Faride Alidou (li.) war am Führungstreffer der „Rothöschen“ direkt beteiligt - am Ende reichte es für den Nachwuchs des HSV im „kleinen Derby“ gegen die U23 des FC St. Pauli aber nur zu einem 1:1. Foto: KBS-Picture.de

Nicht nur Hannes Drews zog Vergleiche zum Hinspiel, „als wir 45 Minuten lang nur die Hinterbeine von St. Pauli gesehen haben und die eine Chance nach der anderen hatten“. Auch Joachim Philipkowski erinnerte sich an das erste Aufeinandertreffen zwischen seiner sankt paulianischen U23 und dem U21-Nachwuchs des Hamburger SV. „Vielleicht hätten wir ganz zum Schluss das gehabt, was der HSV in Hinspiel hatte: Das Quäntchen Glück.“ Während Moritz-Broni Kwarteng im ersten Regio-Derby in der Nachspielzeit den mehr als nur schmeichelhaften 1:1-Ausgleich erzielte, hatten diesmal die „Kiezkickerchen“ den Luckypunch auf dem Fuß. Aber Jannes Wieckhoff fand mit seiner flachen Hereingabe von der Grundlinie nicht den anvisierten Abnehmer, Ex-Rothose Christian Stark, sondern nur den Fuß des in höchster Not rettenden Lukas Pinckert (90.+2). Somit blieb es bei der Punkteteilung und dem abermaligen 1:1-Unentschieden (alle Highlights im LIVE-Ticker).

Niklas Schneider (3. v. li.) lässt sich auch von drei Gegenspielern nicht stoppen und markiert das 1:0. Foto: KBS-Picture.de

Joachim Philipkowski hat schon viel erlebt. So viel, dass er genau weiß: „Mal liegt man richtig, mal falsch. Manchmal kann man einen Trainer beschimpfen, heute lief es vielleicht andersrum und wir hatten Glück“, so der Coach des FC St. Pauli II, der genau wusste, „dass wir noch zwei Leute auf der Bank haben, die wir nachlegen können“, begründete er seine Entscheidung, in der 64. Spielminute einen Doppelwechsel durchzuführen, die schwachen Ersin Zehir und Cemal Sezer, der in der ersten Halbzeit die Riesenchance zur Führung leichtfertig verstolperte (Philipkowski: „Ich weiß gar nicht, ob wir überhaupt einen Torschuss zugelassen haben“), durch Robin Meißner und Niclas Nadj zu ersetzen. Keine zehn Minuten später bediente Nadj den in der Mitte lauernden Meißner, der von einem missglückten Klärungsversuch Pinckerts profitierte und zum 1:1 abstaubte (75.). „Dieses Tor hat ‚Nika‘ mehr oder weniger selbst gemacht“, jubelte „Piepel“, ehe er ausführte: „Er war lange verletzt oder krank. Jetzt kommt er so langsam – und ich denke, dass wir an dem Jungen noch viel Spaß haben werden. Die Vorarbeit war überragend. Das kann nicht jeder, aber er. Deshalb hoffen wir, dass er gesund bleibt und uns weiter hilft.“

„Mir hat diese Derby-Mentalität gefehlt“

Nach seinem Führungstreffer drehte Schneider (li.) jubelnd ab. Zum Sieg reichte es im Derby dennoch nicht. Foto: KBS-Picture.de

So glücklich und zufrieden er auch über sein goldenes Händchen sein konnte, so sehr vermisste er „die Derby-Mentalität“ auf dem Platz. „Das war viel Wischi-Waschi, einfach nicht aggressiv genug und insgesamt auch nur wenig Griffigkeit im Spiel. Aber das hat auch was mit den Platzverhältnissen zu tun“, waren sich beide Trainer einig, dass der Untergrund sein übriges dazu tat. „Für uns zählt nur, dass wir noch das Tor gemacht haben – und sind happy, dass wir unsere Serie gehalten haben“, bilanzierte Philipkowski, der mit seinen „Kiezkickerchen“ im sechsten Spiel in Folge ungeschlagen blieb. Während die „Rothöschen“ seit nunmehr sechs Partien auf einen „Dreier“ warten. Dennoch war auch Hannes Drews „mit dem Punkt zufrieden“, wie er zu Protokoll gab. Natürlich sei „noch immer deutlich Luft nach oben“, so der Übungsleiter der Hausherren, der aber „angesichts der jetzigen Jahreszeit und Platzverhältnisse“ mit der ersten Halbzeit seiner Elf absolut einverstanden war. Auch wenn der Führungstreffer kurz nach der Pause, als Niklas Schneiders Schuss mit der Pike aus spitzem Winkel – nach Vorarbeit von Faride Alidou – noch entscheidend abgefälscht wurde und im langen Eck einschlug (53.), nicht zum Sieg reichte, sei das Resultat aufgrund der offenen zweiten Hälfte „für beide Seiten gerecht“, so Drews abschließend.

Autor: Dennis Kormanjos

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