10.09.2019

Peters: „Der Fußball stand für mich nach der Condor-Geschichte an zweiter Stelle“

Neu-Trainer des TSV DuWo 08 im großen Interview

Nico Peters hat in seiner noch jungen Trainer-Laufbahn bereits eine Menge erlebt. Nun ist er beim Kreisligisten TSV DuWo 08 tätig. Foto: Screenshot

Erst waren es nur Gerüchte, dann wurde es vom SC Condor kurz vor Jahreswechsel offiziell bestätigt – und schließlich platzte das bereits als fix vermeldete Engagement von Nico Peters am Berner Heerweg doch noch. Der Grund: Peters besaß noch einen Vertrag beim WSV Tangstedt. Der SH-Club verlangte eine horrende Ablösesumme, gab seinen Trainer nicht frei, um ihn wenig später, als der SCC mit Florian Neumann bereits einen neuen Chef-Dompteur installiert hatte, fristlos zu kündigen. Seither war es um den Ex-Coach des SC Alstertal-Langenhorn ziemlich still geworden – bis er zur neuen Saison beim Kreisligisten TSV DuWo 08 anheuerte.

Wir haben mit dem 32-Jährigen, der einst unter anderem den heutigen Bundesliga-Profi Kingsley Schindler (1. FC Köln) coachte, über die damalige „Condor-Causa“, die Gründe für sein Engagement bei den Ohlstedtern, das neue Aufgabenfeld, und die Umstellungen, die eine Kreisliga-Tätigkeit im Vergleich zu einem „ambitionierten“ Trainerjob mit sich bringen, gesprochen…

FussiFreunde: Nach deinem geplatzten Wechsel zum SC Condor im vergangenen Winter, wo das Medien-Echo ziemlich groß war und viel geschrieben und geredet wurde, war es jetzt etwas länger relativ still um deine Person. Warum?

Nico Peters: „Nach der Condor-Geschichte habe ich für mich erstmal gesagt, dass Fußball für mich in der aktuellen Situation Thema Nummer zwei ist – die Familie steht ganz klar an erster Stelle. Ich habe einen kleinen Sohn und will mit ihm so viel Zeit wie möglich verbringen. Gerade die Trainingstage sind genau die Abendzeiten, wo du deinem Sohn noch etwas vorliest und ihn zu Bett bringst. Trotzdem hat es nach wie vor ein bisschen in den Fingern gejuckt, wieder etwas zu machen. Darüber haben wir dann zu Hause gesprochen.“

Für viele Außenstehende kam der Schritt zum TSV DuWo 08 sicher überraschend. Erkläre uns doch mal, wie das Engagement zustande kam?

In der Jugend war Kingsley Schindler (hi.) unter den Fittichen von Peters. Foto: KBS-Picture.de

Peters: „Carsten Riesenberg, der schon damals bei SCALA mein Co-Trainer war, war zuletzt hier beim TSV DuWo ebenfalls als Co-Trainer tätig. Er hat mich angerufen, mir gesagt, dass er meinen Namen ins Spiel gebracht hätte, und mich gleichzeitig gefragt, ob ich mir das grundsätzlich vorstellen könne. Das war anfangs, da bin ich ehrlich, nicht der Fall. Ich hatte mit ein paar Vereinen gesprochen, aber der Aufwand war mir einfach zu groß. Er meinte, dass ich mir das einfach mal anhören solle, was ich dann auch getan habe.“

Und wie ging’s dann weiter?

Peters: „Ich kannte die Anlage bereits aus einem vorigen Pokalspiel und muss natürlich sagen, dass das auf jeden Fall schon mal ein Pluspunkt war. Für mich ging es dann aber vor allem darum, wie die Struktur im Verein ist. Der ausschlaggebende Punkt war für mich schlussendlich aber, dass wir eine A-Jugend haben, die aus der Bezirks- in die Landesliga aufgestiegen ist. Alle sind in der Lage, Herren zu spielen – zumindest vom Alter her. Ich habe mir die Jungs angeguckt – sowohl die A-Jugend als auch die Herren-Mannschaft. Natürlich habe ich auch einige Baustellen entdeckt, an denen man arbeiten muss. Aber das ist ganz normal.“

Wie wichtig ist dir denn ein guter Unterbau in Form der A-Jugend?

Peters: „Sehr wichtig. Ich habe dem Verein auch mitgeteilt, dass ich zuerst mit den A-Jugendspielern sprechen möchte, da diese Jungs zum damaligen Zeitpunkt schon bei etlichen Vereinen aus dem Umkreis im Gespräch waren. Letztlich haben aber alle gemeinschaftlich zugesagt. Zwei, drei Jungs sind aus der A-Jugend von Sasel dazu gekommen – und dann haben wir uns gesagt: ‚Alles klar, packen wir es mit einer blutjungen Mannschaft an.‘ Nach sieben, acht Treffen haben wir letztendlich gesagt, dass es passen könnte.“

Wie groß war denn die Umstellung für dich – nachdem du zuvor ja bei höherklassigen Teams tätig warst?

In der Oberliga war Peters einst beim SC Alstertal-Langenhorn tätig. Archivfoto: noveski.com

Peters: „Es ist schon noch eine Umstellung – gerade von der Trainings-Intensität und den Übungen, wo du manchmal vielleicht zu große Erwartungen reinlegst. Da musst du ein bisschen runterschrauben. Aber es ist eine richtig gute Erfahrung, den Fußball mal von einer anderen Seite zu sehen. Natürlich kann man sagen: ‚Boah, das ist ‚nur‘ Kreisliga.‘ Aber wenn man das Spiel gegen Sasel III (0:0; Anm. d. Red.) als Maßstab nimmt, dann muss man sagen, dass Sasel eine gute Spielanlage hat und wir es auch vernünftig gemacht haben. Das hatte nichts mit ‚Kick and Rush‘ zu tun. Es ist hier eine ähnliche Geschichte wie schon damals bei SCALA: Es ist eine junge Mannschaft und die Frage ist, wie man das Ganze weiterentwickelt bekommt.“

Du hast eben schon angesprochen, dass es im Vergleich zu deinen bisherigen Stationen etwas komplett anderes ist. Wie schwer war es denn, sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass es hier beim TSV DuWo aktuell eben noch nicht so leistungsbezogen wie bei deinen vorigen Stationen zugeht?

Peters: „Für mich persönlich war es zumindest unter dem Aspekt, wie ich meine Linie durchziehe, gar nicht so schlimm. Von den Trainingsinhalten her ist es schon ein bisschen anders, weil die Qualität im Vergleich zu einer Landesliga-Mannschaft natürlich ein Stück weit anders ist. Von daher war es eher so, dass sich die Jungs extrem umstellen mussten. Vorher ging es mit Trainingsabsagen vielleicht noch über WhatsApp, aber das ist nicht meine Art. Ich würde das schon gerne telefonisch besprechen und auch den Grund wissen. Denn wir haben in der Kreisliga nur zweimal Training und wenn man einmal nicht da ist, merkt man das im darauffolgenden Spiel umso mehr. Das hat sich inzwischen aber ganz gut eingependelt. Man muss einfach von dem Gedanken wegkommen, in welcher Klasse man ist, sondern sich viel mehr damit beschäftigen, was man für eine Mannschaft hat, ob da coole Charaktere und Jungs sind, die Bock haben und sich auch entwickeln wollen. Dann ist der Rest eigentlich egal. Das soll absolut nicht heißen, dass wir jetzt einen Durchmarsch anpeilen – nullkommanull. Aber ich war in dem Moment, wo ich zugesagt habe, auch vollkommen überzeugt davon. Es war keineswegs so, dass ich mir gesagt habe, ich muss jetzt wieder irgendwas machen. Im Gegenteil. Es hat gepasst – und deshalb habe ich es gemacht.“

Nun hattest du bei deiner letzten Station in Tangstedt einige Jungs unter deinen Fittichen, die du schon zu SCALA-Zeiten gecoacht hast. Wirst du den einen oder anderen bekannteren Namen davon überzeugt bekommen, auch hier herzukommen?

Auch beim TSV DuWo will Peters (re.) mittelfristig seine Trainer-Werte vermitteln. Archivfoto: noveski.com

Peters: „Nein. Es geht auch gar nicht darum, die ‚alten Jungs‘ hier her zu holen. Wir haben ganz offen gesprochen. Es gab ja auch einige Jungs, die im Winter bei Tangstedt weggegangen und fast ausschließlich in der Oberliga gelandet sind. Ob nun ein Hendrik Rabe bei Vicky, Niel Lüthje bei Cordi, Leon Neumann bei Rugenbergen oder auch Chris Rieder beim HSV III. Damals habe ich den Jungs gesagt, dass wir eine tolle Zeit hatten, bis hierhin eine Menge erlebt und sie sich auch super weiterentwickelt haben. Aber jetzt müssen sie mal langsam raus auf die große Weide, um den nächsten Schritt zu machen. Das kann nicht hier und auch nicht bei mir sein. Da waren wir ganz offen und haben gesagt, dass sie sich ausprobieren und versuchen sollen, sich woanders weiterzuentwickeln. Wir sind immer noch im regelmäßigen Austausch. Aber wenn wir irgendwann mal zwei, drei Schritte nach oben machen, wofür aktuell die Infrastruktur einfach noch nicht gegeben ist, dann sind die Jungs ja auch schon in einem gewissen Alter und spielen vielleicht gar keinen Fußball mehr.“

Kannst du dir denn vorstellen, hier beim TSV DuWo auch langfristig etwas aufzuziehen und über Jahre etwas zu entwickeln – oder ist es für dich doch eher eine „Zwischenstation“ auf dem Weg, irgendwann mal wieder höherklassig zu arbeiten?

Peters: „Langfristig ist ja immer so ein Thema – gerade in der heutigen Zeit im Fußball. Wir haben uns intern auf mittelfristig geeinigt. Ich habe einen anderen Ansatz und vielleicht auch den, wo ein Spieler mal den Schritt nach vorne machen kann. Ich weiß aber auch: Da, wo wir nach vorne gehen, wird irgendwer auch mal den Schritt zurück machen. Das ist auch schon passiert. Wir haben zwei Spieler verloren, weil wir da reagieren mussten. Da geht es dann darum, dass sich auch der Verein darauf einstellt, welche Richtung man vorgibt. Wir haben es anfangs so besprochen, jetzt muss es auch von beiden Seiten so umgesetzt werden. Denn es kann nicht sein, dass die Jungs, die schon immer hier sind, alles machen dürfen, was sie vorher vielleicht gemacht haben oder machen durften. Wir wollen es vernünftig machen, den jungen Spielern auch eine Chance geben – und dafür müssen alle an einem Strang ziehen. Wenn das nicht funktioniert, ist es sicherlich nicht mein Weg. Aber grundsätzlich haben wir vorerst auf einen mittelfristigen Weg geeinigt – und dann muss man schauen, wie sich das entwickelt.“

Kurzfristig sind sicher keine Quantensprünge zu erwarten. Nun ist es ja aber schon so, dass du auch ambitioniert denkst. Was hast du dir denn für Ziele gesetzt, wann du den Verein zumindest im ersten „Step“ kurz- oder mittelfristig in die Bezirksliga führen willst?

Niel Lüthje (re.) spielte sowohl bei SCALA als auch in Tangstedt unter Peters - jetzt kickt er für Oberligist Concordia. Foto: KBS-Picture.de

Peters: „Ich weiß gar nicht, ob wir über die Bezirksliga reden. Wir haben zum Beispiel im Winter sechs Abgänge, weil der eine oder andere junge Spieler mit der Schule fertig ist und ins Ausland gehen wird. Das kann immer wieder passieren. Man kann nie, so habe ich es in den letzten Wochen und Monaten gelernt, mit einer Mannschaft durchplanen. Ich glaube aber, wenn wir alle da und zum Rückrunden-Beginn auch eingespielt sind, dann können wir einen guten Ball spielen und den einen oder anderen Gegner von oben auch ärgern. Aber ob wir jetzt in einem Jahr oder in zwei Jahren Bezirksliga spielen, kann man nicht sagen. Es ist ja auch immer eine Frage der Nachhaltigkeit. Vielleicht steigst du irgendwie auf, bist dann in der Bezirksliga, merkst aber, dass es ein Unterschied wie Tag und Nacht ist, gehst direkt wieder runter und alle verlassen den Verein. Es muss gesund wachsen. Natürlich wehrt man sich nicht gegen einen Aufstieg. Aber da, wo wir stehen, haben wir mit oben nichts zu tun – auch vom Punkteabstand her nicht. Mein Tipp ist, dass es zwischen Sasel III, St. Pauli IV und auch SCALA II ausgemacht wird.“

Natürlich müssen wir abschließend auch nochmal zu der Condor-Causa im vergangenen Winter nachhaken und wollen deine Meinung zu der Thematik hören. Inwieweit hat es deiner Person geschadet, ohne dass du in einigen Punkten überhaupt etwas dafür konntest?

Peters: „Ich will dazu gar nicht mehr so viel sagen und habe mich da auch bewusst zurückgehalten. Es wurden ein paar Unwahrheiten gesagt und geschrieben, aber das lasse ich alles so stehen. Ich wurde dazu damals auch nie befragt. Auch nicht vom ‚Abendblatt‘, das dazu rauf und runter berichtet hat – und vor allem wie zum Teil. Der eine sagt, es hat ihm geschadet. Der andere wiederum wird sagen: Ich kenne ihn und kann mir das so, wie es geschrieben wurde, nicht vorstellen. Mir persönlich ist es auch nicht wichtig, ob jemand sagt, dass ich vielleicht als Name ‚verbrannt‘ bin. Für mich ist das Thema durch. Ich schaue nach vorne. Die Leute reden so oder so. Wenn sie ein Problem haben, können sie jederzeit zu mir kommen.“

Das heißt: Du hast das Thema inzwischen komplett abgehakt und willst dich damit auch nicht mehr beschäftigen?

Peters: „Kann ich ja gar nicht. Es ist viel vorgefallen und es sind auch Freundschaften dadurch kaputt gegangen. Deshalb ist es das letztendlich auch gar nicht mehr wert, das ganze Thema nach einem halben Jahr nochmal aufzurollen. Condor hat jetzt eine richtig tolle Mannschaft und einen guten Trainer mit Ralph Kainzberger. Ich drücke denen die Daumen. Letztendlich muss jeder für sich wissen, ob er sich im Spiegel angucken kann oder nicht.“

Autor: Dennis Kormanjos

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