23.12.2017

Perez: „Wir müssen jetzt kapieren, dass wir in der Landesliga sind“

Vier Abgänge, fünf Neuzugänge am Perlstieg

Neuzugang Vasco Zawada (re.) lief bereits mehrfach in der Ober- und Landesliga auf. Foto: Juventude do Minho

Am 14. Mai schaffte Juventude do Minho Historisches: Erstmals gelang einem portugiesischen Verein der Sprung in die Landesliga. Nicht nur in Hamburg hat es das zuvor noch nie gegeben, sogar bundesweit war das ein Novum. Die Euphorie in der „Roten Hölle“ am Perlstieg war riesengroß. Doch schnell wurde auch den Verantwortlichen klar, dass die Sechstklassigkeit noch einmal ein ganz anderer Schnack ist. Nach Jahren, in denen sich ein Erfolg an den nächsten reihte, musste man sich an eine komplett neue Situation gewöhnen – was „Juve“ alles andere als leicht fiel…

Der zweite Neuzugang, Ivair Quintino Pereira Sa, kickte bereits in Portugal für Amora FC, ehe er in der Hansestadt für Lurup, Meiendorf und Türkiye auf Torejagd ging. Foto: Juventude do Minho

Bereits nach dem Aufstieg trennte sich das überaus erfolgreiche und eingespielte Trainer-Trio. Lediglich Jens Perez blieb nach den Abschieden von David Perez und Rogelio Riveros übrig. Der Start in die neue Spielklasse verlief ebenso holprig. Mehr und mehr machten sich Disziplinlosigkeiten breit, woraufhin Co-Trainer Micael da Silva Batista deutliche Worte fand und einen klaren Schnitt im Winter ankündigte. Aber auch die Verantwortlichen selbst trafen die eine oder andere unglückliche Entscheidung: So zum Beispiel im Spiel gegen den bis dato unbezwungenen „Leader“ aus Meiendorf, als man einen Akteur unter falschem Namen einsetzte. Der zunächst als furios eingestufte 2:1-Sieg wurde letztlich in eine 0:3-Niederlage umgewertet. Einige Wochen später unterlag Juventude dem Klub Kosova mit 0:2 und kassierte im Anschluss „wegen des Einsatzes eines nicht spielberechtigten Spielers“ eine Geldstrafe. „Das war eine ganz andere Situation als gegen Meiendorf“, klärt Jens Perez nun auf und ergänzt: „Wir hatten zwei Spieler auf der Bank, die unter 21 sind und vorher in der Zweiten gespielt haben. Andersherum wäre es wohl möglich gewesen, aber in der Reihenfolge ist es seit dieser Saison nicht mehr erlaubt.“

Vier Abgänge, fünf Neue kommen

Der Nächste im Bunde ist Maurizio Scalisi (re.), der laut Trainer Jens Perez (li.) „die Außenbahn beackern wird". Foto: Juventude do Minho

Wie dem auch sei. Die Hinrunde hat man zu den Akten gelegt. Stattdessen schaut man voller Zuversicht in die letzten 13 Saisonspiele – und setzt wieder auf alt-bewährte Qualität. Denn: „Wir müssen wieder zu einem Team werden und auf das setzen, was uns so stark gemacht hat“, erklärt Perez. Mit Kapitän Max Leinung (Hamm United FC), Stürmer Murat Bayram (Harburger Türksport), Torhüter Abdulhakim Bozkaya (Inter 2000) und Ahmet Ongun (RW Wilhelmsburg) werden vier Mann den Club vom Perlstieg im Winter verlassen, wie uns Perez verrät. Auch Co-Trainer Andreas Roloff kehrt dem Hansa-Ligisten den Rücken zu. Dem gegenüber stehen fünf Neuzugänge. Namentlich handelt es sich dabei um Vasco Zawada (FC Süderelbe), Maurizio Scalisi (Klub Kosova), Diogo Miler (Inter 2000), Hasan Kiraz (SVS Mesopotamien) sowie Ivair Quintino Pereira Sa (pausierte zuletzt/davor FC Türkiye). „Ich erwarte mir von jedem einzelnen Spieler sehr viel“, so Perez, der noch ein paar Worte über Zawada und Pereira Sa verliert: „Vasco verfügt über reichlich Oberliga-Erfahrung und wird uns damit enorm weiterhelfen. Ali ist unter uns auch als ‚Pferdelunge‘ bekannt, der unheimlich viel am marschieren ist. Gleiches gilt für ‚Mauro‘, der den Flügel rauf und runter ackert. Und Ivair wirkt sehr groß und schlaksig, aber man kann ihn einfach nicht vom Ball trennen. Auch er hat schon in der Oberliga bei Türkiye seine Qualitäten unter Beweis gestellt. Zuletzt hat er eine kleine Pause eingelegt.“

"Wir werden alles geben, um die Klasse zu halten"

Für die Mission "Klassenerhalt" konnte auch Diogo Miler (re.) von Inter 2000 an den Perlstieg gelockt werden. Foto: Juventude do Minho

Mit der Auswahl der Neuen ist Coach Perez überaus zufrieden und sich sicher: „Die Jungs sind auch untereinander befreundet, sodass wir wieder zu der Gemeinschaft werden, die uns so lange ausgezeichnet hat. Der Teamgedanke steht an erster Stelle und wir wollen wieder Spaß haben.“ Die erste Saisonhälfte sei für den gesamten Verein „eine komplett neue Situation“ gewesen, wie Perez meint. „Viele Spieler haben zuvor noch nie Landesliga gespielt. Aber jetzt haben wir etwas mehr als eine halbe Saison hinter uns und müssen kapieren, dass wir in dieser Liga sind – und anfangen, unsere Heimspiele wieder zu gewinnen. Wir werden jedenfalls nichts unversucht lassen und alles geben, um die Klasse zu halten!“ Die „Rote Hölle“ galt lange als unüberwindbare Festung. Das soll auch künftig wieder der Fall sein. Wenngleich Perez auch betont, dass man zwingend an der Stärke auf fremden Plätzen arbeiten muss. Denn: „Es ist einfach so, dass wir mit Natur- und Kunstrasen noch immer unsere Probleme haben. Wir müssen uns schnellstmöglich daran gewöhnen und werden auch in der Vorbereitung Wert darauf legen.“

"Drei 'Sechs-Punkte-Spiele' nacheinander"

Zu guter Letzt reiht sich Hasan Kiraz (re.), kommt vom SVS Mesopotamien, in die Meldung der Neuzugänge ein. Foto: Juventude do Minho

Auf die Frage, was ein Abstieg für den Club bedeuten würde, entgegnet Perez: „Das wird nicht passieren!“ Dann fügt er an: „Für den Verein wäre es nicht ganz so schlimm, aber natürlich für die Leute, die so viel Zeit investieren.“ Da der Tabellenzwölfte vom SVNA bereits elf Punkte Vorsprung auf die letzten vier Teams hat, scheint jenes Quartett die drei Absteiger unter sich auszumachen. „Auf dem Papier wird es sich in jedem Fall um diese vier Mannschaften handeln. Aber man weiß nie, was passiert“, hat Perez noch die Hoffnung, dass sich das Feld ein Stück weit vergrößern wird. Sicher ist jedenfalls, dass der Start ins neue Spieljahr gleich von immenser Bedeutung sein wird. Denn Juventude startet – wenn das Wetter denn mitspielen sollte – mit drei Heimspielen ins Jahr 2018. Erst wartet der SV Bergstedt, dann kommen die beiden direkten Konkurrenten Bergedorf 85 und Condor II in die „Rote Hölle“. „Wir werden alles investieren, was geht! Der Start ist natürlich extrem wichtig. Man könnte gleich von drei ‚Sechs-Punkte-Spielen‘ nacheinander sprechen.“

Autor: Dennis Kormanjos

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