16.04.2018

Per sofort: Wedel und Großkopf gehen getrennte Wege!

"Der Abnutzungsgrad hat einen Punkt erreicht, wo wir einen Impuls setzen mussten"

Wirkte am gestrigen Sonntag bei der Pleite gegen Rugenbergen schon sehr niedergeschlagen - nun ist Jörn Großkopf kein Trainer mehr in Wedel. Foto: KBS-Picture.de

Sechs der letzten sieben Spiele gingen verloren – darunter befanden sich zum Teil deftige Niederlagen wie das 0:7 bei Vicky, das 0:2 beim HSV III, die 1:6-Packung in Sasel sowie das 1:5 im Derby bei Osdorf. Nach der neuerlichen 0:2-Schlappe gegen den SV Rugenbergen zieht man beim Wedeler TSV die Reißleine: Der Verein und Trainer Jörn Großkopf gehen per sofort getrennte Wege! „Es geht darum, was wir auf dem Platz sehen“, so Sportchef Frank Ockens, „und wenn wir als Wedeler TSV, der in dieser Saison sicherlich Probleme in der Defensive und durch viele Verletzte hat, in 90 Minuten nicht eine einzige Torchance kreiert, dann fehlt irgendwann der Punkt, wo wir ein Stück weit ansetzen können.“

Die Elbstädter sind durchaus ambitioniert in die Saison gestartet und gehörten unter den Experten stets zum erweiterten Kreis der Kandidaten, die am Ende unter den ersten fünf, sechs Teams der Liga landen. Doch die Realität sieht ganz anders aus. „Sicherlich haben wir die Augen auch noch ein wenig nach unten gerichtet, sodass wir uns nicht auf den Lorbeeren ausruhen wollen – und sagen: Ach, das wird schon oder das langt schon“, so Ockens, wenngleich der WTSV als Tabellenelfter neun Punkte Vorsprung aufs rettende Ufer hat. „Die Entscheidung ist uns trotz alledem nicht leicht gefallen. Auch wenn man gemerkt hat, dass es links und rechts rumorte.“ Schließlich fügt Ockens an: „Der Abnutzungsgrad hat einen Punkt erreicht, wo wir einfach sagen müssen: Wenn wir jetzt noch einen Impuls setzen wollen, auch mit Hinblick auf den Pokal, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um den Wechsel zu vollziehen.“

"In der Truppe, die in den letzten Wochen auf dem Platz stand, haben alle Oberliga-Ansprüche"

Macht er sich hier schon Gedanken? Wedel-Sportchef Frank Ockens begründet die Trennung. Foto: KBS-Picture.de

Apropos Mannschaft: Auf die Frage, ob es auch Stimmen innerhalb des Kaders gab, die sich gegen eine weitere Zusammenarbeit mit Großkopf ausgesprochen haben, kontert Ockens: „Stimmen aus der Mannschaft hast du über zwölf Monate – die wurden jetzt nicht lauter oder leiser. Sicherlich wurde auch das eine oder andere Gespräch mit dem einen oder anderen Spieler geführt. Aber die finale Entscheidung ist letztlich in den vergangenen zwei, drei Wochen bei uns als Verein gereift. Die Lösungsansätze waren letztlich nicht so stark, dass wir sagen können, wir sehen Licht am Ende des Tunnels.“ Auch wenn man in der letzten Wochen mit ganz akuten Personalsorgen zu kämpfen hatte, betont Wedels Sportchef: „In der Truppe, die in den letzten Wochen auf dem Platz stand, haben alle Oberliga-Ansprüche. Und ich glaube auch nicht, dass das eine schlechte Mannschaft war.“ Dennoch konstatiert auch er: „So wie sich die Mannschaft zuletzt präsentiert hat, konnte man nur schwer einen wirklichen Matchplan oder eine Struktur erkennen. Das mag natürlich auch damit zusammenhängen, dass viel rotiert werden musste und eine gewisse Unsicherheit auftrat. Aber es war einfach ein Punkt erreicht, an dem es in allen Bereichen nicht mehr die große Schnittmenge gab.“ Die sportliche Misere könne auch er sich nur schwer erklären: „Wenn ich die hätte, dann hätte ich auch Lösungsvorschläge“, entgegnet Ockens.

"Es ist unser Ziel, bis zum Pokal-Halbfinale einen neuen Trainer zu haben"

Bereits beim morgigen Nachholspiel beim FC Türkiye (18:30 Uhr) wird interimsmäßig Thorsten Zessin, der die Mannschaft vor zwei Jahren an der Seite von Heiko Barthel in die Oberliga führte, ehe er sich aus eigenen Stücken zurückzog und fortan als Zweiter Vorsitzender fungiert, auf der Trainerbank Platz nehmen. „Wir haben bis jetzt mit noch keinem Kandidaten gesprochen“, versichert Ockens, fügt aber gleichzeitig an: „Wir werden jetzt die Gespräche aufnehmen, wollen aber keinen Feuerwehrmann, der das Pokal-Halbfinale mitnimmt und übermorgen wieder weg ist, sondern schon eine Person, mit der wir auch langfristig in die Zukunft gucken können.“ Bis zum Pokal-Halbfinale am 1. Mai, wo Wedel zum Niendorfer TSV reisen muss, soll ein Nachfolger gefunden sein. „Das ist unser Ziel“, so Ockens abschließend.

Inzwischen hat der Wedeler TSV die Trennung in einer Pressemitteilung bestätigt:


Der Wedeler TSV gibt hiermit bekannt, dass der Verein und Trainer Jörn Großkopf in Zukunft getrennte Wege gehen werden.

In einer gemeinsamen sportlichen Analyserunde, sind die Parteien zu dem Entschluss gekommen, dass es für den restlichen Verlauf der Saison und auch dem bevorstehenden Pokalhalbfinale notwendig ist, einen neuen Impuls an die Mannschaft zu senden.

Die Ergebnisse der letzten Wochen zum Einen, aber auch die sportliche Entwicklung zum Anderen, haben keinen Spielraum für ein „Weiter so“ gelassen, so dass die Trennung heute vollzogen wurde.

Interimsweise wird die Mannschaft von Thorsten Zessin geführt, bis wir eine zukunftsfähige Lösung gefunden haben.
Wir bedanken uns bei Jörn für sein Engagement und seine Arbeit, wünschen ihm für seine sportliche Zukunft alles Gute und heißen ihn jederzeit herzlich Willkommen im Elbestadion.

Autor: Dennis Kormanjos

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