Bezirksliga Ost

Papke macht Schluss: „Mein Trikot ist eingerahmt und die Fußballschuhe hängen daneben“

17. November 2020, 09:06 Uhr

Mit 33 Jahren hängt Patrik Papke seine Fußballschuhe an den Nagel und verstärkt das Trainerteam des SV Börnsen. Foto: Bode

Seine Anfänge machte er beim SC Vier- und Marschlande, wo er in der überaus erfolgreichen und namhaften Jugend-Mannschaft um Martin Harnik und Max Kruse gegen das runde Leder trat und auch seine ersten Gehversuche im Herrenbereich wagte. Es folgte ein zweijähriges Gastspiel bei Bergedorf 85, ehe Patrik Papke eine zehnjährige Ära beim SV Curslack-Neuengamme mitprägte. Nach 296 Oberliga-Einsätzen und weiteren 30 Partien in der damaligen Oberliga Nord für die „Elstern“ schraubte Papke den hohen Aufwand im Sommer 2019 ein wenig zurück und wechselte in die Bezirksliga zum durchaus ambitionierten SV Börnsen.

In der vergangenen Saison stand Papke noch aktiv für den Ost-Bezirksligisten auf dem Platz. Foto: Bode

An der „Hamfieldroad“ sollte der gerade 33 Jahre jung gewordene Papke die entscheidende Führungsrolle einnehmen und als wichtiger Taktgeber auf dem Platz fungieren. Und wer weiß, wo die Reise des SVB in der vergangenen Spielzeit noch hingegangen wäre, wenn nicht der Corona-bedingte Saison-Abbruch dem Lauf der Börnsener einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte? Als Tabellendritter – punktgleich mit dem zweitplatzierten MSV Hamburg – wären noch alle Chancen auf die Vize-Meisterschaft und mögliche Aufstiegsspiele da gewesen. Doch es sollte nicht sein.

"Der Fußball ist so, wie ich ihn verfolge, nicht mehr möglich"

Elegante Ballbehandlung - doch das runde Leder wird Papke künftig nur noch von außen begutachten. Foto: Bode

Vor der aktuell erneut unterbrochenen Saison verkündeten die Verantwortlichen des Ost-Bezirksligisten, dass sich Papke „langsam aber sicher in Richtung Trainerteam entwickeln und – neben seiner vorerst weiterhin aktiven Laufbahn bei der Liga – zukünftig als Individualtrainer seine Erfahrung von knapp 300 Oberligaspielen an die U23-Spieler der Ersten und Zweiten Herren weitergeben“ werde. Doch schon auf dem offiziellen Mannschaftsfoto der Liga-Mannschaft hatte der Defensivallrounder das Trikot gegen den Trainingsanzug eingetauscht. Warum? „Es stimmt. Mein Trikot mit der 31 ist eingerahmt und die Fußballschuhe hängen daneben“, erklärt er im Interview auf der facebook-Seite des Vereins sein Karriereende. 


„Ich bin ‚Fussi‘ durch und durch und würde auch jetzt gerne jeden Tag auf dem Platz stehen. Dennoch habe ich immer den Anspruch an mich selbst gehabt, so weit es zeitlich eben möglich war, am Training und Wettkampf teilzunehmen. Durch meinen Job und meine Familie wurde die Zeit halt immer weniger. Die Wochenenden sind einfach Gold wert und der Fußball, so wie ich ihn verfolge, nicht mehr möglich.“

"Börnsen gehört mindestens in die Landesliga"

Stolze zehn Jahre trug Papke (re.) - hier im Duell mit Dassendorf-Torjäger Mattia Maggio - das Trikot des SVCN. Foto: Bode

Da Papke „jedoch nicht ganz ohne den Ball und die Mannschaft kann, bin ich in den Trainerstab übergegangen.“ Aber: „Der Pass liegt noch bei unserem Manager! Bitte nicht meiner Frau erzählen…“, witzelt er auf der Social-Media-Plattform des SVB. Seinen sportlichen Ehrgeiz hat „Sir“ Papke allerdings nicht verloren: „Ich habe schon während meiner ersten Tage gesagt, dass Börnsen mindestens in die Landesliga gehört“, macht er gar keinen Hehl aus den Ambitionen – und untermauert diese wie folgt: „Neben erfahrenen Spielern, haben wir auch viele, sehr gute junge Kicker an Bord. Die Jungs haben wirklich was drauf und können – beziehungsweise müssen – noch konstanter spielen. Hier möchte ich meinen Beitrag leisten und unseren jüngeren Spielern individuelle Trainingseinheiten bieten.“

Was fehlt? "Ein Wortführer oder Taktgeber auf dem Platz"

Das Potenzial sei „auf jeden Fall da“, um den Zielen auch gerecht zu werden, „Der aktuelle Mix stimmt zu 100 Prozent! Die Jungen werden von den Älteren geführt und ziehen voll mit.“ Einziges Manko: „Was aktuell fehlt, ist vielleicht ein Wortführer beziehungsweise Taktgeber auf dem Platz. Manchmal wirkt es wild und unruhig. Wir haben richtig Schnelligkeit in unseren Reihen und die müssen wir geordnet einsetzen, dann wird es schwer gegen uns.“

"Das Besondere sind die Menschen um den Verein herum"

Im Sommer 2019 wurde "Capitano" Papke nach zehn Jahren bei Curslack offiziell verabschiedet. Foto: Bode

Er selbst ist nun im zweiten Jahr beim SV Börnsen – und bedauert: „Durch die fürchterliche Corona-Zeit sind es doch nicht so viele Spiele geworden, wie ich mir erhofft hatte. Aber dennoch, der Verein ist mir bereits nach den ersten Wochen ans Herz gewachsen.“ Wobei er „den Fußball außen vor lassen möchte“, so Papke, der anfügt: „Das Besondere sind die Menschen um den Verein herum. Hier gibt es so viele großartige Menschen, die sich ehrenamtlich extrem einbringen. Man sagt schnell, das ist so im Amateursport. Aber im Grunde genommen findet man einen solchen Zusammenhalt in vielen Vereinen leider nicht mehr allzu oft“, hebt er auf der facebook-Präsenz des Clubs abschließend das große Ganze hervor.

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