Oberliga-Abstiegsrunde

Osdorf im Schongang, bei Hamm brennt's: „Wenn ihr keinen Bock habt, bleibt zu Hause!“

30. April 2022, 00:17 Uhr

Der TuS Osdorf bejubelt den im Schongang errungenen siebten Sieg im siebten Abstiegsrundenspiel - und die "Tabellenführung". Foto: noveski.com

Zunächst richtete Hamm-Coach Sidnei Marschall einige obligatorische Worte an die Mannschaft. Dann bat Matthias Cholevas darum, noch etwas ausführen zu dürfen – und wurde dabei immer deutlicher: „Wenn ihr keinen Bock habt, bleibt zu Hause!“ Mit diesem eindringlichen Satz beendete er seinen Appell. Denn der Auftritt der „Geächteten“ beim bereits geretteten TuS Osdorf war über weite Strecken erschreckend (alle Highlights im LIVE-Ticker). Erschreckend harmlos und nicht minder erschreckend bocklos!

Artemi Polonski (Mi.) schüttelt Prince Dzigbede ganz leicht ab und serviert Jeremy Wachter das 1:0 auf dem Silbertablett. Foto: noveski.com

Bocklos fand ich es nicht“, entgegnete Marschall zwar. „Aber genau das, was ‚Matthi‘ gesagt hat, habe ich ja schon vor ein paar Wochen gesagt: Wer keinen Bock hat, soll zu Hause bleiben. Die Spiele werden immer weniger und die Punkte kommen nicht. Wir müssen einfach Bock haben, den Ball ins Tor zu kicken – egal wie! Wir laufen alleine aufs Tor zu, aber kriegen den Ball nicht im Tor unter. Und so wird es dann schwierig, ein Spiel zu gewinnen“, sprach Marschall wohl auf die Chance von Enis Ay an, der mehr oder minder rein zufällig nach einem langen Medaiyese-Abschlag an die Kugel kam, weil Mehmet Eren das Leder mit dem Hinterkopf verlängerte. Aber Ay scheiterte mit seinem Abschluss an Nick Schmidt (19.).

Wachter verwertet Polonskis starke Vorarbeit

Jeremy Wachter (Mi.) lässt sich die Chance nicht nehmen und schweißt trocken zum 2:0 ins kurze Eck ein. Foto: noveski.com

„Wie gesagt: Wenn wir das 1:0 machen, spielen wir einen ganz anderen Fußball. Das war ja der Plan: 15, 20 Minuten Vollgas – und dann haben wir die Riesenchance, gehen aber nicht in Führung“, so Marschall in Bezug auf das reine Zufallsprodukt. Auf der anderen Seite spielte sich Osdorf über den starken Artemi Polonski und Jeremy Wachter die erste große Möglichkeit heraus, aber Marco Panata blockte noch in höchster Not (24.). Kurz darauf war aber auch der HUFC-Innenverteidiger machtlos, als abermals Polonski auf dem rechten Flügel seinem Widersacher Prince Dzigbede ganz einfach stehen ließ und Wachter das 1:0 auf dem Silbertablett servierte (27.)!

"Bei Artemi ist immer noch Luft, häufiger aufs Scoreboard zu kommen"

Kaum zu glauben, dass der „Flügelflitzer“ des TuS nach seiner Jugendzeit beim FC Teutonia 05 fast zwei Jahre lang gar keinen Vereins-Fußball gespielt hat. Mittlerweile blüht Polonski am Blomkamp so richtig auf. „Wir haben vor dem Spiel miteinander gesprochen. Und ich habe ihm gesagt, dass ich seine Bewegungen, seine Ballsicherheit und seine Zweikämpfe so gut finde, dass da jetzt noch ein bisschen mehr Zählbares bei rauskommen muss. Es geht nun mal um Assists und Tore. Daran wollen wir ihn in Zukunft auch so ein bisschen messen. Das wäre der nächste Schritt. Und den Assist hat er heute schon geliefert“, hat sein Trainer Philipp Obloch das „Talent relativ schnell gesehen. Und da hat man dann die Hoffnung, wenn er schon solche Bewegungsabläufe hat und jetzt schon funktioniert, obwohl er zwei Jahre nicht gespielt hat, dass er dann im Laufe des Jahres nochmal einen Satz macht. Und das hat bei Artemi geklappt. Aber da ist immer noch viel Luft, um noch häufiger auf dem Scoreboard zu enden“, so Obloch.

Osdorf macht's im Schongang

Amir Miry (Mi.) hatte nach dem Rückstand den Ausgleich auf dem Fuß. Schiri Nehls sah nicht, dass die Fahne seines Assistenten hochging. Nick Schmidt entschärfte. Foto: noveski.com

So, wie zum Beispiel ein Jeremy Wachter. Der Torjäger des TuS war auch nach der Pause zur Stelle, als der Ball über Christopher Grünewald, der mehreren Hamm-Akteuren einen Knoten in die Beine spielte, und Prince Hüttner zu ihm kam. Eiskalt überwand „Jerry“ mit einem gekonnten Abschluss Hamm-Keeper Medaiyese im kurzen Eck (52.) – 2:0! Im absoluten Schongang führte Osdorf gegen die noch immer um den Klassenerhalt kämpfenden Marschall-Mannen. Aber so richtig große Gegenwehr war weiter nicht zu sehen. Amir Miry wollte ein ums andere Mal einen Strafstoß schinden, hätte in Minute 71 nach einem Rempler von Moritz Rosemeier wohl auch einen bekommen können. Zehn Minuten später vergab der Stürmer die größte Gelegenheit zum Anschluss (81.). Aber das war insgesamt viel zu wenig!

"Das ist definitiv bedenklich"

Francis Gyimah (re.) kugelte sich die Schulter aus und musste mit dem Krankenwagen abtransportiert werden. Gute Besserung! Foto: noveski.com

Abgerundet wurde der komplett gebrauchte Abend von der schweren Verletzung von Francis Gyimah, der sich bei einem Sturz die Schulter auskugelte und mit dem Krankenwagen abtransportiert werden musste. Von dieser Stelle die besten Genesungswünsche! „Dieses Pech passt einfach zu diesem ganzen Jahr. Ich hoffe, dass diese Saison bald zu Ende ist“, so Marschall, der den Auftritt seiner Schützlinge zumindest „läuferisch in Ordnung fand“, wie er sagte. „Aber wir waren hinten wieder offen wie keine Ahnung was. Die hätten noch drei, vier weitere Tore machen können.“ 


Auf Nachfrage, ob es nicht bedenklich sei, in einem Spiel, wo es für sein Team um viel ging, von einer Mannschaft, die bereits durch ist und im Schongang agierte, besiegt worden zu sein, entgegnete er: „Definitiv. Ich habe es auch so gesehen, dass ein, zwei Spieler das im Schongang gemacht haben. Wir haben meiner Meinung nach versucht, uns den Arsch aufzureißen – zumindest läuferisch. Aber das reicht einfach nicht. Es wird immer enger. Wir können uns nicht auf die anderen Mannschaften verlassen, sondern müssen selbst punkten!“

"Haben uns das Ziel gesetzt, diese Runde zu gewinnen"

Als Matthias Cholevas (Mi.) in jener Phase, als sich das Hamm-Physio-Team um Francis Gyimah kümmerte, verletzte, half Osdorf aus. Das ist Fairplay! Foto: noveski.com

Und zwar so, wie es der TuS Osdorf gemacht hat. Siebtes Spiel in der Abstiegsrunde, siebter Sieg – Vereinsrekord ausgebaut! „Wir haben tatsächlich am Tag nach dem Buchholz-Spiel zusammengesessen, ein bisschen unsere Wunden geleckt und uns gesagt: ‚Lasst uns das positiv angehen – und gucken, dass wir diese Runde gewinnen.‘ Also nicht nur ein Vermeidungsziel zu haben, sondern zu sagen, wir wollen die Runde gewinnen. In den letzten ein, zwei Wochen haben wir auch gemerkt, dass es ein bisschen schwierig ist, die Spannung und den Fokus hochzuhalten. Aber klar ist: Wenn wir auf dem Feld stehen, wollen wir auch gewinnen.“

Doch wie genau ist diese Erfolgsserie zu erklären? „Einerseits damit, dass die Jungs gut gearbeitet haben – und das eigentlich durchgehend seit Januar. Da hat sich das schon angedeutet, dass das gute Leistungen zur Folge haben wird. Und andererseits ist es auch damit zu erklären, dass die Einser-Staffel in dieser Abstiegsrunde deutlich schwächer ist als erwartet. Woran auch immer das liegen mag. Und wir wollen einfach gewinnen!“ Das hat man wieder getan – und auch schon wieder zu Null. „Also muss ich wieder zahlen“, scherzte Obloch abschließend.

Autor: Dennis Kormanjos

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