Oberliga 01

Ohne Offensive mit purem Tor-Hagel: Curslack rupft BU – aber: „Wir sind nicht Lurup oder Pinneberg!“

17. Oktober 2021, 09:12 Uhr

Auch der Ex-Barmbeker Pascal El-Nemr (Mi.), der es hier gleich mit mehreren Gegenspielern aufnimmt, trug sich in die Torschützenliste ein. Foto: Bode

Bereits dreimal schlug er seine Zelte beim HSV Barmbek-Uhlenhorst auf. Im vergangenen Sommer kehrte er dem Traditionsverein von der Dieselstraße aber erneut den Rücken und heuerte beim SV Curslack-Neuengamme an. Nun traf Pascal El-Nemr mit dem neuen Club auf die „alte Liebe“ – und verriet im Anschluss an das direkten Aufeinandertreffen: „Es war schön, einige bekannte Gesichter wiederzusehen – auch wenn es nicht mehr ganz so viele waren“, erinnerte El-Nemr an den Umbruch bei den Barmbekern. „Natürlich ist BU für mich nochmal etwas Besonderes. Letztendlich geht es aber auch in so einem Spiel um drei Punkte – egal, wer da der Gegner ist.“ Im Endeffekt sei es für ihn „ein Fußballspiel wie jedes andere“ gewesen, „was ich gewinnen wollte“.

Henrik Giese (Mi.) bejubelt den frühen Führungstreffer mit Sebastiao Mankumbani. Foto: Bode

Ein Fußballspiel, das phasenweise vogelwilde Züge annahm. Schon vor Beginn. „Das ist heute wie bei Rudis Resterampe“, scherzte Curslack-Coach Christian Woike bereits vor dem Anpfiff gegenüber den Kollegen von „Hafo“. Gemeint hatte Woike damit die aktuelle Personalsituation bei den „Deichkickern“. Denn mit Arnold Lechler, Marco Schubring, Christian Peters, Hamed Mokhlis, Bajram Nebija und Özgür Bulut gesellten sich gleich sechs (!) Offensivkräfte zum Lazarett hinzu. Und so musste Woike nicht nur improvisieren, sondern auch ein Stück weit zaubern.

In der vergangenen Woche bei Concordia (2:2) agierte Vincent Janelt noch als Linksverteidiger, nun musste er als Stürmer ran. Später im Spiel übernahm schließlich Sebastiao Mankumbani, eigentlich rechts hinten eingeplant, den Posten des „Torjägers“. Und dann war da noch Pascal El-Nemr, der das Offensivtrio gegen den Ex-Club abrundete. Den Anfang machte aber ein Innenverteidiger. Henrik Giese schädelte eine Ecke von Corvin Behrens zur frühen Führung ein und eröffnete den Torreigen (4.) – im wahrsten Sinne des Wortes. Um es vorweg zu nehmen: Ohne sechs Offensive hagelte es sieben Gegentore für die Gäste.

"So wirst du ruckzuck auseinandergenommen"

Die Gäste aus Barmbek haderten - vor allem im ersten Abschnitt - zurecht mit einigen Entscheidungen von Schiri Henry Wagner (Mi.). Foto: Bode

„Wir haben ja mehr oder weniger alle Tore vorgelegt. Das waren haarsträubende Ballverluste. So wirst Du dann natürlich ruckzuck auseinandergenommen“, haderte BU-Coach Jan-Haimerl bei „Hafo“. Dabei durfte er zunächst noch den Ausgleich bejubeln, als Tom Jahnke nach einem Freistoß von Haris Lakic und anschließender Kopfballvorlage von Nico Schluchtmann zur Stelle war (13.). Am Ende waren es sogar drei Tore, die der Gast am Gramkowweg zum Ergebnis beisteuerte. Neben Jahnke waren auch noch Jonas Wesemann (56.) und Oliver Desimeier, der eine Schluchtmann-Hereingabe einnickte (86.), erfolgreich. Drei Spieler aus der ehemaligen „Zweiten“, die Haimerl hochgezogen hatte. Aber auch drei Treffer, die schlussendlich nur Ergebniskosmetik bedeuteten.

BU schimpft über Schiri-Entscheidungen

Einmal war er vom Punkt erfolgreich, ein weiteres Mal versagten ihm die Nerven: Curslacks Corvin Behrens. Foto: Bode

Denn: Curslack fiel regelrecht über zum Teil haarsträubende Barmbeker her. Der oftmals unglückliche Referee Henry Wagner (GW Eimsbüttel) zeigte nach einem völlig normalen Duell zwischen Eric Owusu und „Aushilfsstürmer“ Janelt auf den Punkt. Behrens verwandelte zum 2:1 (16.). „Ein absolut geschenkter Elfmeter, das ist ein Witz“, echauffierte sich Haimerl, der kurz darauf das nächste (sportliche) Unheil auf sich und sein Team zukommen sah. Diesmal wurde El-Nemr unsanft zu Boden befördert – nun stellte sich die Frage nicht: Elfmeter. Aber Behrens versagten im zweiten Anlauf die Nerven, Malte Leskien blieb Sieger (23.). Auf der anderen Seite blieb die Pfeife nach einem Vergehen an Desimeier stumm (37.).

Woike fühlt sich an "Käfigfußball" erinnert

Pascal El-Nemr (re.) gegen den alten Club und im Duell mit Yannick Albrecht. Foto: Bode

Und so sah Haimerl, wie sein Team mit dem Pausenpfiff am eigenen Sechzehner den Ball herschenkte. Florian Rogge eroberte das Leder im Gegenpressing, setzte Janelt mustergültig in Szene – und dieser stellte aus stark abseitsverdächtiger Position auf 3:1 (45.). Auch nach Wiederanpfiff ging es munter weiter. Oder wie Woike befand: „Es war zwischendurch fast wie Käfigfußball: fünf vorne, fünf hinten.“ Einen Traumpass von Rogge veredelte Tim Schmidt, der im ersten Durchgang noch den Pfosten traf (9.), zum 4:1 (53.), ehe El-Nemr nach dem zwischenzeitlichen 2:4 durch Wesemann den alten Abstand wiederherstellte. Eine bereits verloren gegangenen Ball eroberte der 28-Jährige stark zurück und schoss mit links rechts unten ein (60.).

"Heute sehe ich mal über die Gegentore hinweg"

Fehlte noch ein Tor von Mankumbani, der nach Janelts Auswechslung (61.) in die Spitze rückte und wenig später tatsächlich nach Behrens-Pass freistehend das 6:2 besorgte (71.). Dann nahm Moritz Kühn eine El-Nemr-Flanke volley und schweißte zum siebten Mal an jenem Nachmittag ein (83.). Desimeier gelang nur noch der Ehrentreffer (86.). „Wir haben heute personell nicht ganz aus dem Vollen geschöpft“, witzelte Woike, „von daher freuen wir uns riesig über den Sieg. In den letzten Tagen ist ja so einiges nicht rund gelaufen bei uns. Mit so einem Offensivfeuerwerk und solch einer Tordifferenz habe ich daher wirklich nicht unbedingt gerechnet. Wir hatten so viele Chancen und lassen den Gegner immer wieder am Leben oder holen ihn zurück ins Spiel. Ich habe diese Saison schon viel analysieren und kritisieren müssen – aber heute ist einfach mal ein Tag, wo ich über die drei Gegentore hinwegsehe. Das habe ich eben auch im Mannschaftskreis gesagt“, erklärte er gegenüber „Hafo“.

"Wir sind kein Lurup oder Pinneberg"

Florian Rogge (li.) - im Zweikampf mit Jonas Wesemann - spielte einige starke Bälle und leitete einige Angriffe ein. Foto: Bode

Sein Gegenüber bilanzierte: „Sieben Gegentore – das ist natürlich nicht gut“, ärgerte sich Haimerl vor allem über den Elfmeter, der zum 1:2 führte, und den „Risikoball aus der Kette, den du so niemals spielen darfst. Damit schenken wir ihnen den dritten Treffer. Da merkt man eben, dass wir nicht 500 Oberligaspiele auf dem Platz haben. Trotzdem war es ein Meter Abseits.“ Die Fehler der Barmbeker gingen aber „auch nach der Pause munter weiter. Es klingt vielleicht komisch, aber ohne unsere schlimmen Fehler wäre hier heute etwas drin gewesen. Ich hatte eigentlich schon eher mit so einer Klatsche gerechnet. Jetzt haben wir sie hinter uns. Aber wir sind kein Lurup oder Pinneberg, wir haben immer 20 Leute beim Training“, stellte Haimerl abschließend fest.

Autor: Dennis Kormanjos

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